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Schweiz Alles paletti im Schweizer Rotlichtmilieu?

Rund 600 Bordelle mit 6000 Arbeitsplätzen gibt es in der Schweiz, Zwangsprostitution ist selten. Dies sagt die erste Studie des Bundes zum Rotlichtmilieu. Doch Experten relativieren: Der Schutz der Frauen ist weiter ungenügend. Viele arbeiten zudem in Privatwohnungen. Sie erfasst die Studie nicht.

Schweizer Puffs.
Legende: Die 1. Studie des Bundes zum Rotlichtmilieu überrascht teils positiv, bestätigt aber auch Grundprobleme. Keystone/Archiv

Zwischen 550 und 600 Bordelle gibt es in der Schweiz. Das sind rund 6000 Arbeitsplätze. Die meisten davon befinden sich in den Kantonen Zürich und Basel-Stadt.

Das zeigt eine grossangelegte Studie des Bundesamtes für Polizei, die heute in der «Aargauer Zeitung» veröffentlicht wurde. Durchgeführt wurde sie von den beiden Kriminologen Martin Killias und Lorenz Biberstein.

Von den knapp 550 angeschriebenen Etablissements meldeten sich deren 99 und gaben Auskunft. Strafrechtsprofessor Kilias räumt ein, dass der Rücklauf mit rund 20 Prozent bescheiden sei. Allerdings sei auch bei anderen Branchenbefragungen die Rückantwortquote nicht höher.

Gemäss Studie gibt es also weniger Bordelle in der Schweiz als gemeinhin angenommen. Doch Christa Ammann, Leiterin der Fachstelle Xenia in Bern, geht von einer massiv höheren Zahl von Prostituierten aus: Viele Sexarbeitende seien in Privatwohnungen tätig und tauchen in der Studie nicht auf. Die Zahlen stellten zudem nur eine Momentaufnahme dar: «Das Sexgewerbe ist relativ schnelllebig, Lokale gehen auf und wieder zu.»

Zwangsprostitution in der Schweiz sehr selten

Was die Zwangsprostitution in der Schweiz betrifft, so bewertet die Studie das Problem als gering: Als «Legenden» bezeichnet Kilias immer wieder kursierenden Geschichten von in Handschellen angelieferten Frauen, die nach Abnahme des Passes eingesperrt werden.

Vielleicht nicht gerade Legenden, aber doch eher selten, bestätigt Ammann von der Fachstelle Xenia, die Prostituierte direkt betreut: Das ist auch unsere Erfahrung. Es sind wirklich wenige Sexarbeitenden, die von Zwangssituationen betroffen sind.»

Das heisst aber laut Studienleiter Kilias nicht, dass Prostituierte in der Schweiz keinen Zwang kennen. Die Etablissements würden nämlich von Bewerbungen überhäuft. Damit könnten die Bordellbetreiber durchaus Druck ausüben auf jene, die mit den Arbeitsbedingungen nicht zufrieden sind. Kilias betont unter diesem Umständen: «Der Schutz der Frauen wird vernachlässigt.

«Der Strassenstrich ist entwürdigend»

Entsprechend halte er auch nichts von einem Prostitutionsverbot, wie es für die Schweiz auch schon politisch gefordert wurde. Denn damit würden nach seinen Worten nur die gefährlichen, oft versteckten Strassenstriche zunehmen.

Er verweist auf die Lage in französischen Vorstädten oder Häfen oder auf italienischen Landstrassen. Der Strassenstrich sei im eigentlichen Sinne entwürdigend. «Darum brauchen die Frauen nicht weniger, sondern mehr Rechte», betont der Strafrechtler.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Noch was, man urteile nicht!!! Ich habe junge Maedchen gekannt.. als wir die lokale Schule sanierten... sie sind gross geworden und einige sind jetzt TOT.. wegen AIDS.. warum.. nun da waren Kinderlein, die mussten versorgt werden, die junge Mutter hatte keinen Job.. der Kindsvater zahlte nicht aus gleichem Grund und das fast noch Maedchen musste anschaffen gehen.. fuer das Kind und sich selber.. meist bei Lastwagenfahrern.. so auf die Schnelle.. ich kenne noch ihre Namen und Gesichter
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  • Kommentar von Ingrid Betschart, Schattdorf
    Ich glaube kaum, dass nur wenige zur Prostitution gezwungen werden. Die meisten melden sich doch gar nicht, weil sie bedroht werden. Oder wenn eine gefangen gehalten wird, wie soll sie sich dann bei der Fachstelle melden? Diese Studie ist doch nur dazu da, dass sich Männer, die ihre Triebe nicht unter Kontrolle haben, ein gutes Gewissen einreden können.
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    1. Antwort von Hans Glauser, Herlisberg
      Was ist schon dabei, dass es Frauen gibt, die für gutes Geld sich den Männer anbieten. Das ist allemal besser als Vergewaltigungen.
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    2. Antwort von Ingrid Betschart, Schattdorf
      Hans Glauser Wenn eine Frau das wirklich freiwillig macht, ist es kein Problem. Aber wenn Frauen gezwungen werden sich anzubieten, ist es genau gleich wie eine Vergewaltigung. Wie ich schon geschrieben habe glaube ich kaum, dass sich viele die gezwungen werden bei Fachstellen melden.
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    3. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      Die Frage ist doch mal grundsaetzlich: WAS ist Prostitution... ??? ZB ist Prostitution auch die Ehe, die mit einem Mann eingegangen wird um "versorgt" zu sein.. ?Oder Prostitution ist Geben und Nehmen... also ein Geschaeft. ? wenn eine Frau zur Prostitution gezwungen wurde.. nun, was ist dann, wenn sie es spaeter freiwillig weiter tut..? Also wissen kann eigentlich nur wer selber in diesem Geschaeft taetig ist denke ich..
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    4. Antwort von Andrea Müller, Zürich
      Ist ja okay dass du das nicht glaubst, und dabei gleichzeitig implizierst dass nur Männer zu Prostituierten gehen, aber einfach so ist das leider nur eine Behauptung ohne Grundlage.
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  • Kommentar von Peter Steiner, 8810
    So eine dümmliche Studie... 20% geben Antwort und dann wird dies mit einem anderen Gewerbe verglichen... Im Gegensatz zu anderen Gewerben kommt man mit dieser Studie gar nicht an diejenigen, welche einen Gegenpol setzen könnten/müssten. Da könnte der Autor auch selbst drauf kommen. Dass er damit vielen Männer einen Freibrief für Vergewaltigung gibt, merkt er vermutlich nicht einmal... Diese "Studie" schadet demnach vielmehr, als sie (auch nur einwenig) Wahrheit offenbart.
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    1. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      @ Peter Steiner...einen Freibrief für Vergewaltigung gibt, WAS meinen Siedamit...???Es ist doch eher so, dass MANN der kann es nicht noetig hat Gewalt auszuueben.. und dank "Komfortfrauen" kann MANN eben! Wir sollten dankbar sein, dass es Prostituirte gibt...
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    2. Antwort von Andrea Müller, Zürich
      Was macht Prositution denn so einzigartig? Wieso würde eine solche Studie "in anderen Gewerben", zum Beispiel Näher die irgendwo in einem Keller eingesperrt T-shirts zusammennähen, erreichen?
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