Alte Uhrenateliers werden auf Radioaktivität untersucht

Nach der Informationspanne um den Fund von radioaktivem Abfall bei Biel im Jahr 2012 wollen die Behörden jetzt handeln. Weil es sich vermutlich um Altlasten der Uhrenindustrie handelt, sollen jetzt alle Gebäude, in denen früher mit Radium gearbeitet wurde, kontrolliert werden.

Baustelle mit Baukran.

Bildlegende: Auf dieser Baustelle bei Biel waren vor rund zwei Jahren mehr als 100 Kilo radioaktiver Abfall entdeckt worden. Keystone


Gefahr durch ehemalige Uhrenateliers?

1:50 min, aus SRF 4 News aktuell vom 08.06.2014

Die ehemaligen Uhrenateliers im Jurabogen werden systematisch auf Radioaktivität untersucht. Dies kündigte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) an. Die möglichen Gefahren für die Gesundheit der Bevölkerung seien gering.

Das BAG reagierte auf einen Bericht der «SonntagsZeitung». Diese fand laut eigenen Angaben im Bundesarchiv eine Liste mit den Standorten von rund 85 früheren Radium-Ateliers. Es handelt sich dabei um ehemalige Leuchtfarben-Setzateliers der Uhrenindustrie in mehreren Kantonen, die vor 1963 tätig waren, wie das Bundesamt für Gesundheit mitteilte.

Von der Suva kontrolliert

25 davon hatten nach 1963 eine Bewilligung für die Verwendung radiumhaltiger Substanzen erhalten. Sie gehören zu jenen Betrieben, die die Suva regelmässig kontrollierte und deren Gebäude sie bei der Einstellung der Arbeiten freigab, wie das BAG schreibt.

Die übrigen Betriebe hätten nie eine Bewilligung beantragt und deshalb nach 1963 auch kein Radium mehr beziehen können. Ob sie zu einem früheren Zeitpunkt allenfalls mit radioaktiven Substanzen gearbeitet haben könnten, werde nun abgeklärt.

Radium-Kataster soll erstellt werden

Das BAG will ausschliessen können, dass Menschen gesundheitlich gefährdet sind, die heute in den Gebäuden der ehemaligen Uhrenateliers arbeiten oder wohnen. Es wird deshalb in den nächsten zwölf Monaten an allen ehemaligen Standorten Messungen durchführen.

Das BAG werde die Untersuchungen in privat genutzten Gebäuden durchführen, die Suva in den gewerblich genutzten Liegenschaften. Der Bund komme für die Kosten der Messungen auf. Zudem werde das BAG einen Kataster mit allen ehemaligen Ateliers erstellen, die mit Radium gearbeitet haben.

Bundesamt richtet Kontaktadresse ein

Ausgelöst wurden die Diskussionen um Altlasten aus der Uhrenindustrie durch Funde von radioaktivem Abfall auf der Baustelle der A5-Autobahnumfahrung von Biel. In der Folge wurden zwar der Kanton Bern als Bauherr, das Bundesamt für Gesundheit und die Suva informiert, jedoch nicht die Bevölkerung in der Umgebung der Baugrube.

Die Behörden räumten schliesslich am vergangenen Montag Fehler in der Kommunikation ein. Das Bundesamt für Gesundheit richtete unter der Adresse str@bag.admin.ch zudem eine Kontaktstelle für Fragen ein. An diese Adresse können der Behörde auch weitere potenziell betroffene Standorte gemeldet werden.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Radium in Haushalten

    Aus Tagesschau vom 8.6.2014

    Die leuchtenden Zifferblätter der Uhren in den 50iger und sechziger Jahren waren der Renner. Ihr Nachteil: Die Ziffern und Zeiger wurden mit radioaktiven Leuchtfarben bemalt, die aus Radiumpulver bestanden. 1963 wurde diese Praxis in der Schweiz aus Gesundheitsgründen verboten. Die Nachwirkungen zeigen sich aber noch heute.