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Schweiz Altersarmut ist weiblich

Armut im Alter nimmt zu. Sie trifft jeden achten Rentner. Frauen trifft es härter als Männer. Schlechte Löhne und unbezahlte häusliche Arbeit sind die Gründe. Am Dienstagabend nahm sich der Club dieses Themas an. Gast war auch die Historikerin Heidi Witzig.

Legende: Video Armutsfalle Alter abspielen. Laufzeit 15:49 Minuten.
Aus Club vom 14.10.2014.

SRF: Heidi Witzig, warum ist Altersarmut weiblich?

Das vierte – also das betreuungsbedürftige – Lebensalter ist mehrheitlich weiblich. Hier kumulieren sich die Armutsrisiken. Das Altersversicherungssystem ist an das Erwerbseinkommen gebunden. Da schliessen Frauen schlecht ab, weil sie immer noch weniger verdienen als Männer, aber auch, weil sie viel unbezahlte Arbeit leisten, die nicht versichert ist.

Aber auch viele Männer können im Alter von der normalen Rente nicht leben:

Das ist richtig. Wem AHV und Pensionskasse nicht zum Leben reichen, hat Anrecht auf Ergänzungsleistung. Aktuell beziehen knapp 14 Prozent der Rentnerinnen eine Ergänzungsleistung und 8,7 Prozent der Rentner. Selbst ledige Frauen, die ein Leben lang gearbeitet und aufgrund ihres Geschlechts weniger verdient haben, kommen bei der AHV nicht auf die Maximalrente, das ist skandalös. Bei verheirateten Frauen kommt dazu, dass sie meist über den Mann versichert sind. Eine Scheidung kann sie in die Armut stürzen. Verheiratete Frauen pflegen zudem im Alter meist unentgeltlich ihre Partner. Das Ersparte nimmt in dieser Zeit stetig ab. Wenn er stirbt, ist oft kaum mehr etwas übrig für sie. Zudem kostet sie mehr, wenn sie die gesamte Betreuung bezahlen muss. Dieses Armutsrisiko trifft auch gut situierte Frauen.

Sie engagieren sich bei bei der Plattform «GrossmütterRevolution»:

Das Netzwerk «GrossmütterRevolution» versteht sich als Plattform für die Anliegen älterer Frauen; unsere Koordinatorin wird vom Migros-Kulturprozent finanziert. Wir waren in der Neuen Frauenbewegung aktiv und setzen uns für Frauen unserer eigenen Generation ein. Für ein Alter in Selbstbestimmtheit und Würde. Alles nachzulesen auf www.grossmuetter.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster. Die finanzielle Absicherung ist nur eines der Anliegen, aber ein wichtiges. Altersarmut wirkt sich auch auf das Lebensgefühl und die Lebensqualität aus. Ich kenne Frauen, die sich kaum das Bahnbillett leisten können, um ihre Enkel hüten zu gehen.

Was muss sich ändern?

Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit ist immer noch keine Realität, obwohl das in der Verfassung garantiert ist. Zudem macht die Anbindung der Altersversicherung an die Lohnarbeit die Frauen mit ihrer unbezahlten Arbeit weiterhin zu Benachteiligten. Die so genannte Care-Arbeit muss zumindest rentenwirksam werden. Und die AHV soll ausgebaut werden. Ein gutes Vehikel dafür ist die Erbschaftssteuer, für die wir uns einsetzen. Diese wird erst bei einem Erbe von über zwei Millionen Franken eingezogen, also bei den wirklich Reichen, und soll zu zwei Dritteln der AHV zugute kommen.

Zur Person:

Zur Person:

Dr. phil. Heidi Witzig ist Historikerin, Grossmutter und Mitglied der Plattform «GrossmütterRevolution». Zudem ist sie Co-Autorin des Buchs «Frauengeschichte(n): Dokumente aus zwei Jahrhunderten zur Situation der Frauen in der Schweiz.» Sie diskutiert im «Club» über die Armutsfalle Alter.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Dass sich unsere Gesellschaft auf das sich verschärfende Problem der Altersarmut zu bewegt ist m.E. nichts neues. Um so erstaunlicher ist es aber, dass nach wie vor Symptome bekämpft und nicht die Ursachen gelöst werden. Der Griff z.B. in die Erbschaftssteuer wirkt leider nur in der ersten Generation. Danach ist das Geld verbraucht oder andersweitig ausgegeben.
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  • Kommentar von brun angela, sirnach
    Rentner können kaum Steuerabzüge machen, zahlen für unser kleines Einkommen mit EL viel zuviel Steuern. Obwohl wir eigentlich auch in einem Existenzminimum leben werden uns die Steuern nicht erlassen wie z.B. den Sozialbzügern. Hätten wir dieses Geld zum Leben würde es uns auch etwas besser gehen, wir könnten uns auch mal was leisten als immer nur sparen. Spezialanschaffungen für Haushalt, Reisen und Gesundheit kann man vergessen. Nicht am Gesllschaftsleben teil nehmen zu können macht einsam.
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  • Kommentar von T. Stoller, Bern
    Man vergisst schnell: Frauen konnten bis in die 90-er Jahre hinein, wenn sie vor der Heirat standen oder geheiratet haben, ihr gesamten Pensionskassengeld bar beziehen. Davon wurde in allen Fällen, die ich gesehen habe, Gebrauch gemacht. Das Geld wurde gebraucht für die Flitterwochen, ein neues Auto oder die Einrichtung des Kinderzimmers. Diese Lücke in der beruflichen Vorsorge ist fast nicht mehr aufzuholen, auch wenn die Frau wieder in den Beruf eingestiegen ist.
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