Am Schulanfang werden die gelben Streifen wieder zum roten Tuch

Ab heute sind in verschiedenen Kantonen aufgeregte ABC-Schützen mit ihren neuen Schulranzen unterwegs: Es ist Schulanfang. Einige Kinder müssen dabei auf ihrem Weg zahlreiche Fussgängerstreifen überqueren. Doch längst nicht alle Fussgängerstreifen erfüllen die Sicherheitsanforderungen.

Polizist mit Kindern vor einem Fussgängerstreifen.

Bildlegende: Auch die Unterweisung in Verkehrskunde macht aus Fussgängerstreifen noch kein sicheres Hilfsmittel. Keystone

Die leuchtend gelben Fussgänger-Streifen prägen das Bild in Schweizer Städten und Dörfern. Rund 50'000 solche Streifen gibt es in der Schweiz.

Doch die Hälfte davon erfüllte vor vier Jahren die Sicherheitsanforderungen nicht. Die Sichtweite war ungenügend oder die Beleuchtung schlecht. Der Bund forderte deshalb die Kantone und die Gemeinden auf, zu handeln.


Sicherheit Fussgängerstreifen

1:56 min, aus HeuteMorgen vom 15.08.2016

«Noch nicht merklich verbessert»

Eine Aufforderung mit beschränkter Wirkung, weiss Gianantonio Scaramuzza von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU): «Die Sanierung von Fussgängerstreifen, das ist eine schwierige Angelegenheit. Die Situation hat sich vermutlich schon etwas gebessert, aber noch nicht merklich».

Die Kantone haben zwar begonnen, systematisch zu klären, weshalb manch ein Fussgängerstreifen nicht die Sicherheit bringt, für die er eigentlich gedacht war. Doch wenn es darum geht, die Mängel zu beheben, hapert es. Auch wegen der Kosten. Eine Fussgänger-Schutz-Insel etwa könne nämlich rasch mehrere 10'000 Franken kosten, sagt Scaramuzza.

Vielfältige Widerstände

Aber nicht nur deswegen tun sich die Kantone und Gemeinden schwer: «Man trifft auf politische Widerstände. Landeigentümer, die das Land nicht geben wollen. Oder Elternvertreter, die sich gegen Fussgängerstreifen-Aufhebungen wegen zu wenig Fussgängern wehren.» Das Ziel, dass landesweit alle gefährlichen Fussgängerstreifen erfasst, saniert oder sogar aufgehoben werden, ist somit noch längst nicht erreicht.

Und nur Taten bei den Kantonen reichten sowieso nicht, sagt Antonio Scaramuzza: Es brauche auch generell ein Umdenken in der Gesellschaft. Der irrige Glaube bestehe, dass Fussgängerstreifen stets für Sicherheit stünden.

Vorgetäuschte Sicherheit

Aber ein Fussgängerstreifen könne auch Sicherheit vortäuschen. Ein Fussgängerstreifen beispielsweise ohne Schutzinsel auf einer breiten, vielbefahrenen Strasse werde rasch zur gefährlichen Falle, erläutert Scaramuzza: «Ein Fussgängerstreifen ist in erster Linie eine Vortrittsregelung, Punkt.»

Er wünscht sich mehr Offenheit für andere Lösungen im Verkehr. Lösungen, die Sicherheit bringen; auch wenn die Fussgänger nicht wie auf dem Fussgängerstreifen Vortritt hätten.