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Schweiz Am Thunersee drohen Enteignungen

Freien Zugang zu allen Ufern fordert die Vereinigung «Rives publiques» mit zunehmendem Erfolg. «Rundschau»-Recherchen zeigen: Am Thunersee wird es gar zu Enteignungen von Land kommen. Der Gemeindepräsident von Hilterfingen bestätigt: «Ich rechne für den Uferweg mit einigen Enteignungsverfahren.»

Legende: Video Seeufer für alle abspielen. Laufzeit 11:44 Minuten.
Aus Rundschau vom 20.05.2015.

Seit 1982 schreibt der Kanton Bern einen Uferweg an seinen Seen vor – so auch in Hilterfingen am Thunersee. Über 30 Jahre lang ging wenig – jetzt zwingt der Kanton Bern die Gemeinde, einen 600 Meter langen Fussweg entlang des Ufers zu bauen.

Hilterfingens Gemeindepräsident Gerhard Beindorff spricht im Interview mit der «Rundschau» von einer «Zwängerei des Kantons Bern.» In Hilterfingen seien bereits heute vier Fünftel des Ufers öffentlich zugänglich.

Uferweg wird 4-5 Millionen Franken kosten
Autor: Gerhard BeindorffGemeindepräsident von Hilterfingen (BE)

Der Gemeindepräsident von Hilterfingen muss in den nächsten Monaten den Liegenschaftsbesitzern Land abkaufen für den neuen Uferweg. Gerhard Beindorff: «Ich rechne dafür mit Kosten von 4 bis 5 Millionen Franken.»

Weigern sich die Seeanstösser ihr Land für den Uferweg abzugeben, kommt es in Hilterfingen zu Enteignungen. Gemeindepräsident Beindorff bestätigt gegenüber der «Rundschau»: «Es wird für den Uferweg sicherlich zu einigen Enteignungsverfahren kommen.»

Geltende Gesetze werden nicht umgesetzt
Autor: Victor von WartburgPräsident des Vereins «Rives Publiques»

Rund 300 Mitglieder unterstützen mittlerweile den Verein «Rives Publiques», der für öffentlich zugängliche Ufer kämpft. Jüngst gewann Rives Publiques am Genfersee drei Gerichtsfälle in den Waadtländer Gemeinden Tannay, Gland und Corseaux. Villenbesitzer mussten ihre privatisierten Uferabschnitte öffnen, Zäune einrollen, Fusswege erlauben.

Victor von Wartburg, Präsident von Rives Publiques will weitere Uferabschnitte gerichtlich freikämpfen. «Oft setzen Behörden geltende Gesetze für Uferwege nicht um und wollen vermögende Seeanstösser schützen. Dagegen werden wir jetzt konsequent vorgehen.»

Florian Chaudet vertritt die Seeanstösser am Genfersee und bekämpft juristisch «Rives Publiques». Der Anwalt gibt sich gegenüber der «Rundschau» kämpferisch: «Ein Park zum Verweilen bringt der Bevölkerung viel mehr, als reine Uferwege. Man muss genau prüfen, wo Uferwege Sinn machen und ob sie machbar sind.»

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95 Kommentare

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  • Kommentar von P.Meier, Zürich
    Auch Reiche haben ein Recht auf Rechtssicherheit, jemandem einfach so ein Teil seinen Besitzes Zwangsenteignen erinnert mehr an eine Bananenrepublick als an ein Rechtsstaat. Wir sollten die Reichen mit solchen Aktionen nicht aus der Schweiz vertreiben, weil das wäre ein finanzieller Verlust unter dem schlussendlich alle leiden würden.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Da waeffeln fast alles Leute, die weitab jeder Gewaesser leben .. und vielleicht mal einen Sonntagsausflug wagen und dann mit dem Auto zB das Dorf Hilterfingen zupflastern... Also was ich lese ist Mehrheitlich ganz stinkgewoehnlicher Futterneid. Und wetten dass jeder dieser Neid'ster im Falle der grossen Finanzsegnung selber alles taete um gerade so ein wunderschoenes Grundstueck zu erwerben.. ganz fuer sich alleine.. wetten!!! WETTEN!!!
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    1. Antwort von Thomas Wanner, Aarau
      Wüssen Sie, es gilt das geschriebene Recht. Wenn es um Recht des Kantons Bern geht, spielt es keine Rolle, ob jemand in Frutigen oder Moutier wohnt; wenn es um das ZGB geht, spielt es keine Rolle, ob jemand in Gondo oder in Schaffhausen wohnt. Und ob jemand die Umsetzung geltenden Rechts fordert aus Neid, spielt auch keine Rolle.
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    2. Antwort von Christoph Lorenz Aeberhard, CH - 6062 Wilen ( Sarnen )
      Ein Recht einzufordern über eine Volksinitiative aus purem NEID spricht alleine für für sich für die Intelligenz dieser Menschen nicht zurechnungsfähig !
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Auch an den wunderbaren Gestaden des Vierwaldstättersees sollte diesbezüglich etwas unternommen werden. Es kann doch nicht sein, dass bestbetuchte Ausländer die schönsten Seeufer für sich beanspruchen, diese mit Stacheldraht umzäunen und durch kläffende Hunde bewachen lassen, währen wir Einheimische und Touristen aussenrum gehen müssen. Die Villenbesitzer sollen ihre Villen am See haben, aber die Spaziergänger nicht als störend empfinden.
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    1. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      es sei denn natürlich,es handelt sich um rechtsbürgerliche schweizer Villenbesitzer! Da sollte man schon ausnahmen machen,aber das versteht sich ja eigentlich von selber.Hier handelt es sich aber auch um ruhebedürftige,wertvolle Bürger,die dafür sorgen,das wir einfachen Leute einen Arbeitsplatz erhalten...
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    2. Antwort von Adrian Flükiger, Bern
      @Der zweite Teil Ihres Kommentars ist eine Frechheit und Zumutung. Keine Rücksicht, weder auf In- noch aus Ausländer. Platz machen, enteignen. Arbeitgeber hin oder her. Wie einfältig die Arbeitnehmenden bisweilen reagieren zeigte der gestrige Beitrag in 10v10 über die Situation in der Maschinenindustrie eindrücklich. Selbst geschluckte Arbeitszeitverlängerungen retten den Arbeitsplatz nicht, wenn der Roboter schon vor der Tür ist. Der Büezer wird nicht nur - er lässt sich doppelt verseckeln.
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