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Ambulante Behandlungen Vom Operationssaal ins Wohnzimmer

Der Bund hat eine Liste von Behandlungen veröffentlicht, die künftig ambulant durchgeführt werden sollen.

Legende: Audio Ambulant vor stationär abspielen.
2:55 min, aus Echo der Zeit vom 20.02.2018.

Spitalaufenthalte sind teurer als ambulante Operationen – also Eingriffe, bei denen die Patienten am gleichen Tag wieder nach Hause können. Die Schweiz habe da Reformbedarf, sagt Jonas Montani, Sprecher im Bundesamt für Gesundheit: «In der Schweiz werden mehr Eingriffe stationär durchgeführt als im Ausland, obwohl ambulante Eingriffe aus medizinischer Sicht angebracht wären und man dabei Kosten sparen könnte.»

90 Millionen Franken pro Jahr liessen sich einsparen, heisst es in einer Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums. 33'000 Operationen könnten in Arztpraxen oder in Spitalambulatorien durchgeführt werden, statt stationär in Spitälern.

Der erste nationale Versuch

Hämorrhoiden und Krampfadern-Operationen etwa, aber auch Eingriffe an der Gebärmutter, am Meniskus, oder der Leiste. Insgesamt sechs Gruppen von Operationen müssen die Krankenkassen ab nächsten Jahr nur noch vergüten, wenn sie ambulant durchgeführt werden.

Patientinnen und Patienten, die es aus medizinischen oder sozialen Gründen benötigen, sollen auch weiterhin stationär behandelt werden können.
Autor: Bernhard WegmüllerSpitalverband H+

Die entsprechende Liste in einzelnen Kantonen – etwa Luzern und Zürich – fasst sogar 15 Eingriffe, darunter Hand- und Fussoperationen und die Einpflanzung von Herzschrittmachern. So weit will der Bund noch nicht gehen, sagt Montani: «Es ist das erste Mal, dass eine solche Liste auf nationaler Ebene erstellt wird. Es geht also erst einmal darum, diese Entwicklung schweizweit zu fördern und voranzutreiben.» Ob man die Liste noch erweitern werde, werden man später entscheiden.

Wie gross ist das Sparpotenzial?

Bernhard Wegmüller vom Spitalverband H+ kann mit der nationalen Liste leben, bedauert aber, dass einzelne Kantone weiter gehen können, als der Bund vorschreibt. Wichtig sei für die Spitäler aber vor allem, dass auch bei der Bundesliste weiterhin Ausnahmen möglich sein sollen, sagt er: «Patientinnen und Patienten, die es aus medizinischen oder sozialen Gründen benötigen, sollen auch weiterhin stationär behandelt werden können.»

Gerade diese Fälle seien aber kompliziert: «Das sind eher die teuren Fälle, nicht die klassischen, die rein ambulant gemacht werden können. Deshalb gehen wir in diesem Bereich nicht von einem Sparpotenzial aus.» Etwas günstiger wird es aber sicher. Und die Liste mit Eingriffen, die ambulant gemacht werden müssen, wird in Zukunft wohl auch noch länger.

Legende: Video Wirrwarr mit Operationslisten abspielen. Laufzeit 4:03 Minuten.
Aus 10vor10 vom 20.02.2018.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Medizinisches und soziales wird immer mehr durcheinandergemengelt. Solange die Leistungsfaehigkeit auch zur Eigensorge wegen einer Operation beschraenkt ist, bleibt das Problem medizisch. Ebenso wird ein Problem medizinsch, wenn ein Arbeitnehmer "nur" krank geschunden und gemobbt ist und ihm nicht (auch) die Knochen gebrochen wurden. Und zwar so lange, bis der Missbrauchte wieder anstaendig hospitalisiert und bekurt wieder gesund ist....
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  • Kommentar von wolf gir (lefti)
    Die Aussage des Vertreters vom BAG war beim genauen hinhören doch sehr eindeutig "Kantone werden 90 Millionen sparen" "Patienten sind froh nach Hause zu dürfen" Lächerlich wer heute nach Hause will kann es jetzt schon, aber wer alleine lebt ist froh noch eine Nacht versorgt zu werden Es nur für die Kantone billiger, denn beim Ambulanten gibt es keine Kantonsbeiträge Was heute an Vor- und Nachversorgung in der Pauschale ist muss vom Patienten berappt werden, Eigenanteil + steigende Kassen
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Patienten die es aus medizinischen oder sozialen Gründen benötigen, dürfen länger bleiben. Was schliessen soziale Gründe alles ein. Ein Patient der Angst hat, weil er zu Hause allein ist. Was tut er, wenn er Nachts Hilfe braucht. Ich stelle mir das nicht so einfach vor, mit dem Trost nach Hause zu gehen, Sie müssen keine Angst haben, es passiert nichts. Ja dann, die 144 soll die Zahl ihrer Krankenwagen und Sanitäter erhöhen. Ein Krankenwagen kostet ja nur Zwischen 800 und 1000 Franken.
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    1. Antwort von Margrit Holzhammer (Margrit Holzhammer)
      @Christa Wüstner: Es erstaunt mich, dass zu diesem Thema nicht mehr Kommentare geschrieben werden. Jede und Jeder kann im Spital landen und in der Nacht ist sowieso alles schlimmer als bei Tageslicht. Lieber eine Nacht zuviel im Spital als zu Hause in der Nacht notfallmässig Ambulanz und Notarzt aufbieten. Unser Gesundheitswesen ist sowas von krank, eigentlich ist es bereits gestorben.
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    2. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Ob das eine gute Idee war Frau Holzhammer wird sich zeigen. Ich pers. habe meine Zweifel. Ältere Menschen nach Eingriffen sofort wieder nach Hause zu lassen. Sie müssen auf alle Fälle eine sofortige Ansprechperson haben, wenn sie alleine sind . Spitex hat Nachts auch keinen Einsatz an med.Personal. Aber man will Kosten einsparen durch Ambulante Behandlung. Ob das erreicht wird, wird sich zeigen. Vielleicht wird es sogar teurer durch anschliessende Notfalleinweisungen.
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