Angst vor dem Verlust der Pressevielfalt in der Romandie

Mit ihren Sparplänen bringt die Zürcher Tamedia die Westschweiz in Rage. Im Zentrum steht die Angst vor dem Abbau von Arbeitsplätzen und der Medienvielfalt, sagt der Publizist Jacques Pilet. Die Regierung der Kantone Genf und Waadt verlangen ein Treffen mit den Verantwortlichen der Tamedia.

Während die Sparpläne des Medienhauses Tamedia in der Deutschschweiz keine grossen Wellen schlagen, geht ein Aufschrei durch die Westschweiz. In die Debatte schalten sich auch die Regierungen der Kantone Waadt und Genf ein.

In Genf demonstrierten rund 50 Journalisten gegen die Sparpläne der Tamedia. Ihrem Demonstrationszug schlossen sich auch Sympathisanten an. Auf Schildern hielten sie Schlagzeilen in die Höhe, wie «Ohne Journalisten keine Artikel» und «Eine Zeitung ist keine Milchkuh».

«Nicht zur Wüste werden»

«Sie befürchten, dass die Medienvielfalt in der Westschweiz ausgedünnt wird», sagt Jacques Pilet im Gespräch mit SRF 4. Er ist Publizist und hat vor 30 Jahren das Magazin «Hebdo» gegründet. «Wir wollen nicht so eine publizistische Wüste werden wie beispielsweise gewisse Regionen in Frankreich.»

Kantonsregierungen mischen sich ein

Die Regierungen der Kantone Genf und Waadt verlangen ein Treffen mit den Verantwortlichen des Medienhauses Tamedia. Sie fordern präzise Informationen zum angekündigten Sparprogramm. Aus dem Kanton Waadt wollen Regierungspräsident Pierre-Yves Maillard (SP), Pascal Broulis (FDP) und Philippe

Leuba (FDP) teilnehmen, wie Leuba sagte. Das Treffen müsse so bald wie möglich stattfinden, sagte Broulis am Rande einer Medienkonferenz in Lausanne.

«Die Politiker können überhaupt nichts tun, und es ist auch nicht wünschbar, dass sie etwas tun.» Kein Verlag oder keine Zeitung wünsche sich, dass die Politik sich einmische und etwa Subventionen vorschlage. «Das ist überhaupt nicht das Thema», sagt der Publizist Pilet dazu.

Zu hoher Renditeanspruch?

Finanzdirektor Broulis fragte sich an der Medienkonferenz, weshalb eine Gewinnmarge von 15% als Ziel gesetzt wurde. Er signalisierte, dass man Tamedia nahe legen wolle, dass 15% keine glaubhafte Ertragsquote sei.

«Von einer Rendite von 15% würden die meisten KMUs nur träumen», sagt Pilet . Ein Verlagshaus müsste sich längerfristiger orientieren und nicht auf kurzfristigen Gewinn setzen.

34 Millionen einsparen

Das Medienhaus Tamedia, das auch den «Tages-Anzeiger» und den «Bund» herausgibt, will bis 2016 die Kosten um insgesamt 34 Millionen Franken senken. Davon sollen 18 Millionen Franken in der Westschweiz und 16 Millionen in der Deutschschweiz eingespart werden.

Tamedia begründet das Sparprogramm mit den sinkenden Umsätzen bei Zeitschriften und Zeitungen. Es müssten Kosten gesenkt werden, um weiterhin in neue Geschäftsfelder investieren zu können und handlungsfähig zu bleiben, hiess es.

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Tamedia: Sparübung für Riesenmarge?

3:09 min, aus 10vor10 vom 27.3.2013