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Schweiz Antisemitismus in der Schweiz auf dem Vormarsch

Der Ton gegenüber Juden in der Schweiz ist deutlich aggressiver geworden. 2014 wurden mehr als 60 antisemitische Vorfälle registriert.

Antisemitische Schmiererei an einer Synagoge in Genf im Jahr 2005.
Legende: Antisemitische Schmiererei an einer Synagoge in Genf im Jahr 2005. Keystone/Archiv

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) und die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) erfassten in ihrem Antisemitismusbericht 2014 in der Deutschschweiz 66 antisemitische Vorfälle. Darunter fallen etwa verbale Attacken, Schmähanrufe, beleidigende Briefe oder antisemitische Schmierereien an Hauswänden.

Dass während militärischer Eskalationen in Nahost die Zahl der antisemitischen Vorfälle steigt, sei nichts Neues. Auffallend sei allerdings die Schwere der Vorfälle und die Stärke der Zunahme im letzten Jahr. Der SIG und GRA sprechen von einer Verdreifachung der Vorfälle.

Täterprofil: männlich, zwischen 15 und 30

Während sich in den Vorjahren viele Aussagen noch an der Grenze der legitimen Israelkritik bewegt hätten, seien 2014 jüdische Personen beschimpft, beleidigt und teilweise gar mit dem Tod bedroht worden. Gedroht wurde auch, es werde eine Synagoge gesprengt. Körperliche Angriffe auf Juden hat es gemäss Bericht in Davos und in Zürich gegeben.

Auch auf Facebook sei eine Zunahme von antisemitischen Äusserungen zu beobachten. Eine strickte Überwachung finde zwar nicht statt, dennoch wurden insgesamt 15 Strafanzeigen auf Grund von Facebook-Einträgen eingereicht.

In mehreren Fällen wurden oder werden die Täter strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen. Auffällig viele, die auf Facebook gegen Juden hetzten, waren gemäss dem Antisemitismusbericht junge Männer zwischen 15 und 30 Jahren. Viele von ihnen hätten offenbar einen muslimischen Hintergrund, wie anhand ihrer Posts und ihrer Profile zu vermuten sei.

SIG und GRA weisen aber darauf hin, dass es sich «um eine kleine Minderheit der muslimischen Bevölkerung der Schweiz» handle und aus den Posts nicht auf eine weit verbreitete antisemitische Einstellung innerhalb dieser Bevölkerungsgruppe geschlossen werden könne.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stena
    Hat man in der Schweiz keine anderen Probleme zu bewältigen, als Buch zu führen über die Zahl der Antisemitismusfälle - und dies erst noch auf Kosten von uns Steuerzahlenden? Aber es ist schon so: Mit emotionalen Themen lassen sich Herzen erweichen. Klar, man darf den Holocaust keinesfalls vergessen, aber es ist für die Nachwelt mühsam, immer und immer wieder mit diesem traurigen Thema konfrontiert zu werden, Wir haben unsere heutigen Probleme. Das sollten die Juden bitte respektieren.
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    1. Antwort von M. Hediger, Aarau
      Haben Ihnen die Juden etwas getan? Schlimm genug, dass Antisemitismus heute noch vorkommt
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  • Kommentar von Th. Keiser, Luzern
    Ein elementarer Fehler bei der ganzen Kontroverse scheint mir die Vermischung von Religion und Staat. Kritik am israelischen Staat wird von diesem Staat als Antisemitismus verschrien. Wenn Israel als souveräner Staat (und nicht wegen seiner militärischen Stärke und dem Schutz der USA) ernst genommen werden will, dann soll er sich in der Welt des 21. Jahrhunderts präsentieren. Die Zeit, von allen andern ein schlechtes Gewissen wegen dem Holocaust zu fordern, ist vorbei.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger, Orpund
    Mein 4. (!) Versuch einen Kurzgedanke zum Thema einzubringen: In einem Land mit, zur Bevölkerungsdichte, sehr hohem Anteil der muslimisch Gläubigen, verwundert die obige Feststellung im Bericht nicht, dass es viele "Täter" mit muslimischem Hintergrund seien, die sich antisemitistisch verhalten! Sich deshalb abschotten wäre keine Lösung. Aber die Politik sollte sich den Problemen in einem dermassen multikulturellen Kleinstaat (Schweiz) ganzheitlich und offen auseinandersetzen und handeln!
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    1. Antwort von Redaktion SRF News
      Guten Tag, zur Info: In der Schweiz waren 2013 die Anteile der Schweizer Bevölkerung: 38.0% röm.-katholisch, 26.1% evang.-reformiert,, 22,2% konfessionslos, 5.8% anderer christl. Glaubens, 5.1% muslimisch, 0.2% jüdisch, 1.3% andere Konfession. Beste Grüsse, Ihr SRF-News-Team // Quelle: http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/01/05/blank/key/religionen.html
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    2. Antwort von Albert Planta, Chur
      Das ist auch wieder eine Form des Rassismus, wenn man bestimmten Bevölkerungsgruppen vorwirft, sie schüren den Antisemitismus.
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    3. Antwort von J.B. Chardin, Basel
      Fakt ist, dass Ueli Maurers Geheimdienst auf dem rechten Auge aktiv blind ist und die rechte Szene in der Schweiz nicht ausreichend beobachtet wird ...
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    4. Antwort von Rolf Bolliger, Orpund
      Es wird immer schwieriger und unmöglicher, Fremde, andere Religionen und Kulturangehörige in oder zu einem vorhandenen Problem zu erwähnen! JEDER Satz und einfach ALLES Gesagte und faktisch Dargelegte, wird von gewissen (längst bekannten Daueraufpasser im Forum) als RASSISMUS verurteilt! Dieses Wort wurde und wird für ALLE angesprochenen Probleme in unserer multikulturellen Gesellschaft zur wichtigsten "Waffe"! Nicht die Fakten sehen, dafür JEDE besorgte Meinung als RASSISMUS darstellen!
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