«Arena»: Die Fifa im Strudel der Korruption

Keine hundert Stunden nach seiner Wahl wirft der Fifa-Präsident Joseph Blatter überraschend das Handtuch und verschwindet in die zweite Reihe. Der Ruf nach längst erforderlichen Reformen sowie nach schärfen Gesetzen wird laut. Doch reicht das, um den Korruptionssumpf wirklich trocken zu legen?

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0:00 min, vom 18.11.2017

Eine Woche ist es her, seit die Fifa-Delegierten wegen eines Bombenalarms das Hallenstadion räumen mussten. Die angebliche Bombe platzte aber nicht im Hallenstadion, sondern vier Tage später am Hauptsitz der Fifa. Knall auf Fall zog sich der Fifa-Boss Joseph Blatter von seinem Amt zurück. Seither ist die Fussballwelt in heller Aufruhr.

Kaum ein Tag vergeht ohne neue Enthüllungen. Das Epizentrum des Bebens liegt aber nicht in der Schweiz, sondern vielmehr in den USA. Justizministerin Loretta Lynch hat den schmutzigen Geschäften der Fifa den Kampf angesagt.

Mit hartnäckigen Ermittlungen geraten nicht nur die Exponenten der Fifa in den Fokus, auch die Schweiz steht am Pranger. Der Ruf nach schärferen Gesetzen und Schutz von Whistleblowern wird laut.

Mit diesem Thema beschäftigt sich derzeit auch das Parlament. Gabi Huber warnt aber: «Politik kann viel, aber nicht alles.» Die Fifa sei ein Spezialfall. «Selbst wenn in der Schweiz die Gesetze verschärft werden, die Regeln gelten nur bis an die Landesgrenze.» Bei einem Verband mit 209 Mitgliedsländern seien deshalb schärfere Bestimmungen praktisch wirkungslos.

«Die Fifa ist ein Grosskonzern»

Genau hier hakt Daniel Jositsch ein. Die Tatsache, dass die US-Behörden bei den Ermittlungen federführend sind, deute ja daraufhin, dass die hier geltenden Gesetze nicht ausreichten. Zudem sei die Vereinsstruktur der Fifa nicht mehr zweckmässig, sagt der Nationalrat der SP. Um das Problem wirkungsvoll bekämpfen zu können, sei daher der Schutz von Whistleblowern zwingend nötig.

Internationale Verbände mit Milliardenumsätzen seien mit Grosskonzernen zu vergleichen. Auf Grund der aktuellen Enthüllungen seien daher bei der Fifa Reformen nötig.

Um dies aber umsetzen zu können, bräuchte es einen grundlegenden Neuaufbau des Weltfussballverbandes, argumentierte Guido Tognoni. Die kleinen Verbände hätten bei der Fifa einen zu grossen Einfluss, sagte der Fifa-Kritiker. «Die deutsche Liga oder die Premier League ist zu wenig repräsentiert in der Fifa. Von 209 Verbänden sind die Mehrzahl Klein- oder Mikroverbände.»

Sein Rezept für einen Neustart: «Ich würde Studenten auf der ganzen Welt mit dem Auftrag ausstatten, ein neues Konzept für die Fifa auszuarbeiten. Mit den bisherigen Statuten, die eine dreiviertel Mehrheit verlangen, ist eine grundlegende Reform kaum möglich.»

Der Experte in der «Arena», Strafrechtsprofessor und Korruptionsexperte Mark Pieth.

Bildlegende: Der Experte in der «Arena», Strafrechtsprofessor und Korruptionsexperte Mark Pieth. SRF

Genau mit solchen Fragen beschäftige sich der Korruptionsexperte Mark Pieth im Auftrag der Fifa. Das Projekt sei gut gestartet, allerdings hätten dann die beiden Player Fifa und Uefa den Reformkurs gegenseitig behindert. Nun sei die Chance für einen Neuanfang intakt, aber nicht mehr mit dem bisherigen Personal, so der Experte.

Fifa-Sprecher Walter de Gregorio traut Joseph Blatter durchaus den geforderten Kurswechsel zu. «Seit den Verhaftungen in Zürich hat man immer auf den Präsidenten gespielt. Er ist aber nach wie vor nicht angeklagt.» In seiner Rede sprach er von Veränderungen, beispielsweise die Zusammensetzung des Exekutivkomitees. «Das wird er jetzt, solange er noch Zeit hat, mit voller Kraft durchziehen.»

«Gegen Blatter liegt keine Anzeige vor»

Die überraschende Ankündigung, sein Amt niederzulegen, sei nicht etwa auf irgendwelche Insiderinformationen zurückzuführen. «Wenn ein Strafbefehl vorliegt, spielt es keine Rolle, ob Joseph Blatter Fifa-Präsident ist oder nicht.»

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Von einem Imageschaden für die Schweiz durch den Korruptionsskandal wollte de Gregorio nichts wissen. Hier bekam der Fifa-Sprecher gar Unterstützung von der Politik. «Korruption ist nicht das Tagesgeschäft», sagte Roland A. Müller. Durch den Fifa-Fall dürfe man jetzt nicht allgemein auf die Wirtschaft schliessen, so der Direktor des Arbeitgeberverbandes.

Eine «Lex-Fifa» sei daher nicht nötig, meinte Ständerat Thomas Minder. Er verteidigt damit den Entscheid der kleinen Kammer von dieser Woche. «Bestechung ist ein Antragsdelikt. Dort, wo es um öffentliche Interessen geht, ist es ein Offizialdelikt.»

Obwohl der Beschluss des Ständerats vielerorts scharf kritisiert worden ist, steht Minder zum Entscheid. Die öffentliche Wahrnehmung der Debatte sei vom Fifa-Fall überschattet worden. Augenmass sei daher gefordert und nicht etwa politische Schnellschüsse, resümierte auch Gabi Huber.

Die Teilnehmer

  • Walter de Gregorio, Kommunikationschef Fifa
  • Mark Pieth, Strafrechtsprofessor und Korruptionsexperte
  • Daniel Jositsch, Nationalrat SP/ZH, Professor für Strafrecht Uni ZH
  • Gabi Huber, Fraktionschefin FDP Liberale, Nationalrätin FDP Liberale/UR
  • Guido Tognoni, Fifa-Kritiker
  • Thomas Minder, Ständerat Parteilos/SH
  • Roland A. Müller, Direktor Arbeitgeberverband

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