Zum Inhalt springen

Schweiz Arena: Die Preise in der Schweiz sind zu hoch

Warum sind viele Güter in der Schweiz teurer als im Ausland? Die zweite «Arena vor Ort» hat von einem Einkaufszentrum an der Grenze bei Basel gesendet und ging dieser Frage auf den Grund.

Legende: Video «Arena vom 21.12.2012» abspielen. Laufzeit 76:00 Minuten.
Aus Arena vom 21.12.2012.

Geschätzte 8 Milliarden Franken gaben Schweizer dieses Jahr im Ausland aus. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme besser als in der Schweiz, so das Argument der Einkaufstouristen.

Warum sind identische Produkte in der Schweiz teilweise doppelt so teuer, wie etwa in Deutschland? Martin Schläpfer, Leiter Direktion Wirtschaftspolitik vom Migros-Genossenschafts-Bund dazu: «Wir haben die Währungsgewinne weitergegeben. Die Migros hat die Preise gesenkt.» Aber es sei glasklar, die Preisdifferenzen seien zu gross. Die Migros kämpfe seit Jahren gegen die Schweizer Importregelungen.

Mehrere Gründe für hohe Preise

Preisüberwacher Stefan Meierhans ist nicht ganz dieser Meinung: «Wir haben das untersucht. Es gibt mehrere Gründe für die hohen Preise identischer Produkte, die im Ausland hergestellt wurden.» Viele Importeure verlangten in der Schweiz mehr, das sei so. «Aber die Detailhändler haben auch hohe Infrastrukturkosten.»

Schläpfer darauf: «Wir zahlen keine Boni. Aber was wichtig ist: Wir sind gezwungen, die Güter in der Schweiz zu beziehen. Wir können nicht über die Grenze gehen und einkaufen. Wir kämpfen seit Jahren gegen diese Regulierung.»

Sylvia Flückiger-Bäni, Vorstandsmitglied des Schweizerischen Gewerbeverbandes und Nationalrätin SVP/AG pflichtet dem Migros-Vertreter bei: In der Schweiz bezahlten die Gewerbler zudem höhere Mieten, auch die Löhne und Lohnnebenkosten seien höher.

Auch in der Schweiz Vorteile

Prisca Birrer-Heimo, Präsidentin Stiftung für Konsumentenschutz und Nationalrätin SP/LU lässt diese Argumente nicht gelten: Laut einer Studie sei die Mehrwertwerts- und Unternehmenssteuer tiefer als im Ausland. Zudem arbeite das Verkaufspersonal produktiver. «Aber was wir bezüglich den Importeuren tun können: Wir können die Kartellgesetze verschärfen. Da sind wir dran, dass sich etwas ändert.»

Problem sei regulierter Markt

Schläpfer von der Migros wirft ein: «Das Problem ist, dass wir in der Schweiz regulierte Preise haben. Der Agrarmarkt etwa ist abgeschottet. Ein Schweizer Konsument zahlt für Zölle und Abgaben pro Jahr total 700 Millionen Franken. Alleine 200 Millionen beim Fleisch.»

Preisüberwacher Meierhans macht geltend, dass sich die Detailhändler mehr anstrengen müssten, um günstiger zu werden. «Die Schweizer Detailhändler müssen sich fit machen, besser werden, Kosten senken.»

Sylvia Flückiger-Bäni  von der SVP widerspricht: «Die Schweizer Gewerbler können mit den Preisen nicht mehr runter. Es stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel.»

Konsument ernst nehmen

Birrer-Heimo vom Konsumentenschutz dazu: «Wir müssen dort etwas tun, wo man bei identischen Produkten in der Schweiz viel mehr bezahlt als im Ausland. Wenn die Wertschöpfung im Land stattfindet, also in der Schweiz produziert wird, dann hat das auch seinen Wert.»

Der Konsument wisse das auch, so Birrer-Heimo. «Es gibt sehr wohl Leute, die nur auf den Preis gucken, aber es gibt auch viele Konsumenten, die mehr zahlen, weil nachhaltig  und regional produziert wird.» Aber wichtig sei, dass man den Konsumenten nicht für dumm verkaufen könne. Für ein identisches Produkt wolle er in der Schweiz nicht mehr zahlen als im Ausland.

Es diskutieren (u.a.):

- Prisca Birrer-Heimo, Präsidentin Stiftung für Konsumentenschutz, Nationalrätin SP/LU

- Sylvia Flückiger-Bäni, Vorstandsmitglied Schweiz. Gewerbeverband, Nationalrätin SVP/AG

- Stefan Meierhans, Preisüberwacher

- Martin Schläpfer, Leiter Direktion Wirtschaftspolitik, Migros-Genossenschafts-Bund

Diskutieren Sie mit

Ist das Einkaufen im Ausland unmoralisch, weil dadurch Arbeitsplätze gefährdet werden? Oder sind die Schweizer Detailhändler mit ihren hohen Preisen und Gewinnmarchen selber schuld? Diskutieren Sie mit im Forum der «Arena».

45 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Valentin, Kanada
    Ich entschuldige mich erst mals fur mein Buchstabrien. Ich habe hir in kanada eine metzgerei ein guter freund fon mir hatt eine metzgerei in der schweiz und wir haben letztes jahr mal preise verglichen. 40% weniger lohnkosten hir bilgerer strom, billigere versicherung, miete oder Dahrlehen gleich auf. Aber dann Neuanschafungen Maschinen 50 % mehr in der schweiz. Repariren anfartskossten 100% mehr in der schweiz. Die Detailhändler kempfen extrem mit den kosten. und alles wird alt muss ersetzt w.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Sepp Kaeser, Hallau
    Wir müssen die Kartellgesetze ändern, damit die Grosseinkäufer direkt importieren können. Dann können sie die Waren zu den gleichen Preisen hier verkaufen wie im Ausland. Es muss sich jeder Private danach ausrichten wieviel er im Portemonnaie hat und dort einkaufen, wo sein ihm zur Verfügung stehendes Haushaltgeld ausreicht. Es kommt keiner der superschlauen Politiker und sagt ihm, ich gib dir den Rest, damit du bis Ende Monat über die Runden kommst.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von R.Anderegg, Unterland
    Die Linken sind ein Teil des ganzen Problems: Wenn diese natürlich immer alles teurer machen ( Bürokratie, Transport, Benzin, Strom, Mehrwertsteuer, Fettsteuer, Alkoholsteuer, Tierhaltung, Mieten etc.), dann wird schlussendlich auch das Steak vom Coop oder der Migros immer teurer. Dazu wird die Produktion und der Verkauf von Schweizer Produkten auch nicht billiger, wenn die Chauffeure die halbe Zeit im Stau verbringen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Karl Felder, Luzern
      Aha, die Pharma Mafia und die ganze Kartellgesellschaft der Schweizer Wirtschaft sind Linke? Sie sind auf der falschen Spur.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von A. Flükiger, Bern
      Wenn man keine saubere Analyse mehr vornehmen kann oder will, verfällt man mit einem bunten Strauss von Begriffen einfach in die links-rechts Schematik der plumpen Schuldzuweisung! Also denn: die Rechten sind schuld!!!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von R.Anderegg, Unterland
      Herr Felder, ich sprach von der Lebensmittelbranche und nicht von der Pharmaindustrie. Aber dummerweise ist die Pharmabranche in Basel konzentriert, die von Linken regiert wird und vom Steuerertrag der Pharma lebt. Von wo den sonst hätten die Basler ihren Reichtum?? Ganz zu schweigen von den vielen Arbeitsplätzen die von der Pharma stammen. Im weiteren haben wir strengere Zulassungsvorschriften ( auf Geheiss der Linken) die Medis halt eben auch viel teurer machen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Peter Meier, Basel
      So unwahr ist das nicht was Herr Anderegg schreibt. Jegliche Mehrausgabe, was die Politik verursacht wird 1:1 an den Konsumenten weitergegeben. Teureres Benzin = Produkte und Dienstleistungen werden teurer etc. Tiergerechte Haltung sollte einem etwas Wert sein, aber irgendwo gibt es halt auch Grenzen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen