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Schweiz «Arena»: Hitzige Diskussion um Homo-Ehen

Eingetragene Partnerschaft oder doch Ehe? Für Homosexuelle sollen die gleichen Rechte gelten wie für Heterosexuelle – dies fordern die einen. Die anderen wollen am traditionellen Modell – Ehe nur zwischen Mann und Frau – festhalten. Wenige Argumente entfachen in der «Arena» eine hitzige Debatte.

Forderungen auf einer Tafel zusammengefasst.
Legende: Die Forderungen der GLP. SRF

Die Ehe für alle – und die eingetragene Partnerschaft für alle. Das fordern die Grünliberalen (GLP) derzeit in einer parlamentarischen Initiative. An dieser Idee scheiden sich die Geister. Die Homosexuellen selber fordern gleiche Rechte für alle, Katholiken und Bürgerliche wollen an den Traditionen festhalten. Stichhaltige Argumente haben beide Seiten wenige – dafür umso mehr Leidenschaft für ihre Anliegen. Auch wird heiss diskutiert, ob Homosexuelle künftig Kinder adoptieren dürfen – diesen Punkt hat die GLP ausgeklammert.

Die Thurgauer SVP-Nationalrätin Verena Herzog ist klar gegen eine Gleichstellung der Ehen zwischen Heterosexuellen und Homosexuellen. Eine Ehe bestehe zwischen Mann und Frau, sagt sie. Dies sei die Grundlage, die kleinste Zelle der Gesellschaft. «Ich habe nichts gegen Homosexuelle und nichts gegen die Partnerschaften – wenn es um Kinder geht, habe ich jedoch ein grosses Aber.»

Keine Qualitätsunterschiede bei der Liebe

Sänger und Moderator Leonard (bürgerlich Carlo Schenker) ist selber homosexuell. Für ihn ist klar: Den Schwulen und Lesben die Ehe zu verweigern, ist ein «alter Zopf». Die Welt verändere sich, sagt er in der Gesprächsrunde. Man müsse die Möglichkeit haben, sich weiterzuentwickeln. «Es gibt kein vernünftiges Argument dagegen.»

Verena Herzog weist darauf hin, dass die Homosexuellen schon heute die Möglichkeit hätten, ihre Partnerschaft einzutragen. Mit dieser Möglichkeit könnte Leonard auch leben, wie er betont. Auch wenn dies für ihn eine «Zweitklass-Ehe» ist. Er ist jedoch der Meinung, dass vor dem Gesetz alle gleich sind. Gleiche Rechte und gleiche Pflichten. Gegen einen Steuererlass würde er auch die «Zweitklass-Ehe» akzeptieren. Letztlich glaubt er, dass es in der Liebe keine Qualitätsunterschiede geben dürfe – «Liebe ist Liebe».

Ich will keinen eingetragenen Partnerschafts-Partner.
Autor: LeonardSänger

Für Verena Herzog wäre die Gleichstellung der Ehe nur der erste Schritt. Diesem folgen würde der Wunsch nach einem Kind – durch Adoption oder künstliche Fortpflanzung. «Dagegen wehre ich mich.»

Giuseppe Gracia, Mediensprecher des Bistums Chur, widerspricht dem Sänger. Der Staat profitiere von der heterosexuellen Ehe. Heteros würden sich fortpflanzen und neue Steuerzahler generieren. Deshalb seien sie privilegiert. Zudem lasse sich die Frage der Ehe nicht trennen von der Frage nach dem Adoptionsrecht. Es sei eine Heuchelei, wenn man sagen würde, Homosexuelle dürfen heiraten, aber keine Kinder haben.

Verena Herzog betont, dass man jedem Kind die Chance geben müsse, mit Mutter und Vater aufzuwachsen. Dann müsse man einem heterosexuellen Paar, das keine Kinder zeugen könne oder das sich trenne, die Ehe absprechen, kontert Leonard. Ausserdem wolle er nicht von seinem «eingetragenen Partnerschafts-Partner» sprechen, sondern von seinem Ehemann. Er wolle auch nicht, dass ein Jugendlicher sich in einigen Jahren minderwertig fühle oder verstecke, weil er Angst habe, sein Umfeld zu enttäuschen.

Tweets zur «Arena»

Das Kind werde von Mann und Frau gezeugt, sagt Verena Herzog. Sie habe Verständnis dafür, dass sich Homosexuelle nach einem Kind sehnten. Hier habe das Kind aber Priorität. Eine neue Studie aus den USA zeige zudem, dass Kinder, die in Familien mit homosexuellen Eltern aufgewachsen sind, viermal mehr psychiatrische Hilfe bräuchten als Kinder aus heterosexuellen Familien.

Wenn ich für die Mehrheit einstehe, werde ich als Böse in die Ecke gestellt.
Autor: Verena HerzogNationalrätin (SVP/TG)

Dem widerspricht Nationalrätin Jacqueline Fehr (SP/ZH). Eine Studie aus Melbourne behaupte genau das Gegenteil. Kinder aus Familien mit homosexuellen Eltern seien genau gleich glücklich wie Kinder aus Familien mit heterosexuellen Eltern. Das Glücklichsein hänge von vielen Faktoren ab – der Zuneigung, der finanziellen Lage oder dem Ort des Aufwachsens. Demnach wäre eine homosexuelle Ehe mit Kindern für viele Schweizer Bürger auch überhaupt kein Problem.

Für Giuseppe Gracia ist klar, weshalb diese Zustimmung so hoch ist. Die Leute hätten Angst, in die homophobe Ecke gestellt zu werden, wenn sie Kritik öffentlich äussern würden. In dieses Horn bläst auch Verena Herzog: «Wenn ich für die Mehrheit einstehe, werde ich als Böse in die Ecke gestellt.»

Fakt ist für Giuseppe Gracia, dass ein Kind nicht auf Vater oder Mutter verzichten kann. Leonard dagegen ist überzeugt, dass es bei der hohen Scheidungsrate den Idealfall Vater-Mutter-Kind schon längst nicht mehr gebe. Und Jacqueline Fehr glaubt, dass man die Kinder nicht unterschätzen soll: «Die Welt der Kinder ist viel grösser als ihre kleine Familie.»

Die Teilnehmer

Auf der Pro-Seite:

Auf der Contra-Seite:

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7 Kommentare

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  • Kommentar von D. Daniele, Obergösgen
    Belustigend war der Auftritt von Herrn Garcia, besonders wenn Er das Wort "Heuchelei" in den Mund nahm, und das zu hören von einem Kirchenmann! Es geht um Gleichberechtigung, das Gewisse Kreise besser sein wollen als andere. Das war so bei der Frage Weisse & Schwarze, bei Mann & Frau usw., Es gibt leider viele Menschen die bei andern vermeintliche Fehler suchen um sich Aufzuwerten. Aus meiner Sicht sind alle Menschen gleich, haben gleichen Rechte so lange Sie niemanden Schaden zuführen.
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  • Kommentar von D.Daniele, Obergösgen
    Ich möchte vorausschicken, auch wenn ich nicht die Ansichten der Kirche teile, bitte ich jeden die Aggressionen gegen die Kirche sein zu lassen, wie sehr Sie auch Provoziert! Ich fand bei der Diskussion besonders Spannend wie die Gegner sehr Aggressiv auftaten, der Herr der EDU es nicht lassen konnte Lesben und Schwule zu Beleidigen. Frau Herzog trat sehr Aggressiv auf und Unterbrach die andern stehst, unter dem Motto , habe keine Argumente, so störe ich die der andern.
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  • Kommentar von Florian Menevis, Zollikon
    Ich denke wenn man intellektuell ehrlich ist, wird man nicht umhin kommen gewisse Probleme mit der (künstlichen) Zeugung und Adoption von Kindern zu benennen. Die Idee, dass Kinder künstlich erzeugt werden, evtl. mit dem genetischen Material von zwei oder mehr Dritten, die nachher nichts mit dem Kind zu tun haben stellt die Frage nach dem Wert menschlichen Lebens. Wenn dieses auf Bestellung reproduzierbar wird (bzw. günstig aus der dritten Welt eingekauft werden kann), wird der Wert sinken.
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    1. Antwort von Bernd B., Basel
      Ich denke wer intellektuell ehrlich ist, kann über diese "Probleme" hinwegsehen und sieht das menschliche Leben so wertvoll wie anhin.
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