Astag fordert Masterplan für den Güterverkehr

Der Nutzfahrzeugverband zerzaust das neue Konzept zum Schienengüterverkehr des Bundes: Die Strasse bleibe auf der Strecke, bekräftigt Astag-Präsident Adrian Amstutz. Er fordert einen Masterplan, der alle Verkehrsträger gleich und sinnvoll berücksichtigt. Das Bundesamt für Verkehr verteidigt sich.

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Masterplan für den Güterverkehr

1:39 min, aus Tagesschau vom 29.7.2013

Im Transitbereich von Grenze zu Grenze ist die Bahn stark; dies dank der offiziellen Verlagerungspolitik des Bundes. Beim Güterverkehr innerhalb der Schweiz ist jedoch klar die Strasse Nummer eins: drei Viertel der Güter werden mit Lastwagen transportiert, nur ein Viertel auf der Schiene. Die Strassentransportwirtschaft fühlt sich benachteiligt. Jüngstes Beispiel ist das neue Konzept zum Schienengüterverkehr des Bundes.

Amstutz wirft Bund absichtliche Benachteiligung vor

Das neue Konzept sei erneut eine Lösung, die den Bahnverkehr auf Kosten des Strassengüterverkehrs verbessere, kritisiert Astag-Präsident Adrian Amstutz vor den Medien in Bern und betont: «Das ist wie wenn man einen Schweizer Skirennfahrer absichtlich mit schlechten Skiern an die Winterolympiade schickt, damit er gegen die Österreicher nicht gewinnen kann.»

Als Beispiele führt der Berner SVP-Nationalrat unter anderem die hohen Abgaben für den Strassengüterverkehr und die vielen Staustunden wegen Engpässen auf den Hauptachsen und in den Agglomerationen an. Konkret spricht Amstutz die Projekte zur Umfahrung von Morges oder Nyon-Bardonnex an.

Die Astag fordert deshalb eine Gesamtkonzeption für Schiene, Strasse, Luft und Wasser, damit die Zukunft im Gütverkerkehrsbereich bewältigt werden kann – einen Masterplan für Güterverkehr und Logistik.

Astag: Schienennetz vom Betrieb trennen

Neben dem Ausbau der Strasseninfrastruktur muss laut der Astag aber auch die Bahnlandschaft «strukturell neu organisiert» werden. Denn SBB Cargo schreibe trotz massiven Subventionen Defizite und diskriminiere mit einem «Monopol» andere Unternehmen. Hier schlägt der Nutzfahrzeugverband künftig eine klare Trennung zwischen Eisenbahnnetz und Betrieb vor.

Einen Kapazitätsmangel macht die Astag aber auch bei den Umschlage-Terminals aus. Die aktuellen Projekte zielten an den effektiven Bedürfnissen der Wirtschaft vorbei, kritisiert Amstutz.

BAV verteidigt Stossrichtung

Das neue Konzept des Bundesamtes für Verkehr (BAV) strebe durchaus ein effizientes Zusammenspiel aller Verkehrsträger im Güterverkehr an und berücksichtige die wichtige Rolle der Strasse, entgegnet Sprecher Gregor Saladin. Dies habe ein Vorstoss aus dem Parlament auch ausdrücklich gefordert.

Verladende Wirtschaft: Es ist höchste Zeit

Der Verband der verladenden Wirtschaft VAP attestiert dem Bund, dass er die Politik auf ein Miteinander von Strasse und Schiene ausrichte. Allerdings habe das Bundesparlament in den letzten fast 15 Jahren einseitig auf den Transitverkehr fokussiert und den Binnen-Import- und Export-Güterverkehr sowohl auf Strasse als auch auf Schiene vernachlässigt: «Es ist deshalb höchste Zeit, den Güterverkehr innerhalb der Schweiz zu fördern.»

Dies deckt sich auch mit der seit Jahren praktizierten Verlagerungspolitik von Bund und Parlament: Denn es ist das erklärte Ziel, dass die Schiene gegenüber der Strasse nicht noch mehr Anteile im Güterverkehr verliert.

srf/sda/brut;basn

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Drei Viertel der Güter in der Schweiz werden mit Lastwagen transportiert, nur ein Viertel mit der Bahn.

    Astag fordert Masterplan für Strasse und Schiene

    Aus Rendez-vous vom 29.7.2013

    Im Güterverkehr verliert der Transport auf der Schiene seit Jahren Anteile an die Strasse. Der Bund will dies ändern und hat eine Reihe Massnahmen vorgelegt, die den Schienenverkehr fördern sollen. Dem Schweizerischen Nutzfahrzeugverband Astag passt das nicht.

    Er verlangt, dass der Strassenverkehr mitberücksichtigt wird.

    Monika Zumbrunn