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Schweiz Asylzentren laut Studie eine wirtschaftliche Belastung

Asyl-Empfangszentren sind für betroffene Standortgemeinden und -kantone eine grosse Belastung. Und auch wirtschaftlich bringen sie den Regionen kaum etwas, sagt eine Studie. Die Asylgesetz-Revision würde es dem Bund allerdings ermöglichen, gewisse Kosten künftig zu übernehmen.

Was bringt den Standortgemeinden der Betrieb eines Asyl-Empfangszentrums? Wie viele Arbeitsplätze werden geschaffen, welche Steuereinnahmen bringen sie? Profitiert das lokale Gewerbe von Aufträgen? Diesen Fragen geht eine Studie nach, die das Büro Ecoplan im Auftrag des Bundesamtes für Migration (BFM) erstellt hat. Die Resultate sind ernüchternd.

Geringer Nutzen, zusätzliche Kosten

Die Studie stellt fest: «Weder als Arbeitgeber noch aus steuerlicher Sicht sind die vom Betrieb der Empfangs- und Verfahrenszentren ausgelösten Effekte wirklich bedeutsam». Im Gegenteil: Der geringe wirtschaftliche Nutzen werde durch die zusätzlichen Kosten für Gemeinden oder Kantone zunichte gemacht. Zum Beispiel für Reinigungsarbeiten oder den Mehraufwand der Polizei. Oder weil die Standortkantone teilweise Rechnungen für die ärztliche Behandlung von Asylsuchenden bezahlen müssten.

Asylbewerber hinter Gittern.
Legende: Die Zunahme der Asylgesuche aus Nordafrika haben gemäss Studie die Probleme verschärft. Keystone

Für die in der Studie befragten Verantwortlichen der Standortgemeinden und -kantone stehen die negativen Auswirkungen im Vordergrund: «Aus allen Standorten wurde berichtet, dass von den Asylsuchenden häufig Ladendiebstähle begangen werden», heisst es in dem Papier.

Speziell mit der Zunahme der Asylgesuche aus Nordafrika hätten sich die Probleme verschärft. So nahmen etwa die schwereren Delikte wie Autoaufbrüche zu. Und: «Ebenfalls an allen Standorten wurde ein übermässiger Alkoholkonsum als eines der grössten Probleme bezeichnet.»

Die Studie berichtet weiter von Ausfälligkeiten gegenüber Passanten. Auch habe das Schwarzfahren zugenommen. Es bestehe allgemein ein «Imageproblem» bei den Bundeszentren. Die Akzeptanz in der lokalen Bevölkerung, darin sind sich alle Befragten weitgehend einig, hat abgenommen.

Beschäftigungsprogramme für Asylbewerber

Hat das Bundesamt für Migration seine Asylzentren nicht im Griff? Amtsdirektor Mario Gattiker verneint: Auf engstem Raum würden Asylsuchende aus verschiedenen Kulturen zusammenleben, da könne es auch ab und zu Probleme geben. «Aber wichtig ist, dass man die Massnahmen gemeinsam trifft», sagt Gattiker. Die Zusammenarbeit mit allen Standortkantonen sei sehr gut.

Dennoch zeigen die bisherigen Standorte wenig Bereitschaft, die Kapazitäten zu erweitern. Um dies zu ändern, müsse das Bundesamt für Migration Beschäftigungsprogramme für Asylsuchende finanzieren, empfiehlt der Bericht.

Amtsdirektor Gattiker ist bereit dazu und erwähnt das Beispiel des Kantons Tessin. Dort würden solche Programme angeboten, die sehr gut bei den Gemeinden ankämen.

Finanzierung des Sicherheitspersonals

Weiter kommt die Studie zum Schluss, der Bund solle die Leistungen der Gemeinden und Kantone im Bereich Sicherheit abgelten. Dies würde mit den dringlichen Änderungen des Asylgesetzes möglich, über die das Volk am 9. Juni abstimmt.

Laut Gattiker könnte der Bund der betroffenen Gemeinde dann pro Hundert Plätze eine Vollzeitstelle im Sicherheitsbereich finanzieren. Bei einem Zentrum mit 400 Asylbewerbern wäre das eine Sicherheitspauschale in Höhe von rund einer halben Million Franken pro Jahr.

Zudem werde geprüft, ob der Bund künftig die medizinischen Kosten von Asylsuchenden übernehmen könnte. Mit all diesen Abgeltungen, so hofft das BFM, sollte es einfacher werden, Standorte für zusätzliche Asylzentren des Bundes zu finden. 

(snep;basn)

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Marene Zelger, 6370 Stans
    Jetzt ist genug! Die Leitung des EJPD muss unbedingt ausgewechselt werden. Es kann nicht sein, dass Frau Sommaruga dauernd Asylanten willkommen heisst und nicht checkt (checken will), dass die betroffenen Gemeinden unter der Last der Asylzentren krepieren und die Sicherheit der Bevölkerung und deren Eigentum nicht mehr gewährleistet werden kann.
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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Asylanten sollten nach dem Befund eine Arbeit zugewiesen bekommen, sei es in der Landwirtschaft, auf Gemeindeebene oder im Forstbereich. Es ist besser wenn diese Leute beschäftigt sind, denn erstens erhalten sie dann einen Lohn, sind von der Strasse weg, zudem kommt es weniger zu Gruppenbildungen bei denen Unfug angestiftet wird. Sie können sich in den vielen Bereichen in denen sich keine Schweizer melden nützlich machen.
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Sinnlose Integration!Sollte man dafür nicht zuerst unsre 100'000en AL+Ausgesteuerten heranziehen?In jedem Landesteil ein Zentrum à la NL mit je ca.2000 Plätzen.Abgelegene,überblickbare,eingezäunte,farbige Elementhäuser mit Dorfcharakter.Während in der CH ein Asylverfahren im Schnitt 1440Tg dauert,schafft es NL in 70% der Fälle innert 8Tg.Die übrigen 30% in 1/2 Jahr.Keine Proteste,Kriminalität,Abtauchen mehr,rasche begleitete Rückschaffung.Sicherer,effizienter und am Ende günstiger.
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  • Kommentar von Christian S. Rodriguez, Bern
    In die Schweiz sind in den letzten Jahrzehnten um die 150 Milliarden US-Dollar von den scheusslichsten Diktatoren und Kriegstreibern der Welt geflossen. Asylbewerber begehen vielleicht Ladendiebstähle, aber die helvetische Mitschuld am globalen Verbrechen wiegt unendlich viel schwerer. Es ist naheliegend, dass "solche Personen" ihre Heimat verlassen und ihrerseits etwas vom Reichtum der Ersten Welt abbekommen wollen - hier liegt ja das Geld, das man ihnen geklaut hat!
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    1. Antwort von A. Stern, Bern
      Christian. Rodriguez: Was Sie da schreiben, ist ein Tropfen auf der heissen Platte: Herr Rodriguez vielmehr sollte Ihr Spanien und Portugiesen ihre Billionen, welche sie den südamerikanischen und afrikanischen Kolonien, während Jahrhunderten geraubt und Millionen von Indianern und Afrikanern ermordet haben, wenigstens die geraubten Billionen endlich zurück zahlen!!
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    2. Antwort von Christian S. Rodriguez, Bern
      Lieber Herr Stern: Eigentlich bin ich Schweizer UND Lateinamerikaner! Tatsächlich ist die Schweiz nicht die einzige Verbrecherin (macht es das besser?) Die Erste Welt hat es versäumt, die Verantwortung für die von ihnen ausgebeuteten Völker zu übernehmen, deshalb wird sie nun konfrontiert mit Flüchtlingsströmen. Was haben wir dem entgegenzuhalten? - Baut eine hohe Mauer um Europa!! - Unendliche Schande!
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