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Atomausstiegsinitiative Atom-Lobby lobt Stimmvolk

KKW Leibstadt
Legende: Bei Stilllegung des KKW Leibstadt droht ein Versorgungsengpass, warnen Experten. Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Ablehnung der Atomausstiegsinitiative ein weiser Entscheid, so die WNA-Chefin.
  • Botschaft an die Welt, nicht der scheiternden deutschen Energiewende zu folgen.
  • Russland: «Abstimmung in der Schweiz beweist, dass europäische Staaten auch die Nuklearenergie entwickeln werden
  • Warnung vor Versorgungsengpässen nach Stilllegung von Leibstadt oder Gösgen.

Nach dem Scheitern der Atomausstiegsinitiative müssten die Politiker dafür sorgen, dass in der Schweiz wieder neue Atomkraftwerke gebaut werden dürfen.

Schweizer Botschaft an die Welt

Das fordert gemäss einem Bericht der «Zentralschweiz am Sonntag» die «World Nuclear Association» (WNA), die internationale Vereinigung der Atomindustrie, in einer Stellungnahme zur Abstimmung vom vergangenen Sonntag. 54,2 Prozent der Stimmbürger hatten eine Initiative der Grünen für einen raschen Atomausstieg abgelehnt.

Die Schweizer hätten weise entschieden, schreibt Agneta Rising, WNA-Generaldirektorin: «Es ist eine Botschaft an die Welt, dass die Schweizer nicht dem Beispiel der scheiternden Energiewende des Nachbarn Deutschland folgen wollen.»

Alpiq steht hinter Energiestrategie

Mitglied der WNA ist auch der Schweizer Energiekonzern Alpiq. Er hatte erst im Oktober zusammen mit BKW und Axpo die Rahmenbewilligungsgesuche für drei neue Kraftwerke zurückgezogen.

«Energiepolitisch sind neue Weichen gestellt und der Bau neuer Kernkraftwerke dauerhaft verboten», teilt der Konzern, der an den Kraftwerken Gösgen und Leibstadt beteiligt ist, laut Zeitungsmeldung mit. Der Atomausstieg folge mit der Energiestrategie 2050, hinter der Alpiq grundsätzlich stehe.

Lob auch aus Russland

Auch der Chef des staatlichen russischen Atomenergieunternehmens, Alexey Likhachev, wertet das Ergebnis des Schweizer Urnengangs positiv, wie die Zeitung weiter meldet. Laut russischen Medien sagte er in Moskau: «Die Abstimmung in der Schweiz beweist, dass europäische Staaten auch die Nuklearenergie entwickeln werden. Sie werden daran arbeiten, deren Bedeutung in ihrer Energieversorgung auszubauen. Es heisst, dass es neue Kraftwerke geben wird.»

Befürworter der Kernenergie bescheinigen der Technologie langfristig in der Schweiz weiterhin eine Zukunft, berichtet auch die «Schweiz am Sonntag». Obschon der Fahrplan für den Atomausstieg mit der Energiestrategie 2050 des Bundes beschlossen sei.

Ex-Alpiq-Chef sieht Versorgungssicherheit gefährdet

Die aktuelle Generation von Atomkraftwerken habe künftig in der Schweiz zu Recht keine Chance mehr, sagt denn auch der ehemalige Alpiq-Chef Giovanni Leonardi gegenüber der Zeitung. «Aber langfristig sind neue Technologien, wie die sogenannte vierte Generation von Atomkraftwerken, alles andere als vom Tisch.»

Wenn die grossen Atomkraftwerke Gösgen und Leibstadt eines Tages vom Netz gehen, «könnte das die Versorgungssicherheit im Land gefährden», so Leonardi weiter. Spätestens wenn dann die Strompreise anstiegen, könnte die Atomenergie wieder zur Diskussion stehen, prognostiziert er.

Atomkraft «keinesfalls gestorben»

In die gleiche Kerbe schlägt auch Hans Schweickardt, ehemaliger Präsident der Alpiq. Auch für ihn ist die Atomkraft langfristig «keinesfalls gestorben». Aktuell sei die Atomdebatte «zu ideologisch beladen», kritisiert er in der «Schweiz am Sonntag». Mit dem «Nein» zur Atomausstiegsinitiative bleibe aber nun erst einmal die notwendige Zeit, «von dieser Ideologie» vielleicht «etwas abzukommen und mehr Erfahrungen mit dem Umstieg auf Erneuerbare Energien» zu sammeln.

Und dies, so erwartet Schweickardt, sei nicht unbedingt nur positiv. Denn nur dank den Subventionen sei der Strompreis aus Erneuerbaren günstiger. Hinsichtlich der Energiekosten werde aber gegenüber dem Stimmvolk mächtig Augenwischerei betrieben, so Schweickardt.

84 Kommentare

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  • Kommentar von Achim Frill (Afri)
    Das Volk hat gar nicht "weise" entschieden. Ist es weise, in einem dichtbesiedelten Land AKWs zu betreiben, die bei einem GAU das Land Jahrhunderte unbewohnbar machen? Ist es weise, -zig Generationen ungefragt höchstgiftigen Abfall zu hinterlassen? Ist es weise, Menschen unter unwürdigen Bedingungen Uran abbauen zu lassen, nur damit wir hier (scheinbar) günstigen Strom haben? Ist es weise, nach zwei GAUs auf der Welt immer noch nichts gelernt zu haben? Sorry, aber "weise" sieht anders aus.
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  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    Dann wohl für die Atom-Lobby zum Unvolk gehörend, wer der Initiative zugestimmt hat? Und am gut dressierten Volk gibt man rasch ein Zückerchen & es freut sich darüber. Wenn dieses Volk doch immer & überall mit sowenig zufrieden wäre!
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  • Kommentar von Stefan Pfister (Stefan Pfister)
    Immer wieder interessant. Ausgerechnet die Politiker, die sich immer für freie Wirtschaft und gegen Subventionitis aussprechen, sind AKW-Fans. AKWs sind ohne Subventionen gar nicht möglich. Und das Risiko rägt die Allgemeinheit, da niemand ein AKW gegen einen GAU versichern will. Im Ernstfall leiden die Anwohner unter den Folgen und der Steuerzahler finanziert das Aufräumen. Und die "wirtschaftsfreundlichen" Politiker sitzen in den Verwaltungsräten und verdienen an den AKWs mit.
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