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Schweiz Auch Apotheker dürfen Rezepte schreiben

Bei der Revision des Heilmittelgesetzes schlägt sich der Nationalrat auf die Seite der Apotheker: Sie sollen neu gewisse rezeptpflichtige Medikamente in Eigenregie abgeben dürfen. Zweiter Dämpfer für die Ärzte: Jeder Patient muss ein Rezept erhalten, damit er seine Pillen überall beziehen kann.

Legende: Video Mehr Kompetenzen für die Apotheken abspielen. Laufzeit 01:21 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 07.05.2014.

Apotheken können künftig einige rezeptpflichtige Medikamente selbst abgeben, müssen aber ihre Kunden zuvor fachlich beraten. Der Nationalrat hat sich bei der Beratung des revidierten Heilmittelgesetzes für diesen Weg entschieden und damit gegen die Ärzteschaft gestellt, die bereits mit einem Referendum droht.

Der in den letzten Wochen öffentlich ausgetragene Streit zwischen Ärzteschaft und Apothekern hat sich am Mittwoch im Nationalrat jedoch nicht wiederholt: Die Ausbildung der Apotheker rechtfertige es, diesen mehr Kompetenzen zu gehen, sagte Kommissionssprecher Jean-François Steiert (SP/FR).

Apotheke
Legende: Apotheken dürfen neu einige rezeptpflichtige Mittel in Eigenregie abgeben. Das missfällt der Ärzteschaft. Keystone

Der Bundesrat wollte im Entwurf bei der geltenden Regelung bleiben, wonach Apothekerinnen und Apotheker verschreibungspflichtige Medikamente nur in Ausnahmefällen ohne Rezept herausgeben dürfen. Nach dem Willen des Nationalrats kommt ihm nun die Aufgabe zu, zu definieren, welche Medikamente Apotheker in Eigenregie abgeben dürfen.

Rezeptpflicht für Ärzte - auch ohne Papier möglich

Marktanteile dürfte die Ärzteschaft auch die neue Rezeptpflicht kosten: Ärzte müssen künftig in jeden Fall ein Rezept ausstellen, auch dann, wenn das Medikament vom Arzt direkt in der Praxis abgegeben wird.

Damit sollen Patientinnen und Patienten die Wahl bekommen, ob sie das Medikament beim Arzt oder beim Apotheker beziehen wollen. Der Rat milderte die Regelung gemäss einem Einzelantrag von Ruth Humbel (CVP/AG) insofern, als dass der Patient auf das Ausstellen eines Papier-Rezepts verzichten kann.

Nach Schätzungen des Ärzteverbands FMH kostet das Ausstellen der Rezepte zusätzlich 100 bis 150 Millionen Franken pro Jahr.

Drogerien dürfen alle rezeptfreien Medikamente führen

Auch die Kompetenz von Drogerien soll ausgeweitet werden. Diskussionslos stimmte die Grosse Kammer einem Vorschlag des Bundesrats zu, dass Drogerien künftig alle nicht verschreibungspflichtigen Medikamente abgeben dürfen. Einige Heilmittel wie Tees oder Hustenpastillen sollen künftig sogar im Detailhandel erhältlich sein.

Härtere Linie im Versandhandel

Auf Antrag der Kommission und mit Zustimmung des Bundesrats will der Nationalrat auch den Versandhandel mit Medikamenten strenger regeln. Arzneimittel auf Bestellung zu verkaufen ist heute nur dann möglich, wenn ein Rezept vorliegt, auch für nicht verschreibungspflichtige Medikamente.

Dass die Versandhandlung das Rezept für die Patientinnen und Patienten gleich selber besorgt, wie dies heute gemacht wird, soll künftig nicht mehr möglich sein: Der Nationalrat hat die Regelung gutgeheissen, wonach ein Rezept vor der Bestellung vorliegen muss. Sie muss aber nicht vom Patienten selbst mit der Bestellung eingereicht werden.

Rat gegen eine Antibiotika-Datenbank

Der massenhafte Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung kann auch für den Menschen gefährlich werden. Schon heute gibt es für viele Erreger keine wirksame Therapie mehr. Die Schaffung einer Antibiotika-Datenbank bei der Revision des Heilmittelgesetzes, wie dies die Gesundheitskommission vorschlug, hat der Nationalrat dennoch abgelehnt.

Er gibt dem Bundesrat aber die Kompetenz, Massnahmen zur Reduktion von Antibiotikaresistenzen zu ergreifen. Konkret soll die Regierung Massnahmen zur Senkung des Antibiotikaverbrauchs in der Tiermedizin treffen können. Bestimmte Wirkstoffe soll der Bundesrat ganz verbieten können, wenn dies nötig ist, um wirksame Therapien beim Menschen sicherzustellen.

Wieso braucht es ein Rezept?

Ob vom Arzt oder neu vom Apotheker verschrieben: Gewisse Arzneimittel sind ohne Rezept nicht zu bekommen. Was unterscheidet sie von anderen, die frei erhältlich sind? Das erfahren Sie hier.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Die Apotheker sollten ja ueber Medikamente einigermassen Bescheid wissen, aber eine Diagnose wuerde ich mir von einem Apotheker niemals machen lassen, der hat einfach zu wenig Kenntnis vom Diagnostizieren und auch nicht die Mittel dazu. Schuster bleib bei deiner Leist gilt da. Auch der Nationalrat scheint von der Materie wenig Ahnung zu haben.. sonst haette er nicht so einen Entscheid gefaellt!
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  • Kommentar von Nino Keller, Schaffhausen
    "Ärzte müssen künftig in jeden Fall ein Rezept ausstellen, auch dann, wenn das Medikament vom Arzt direkt in der Praxis abgegeben wird." Wo leben wir eigentlich, aber einfach dann nicht rumheulen wenn es in 10 Jahren keine Hausärzte mehr in vielen Regionen der Schweiz gibt.
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  • Kommentar von Sascha Stalder, Oberdiessbach
    Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen, dass Ärzte gar keine Medikamente verkaufen dürften. Ich möchte das Medikament erhalten was am effizientesten ist und am besten hilft und nicht das, was der Arzt vorrätig hat oder gerade durch eine Einführungsaktion günstiger beziehen kann oder eine bessere marche hat usw.
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Dann dürften Chirurgen auch nicht selbst die Patienten operieren, welche sie untersucht haben: wer garantiert, dass die für den Patienten beste Therapie empfohlen wird (auch nicht operieren)? Letztlich geht nichts ohne Vertrauen und Berufsethik. Wenn alles nur auf Misstrauen basiert und alles kontrolliert und geregelt werden muss, geht nichts mehr, erstickt man im bürokratischen Sumpf.
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    2. Antwort von Sascha Stalder, Oberdiessbach
      Naja, wenn sie operiert werden müssen haben sie vorher schon den einen oder anderen Arzt konsultiert und sie werden sich ja bestimmt noch mindestens eine Zweitmeinung einholen. Aber die Medikamente nehmen sie ja beim Arzt nach der Konsultation einfach mit und wenn letzte Woche der Pharmavertreter mit dem neuen Blutdruckmittel mit einer 6 für 4 Einführungsaktion da war brauchen sie plötzlich nicht mehr das alte bewährte Mittel sonder das Neue. Wo keine Versuchung ist..........
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