Zum Inhalt springen
Inhalt

Bestechung im Migrationsamt Aufenthaltsausweise gegen Geld

Legende: Video Aufenthaltsausweise gegen Geld abspielen. Laufzeit 01:55 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 08.02.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sechs Festnahmen im Kanton Tessin wegen Verstoss gegen das Ausländergesetz.
  • Ein Mitarbeiter und zwei ehemalige Mitarbeiterinnen im Migrationsamt sollen Dokumente und Aufenthaltsbewilligungen «vermittelt» haben.
  • Drei Komplizen wurden festgenommen, einer im Kosovo.
  • Für die «Dienste» sind mehrere tausend Franken Geld geflossen.

Im Tessin sind am Dienstag ein Mitarbeiter und eine ehemalige Mitarbeiterin des kantonalen Migrationsamts festgenommen worden. Sie sollen Komplizen eines 25-jährigen Schweizers gewesen sein, gegen den ein Haftbefehl unter anderem wegen Menschenhandels vorliegt. Das teilt die Kantonspolizei Tessin mit.

Die beiden 28-jährigen Staatangestellten sollen zusammen mit zwei Komplizen mehreren ausländischen Personen illegale B-Aufenthaltserlaubnisse im Tessin und anderen Kantonen «vermittelt» haben. Für ihre Dienste sollen sie «mehrere tausend Franken» erhalten haben. Den beiden Verhafteten wird Diebstahl, Bestechung und ein Verstoss gegen das Ausländergesetz vorgeworfen.

Zwei Komplizen festgenommen

Ein 25-jähriger Komplize sei im Kosovo festgenommen worden. Er führte ein Bauunternehmen im Raum Bellinzona, das mittlerweile Konkurs gegangen ist. Gegen ihn wurde ein Haftbefehl ausgestellt. Ihm werden Menschenhandel, Bestechung, Dokumentenfälschung und Verstösse gegen das Ausländergesetz vorgeworfen.

Bei der vierten festgenommen Person handelt es sich um einen 27-Jährigen, der ebenfalls auf verschiedene Weise in den Fall verwickelt sein soll.

Weitere zwei Verhaftungen

Am Mittwochabend wurden schliesslich zwei weitere Personen festgenommen: Eine weitere 23-jährige ehemalige Mitarbeiterin des Tessiner Migrationsamts und ein ebenfalls in Bellinzona wohnhafter 27-jähriger Türke wurden wegen des gleichen Tatverdachts festgenommen, teilte die Kantonspolizei Tessin mit.

Bei Hausdurchsuchungen bei den beiden Verhafteten seien Sicherheitspapier und Plastikhüllen gefunden worden. Diese kämen für das Erstellen von Aufenthaltsbewilligungen für Ausländer zum Einsatz. Ermittlungen hätten ergeben, dass die Frau das Büromaterial an ihrem ehemaligen Arbeitsplatz unterschlagen habe, um sie dem 27-jährigen Türken auszuhändigen.

Bereits früher entlassen

Sicherheitsdirektor Norman Gobbi (Lega) verurteilte den Vorfall und bedauerte den Vertrauensmissbrauch. Die 28-jährige ehemalige Staatsangestellte sei bereits 2015 aus «disziplinarischen Gründen» aus dem Dienst entlassen worden, teilte Gobbi in einer Medienkonferenz am Nachmittag mit. Ein Zusammenhang mit der laufenden Untersuchungen bestehe nicht.

Dem gleichaltrigen Kollegen im Migrationsamt wurde die Zugangsrechte zu seinem Arbeitsort entzogen. Für das weitere Vorgehen werde der Entscheid der Staatsanwaltschaft abgewartet.

«Ich bin hässig. Vertrauen muss immer gelten, vor allem im Bereich der Migration», sagte Gobbi dem SRF.

Neuorganisation im Migrationsamt

Gobbi sagte vor den Medien, dass die internen Kontrollen im Migrationsamt effizient gewesen seien und zur Aufklärung beigetragen hätten. Ausserdem sei innerhalb des Tessiner Migrationsamts in der Zwischenzeit eine «Neuorganisation» eingeleitet worden.

Sie beruhten auch auf den Polizeiermittlungen in dem mutmasslichen Betrugsfall. Bei der Neuorganisation wurde die Interims-Chefin der Sektion für Bevölkerungsfragen durch Thomas Ferrari als neuen Leiter ersetzt.

2011 verfügte Gobbi, dass beim Tessiner Migrationsamt nur noch Schweizer Staatsbürger arbeiten dürfen. So könne das «Missbrauchsrisiko» gemindert werden – der nun mutmasslich straffällige Mitarbeiter aus Italien sei 2010 angestellt worden. Erst später habe er die Schweizer Staatsbürgerschaft erhalten.

B-Bewilligungen werden ungültig

Hinweise auf die mutmasslichen Fälle von Menschenhandel war von verschiedenen Ämtern und der Abteilung für Bevölkerungsfragen innerhalb des Tessiner Sicherheitsdepartements gekommen.

Legende: Video Daniel Schäfer zu ersten Reaktionen abspielen. Laufzeit 01:34 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 08.02.2017.

Missbräuchliche B-Bewilligungen können vom Migrationsamt zurückgezogen werden. Gobbi hat an der Medienkonferenz klargemacht, dass das passieren wird, wenn der Missbrauch bewiesen ist.

Schon viele böse Reaktionen im Tessin

Insgesamt sind nun laut der Kantonspolizei schon sechs Personen verhaftet worden, berichtet SRF-Korrespondent Daniel Schäfer. Der Fall könnte also noch grösser sein:

«Der Migrationsdruck an der Grenze zu Italien und auch die grosse Zahl Grenzgänger haben zur Folge, dass die Tessiner Bevölkerung bei diesem Thema sehr genau hinschaut. Und da kommt ein solcher Missbrauchsfall natürlich ganz schlecht an.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Von Grünigen wurde zurecht ein Denkmal errichtet weil er illegal Juden aus Nazideutschland in die Schweiz schmuggelte. Heute wäre er wohl nur noch ein Schlepper und Menschenhändler. Als die Weissen nach Afrika, Amerika und Australien kamen, wurden sie auch nicht ausgewiesen. Migration ist Teil der Weltgeschichte. Selbst der Limes hat die Germanen nicht abgehalten. Wir suchen besser Wege die neuen Europäer schneller zu integrieren, anstatt die Einreise zu verweigern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Der Vergleich mit Von Gruenigen damals, greift in diesem Zusammenhang nun wirklich viel zu kurz. Eigentlich beschädigen Sie damit auch nur noch das Ansehen und das Gedenken von Von Gruenigen. Das sollte man nicht tun.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Niklaus Bächler (Brücken- statt Mauerbau!)
    Hören sie endlich mit dieser Ausländerhetze auf!Es ist schlicht unerträglich!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Aber gegen Schweizer hetzen ist in Ordnung und geniesst wohl vollumfänglich Ihre Unterstützung.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Seitdem der Sicherheitsdirektor Gobbi seine Verantwortung im Tessiner Migrationswesen übernahm, arbeitet er, laut "Schweiz aktuell"-Bericht, vehement an Verbesserungen im Migrationsamt! Unter seiner Führung wäre es nicht mehr möglich, dass ein Italiener (ohne Schweizer Pass!) in der Kantonsverwaltung angestellt würde! (Einer der zwei Beamten hatte bei der damaligen Einstellung noch kein "Schweizer Bürgerrecht", so wie ich es vermutete)! Gobbi zeigte sich darüber sehr enttäuscht! Mit Recht!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Niklaus Bächler (Brücken- statt Mauerbau!)
      Rolf Bolliger, sie tun ja gerade so,als wären die Schweizer unfehlbar und ehrlichere Menschen. Sie werden auch nicht müde,den Schweizer als bessere Menschen und eine Art privilegierte Rasse darzustellen. Diese Haltung ist für mich absolut verwerflich und unverständlich zugleich.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Herr Bächler, Ihre ewigen "Verallgemeinerungen" und Verunglimpfungen gegen andere Mitschreiber sind längst Alltag hier im Forum. Nur, in einer der heikelsten Abteilungen einer Kantonsverwaltung (Migration) stellen eben ausländische Mitarbeiter (in der Regel) ein höheres Risiko dar, "Schindluderei" zu betreiben. Sie haben Recht! Auch ich kenne voll integrierte Ausländer, die viel "bessere" und anständigere Bewohner unseres Landes sind, als mancher Huber, Meier oder Müller!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Niklaus Bächler (Brücken- statt Mauerbau!)
      Bedenklicher Rechtfertigungsversuch...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Herr Bächler, der "Liebe Gott" wohnt nicht in Winterthur! Ihre ewigen Zurechtweisungen und Schulmeistereien kann ich längst nicht mehr ernst nehmen! Ich äussere auf Grund von Fakten meine Meinung, ohne das Netiquette dauernd zu verletzen! Danach muss ich mich auch nicht für die Aeusserung "rechtfertigen"! So einfach ginge es, dann müssten die online-Redaktoren auch nicht fast die Hälfte der Forums-Einträge zensurieren (nicht aufschalten!)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen