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Dank Rework leben Kleider zweimal
Aus 10 vor 10 vom 04.01.2022.
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Aus alt mach neu Ein zweites Leben für alte Kleider

Die Berner Firma Rework will etwas tun gegen die stetig anwachsende Menge an Altkleidern und sammelt in Indien Secondhand-Kleider, die ursprünglich aus dem Westen stammen – und lässt sie zu neuen Kleidungsstücken zusammennähen.

T-Shirts, Hosen, Hemden – modisch geschnitten: Auf den ersten Blick sehen die Kleider der Berner Firma Rework aus wie ganz normale Mode. Was nicht alle wissen: Die Kleider sind nicht neu, sondern waren mal Abfall. Jacken aus alten Jeans, Mäntel aus aussortierten Bettüberwürfen, Rucksäcke aus Cordhemden in Übergrösse. Der Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt, sagt Rework-Designerin Laura Weber. Rework macht aus Altkleidern neue Stücke – und stösst damit in der Schweiz auf wachsendes Interesse.

Es ist die letzte Station unseres Konsumrauschs.
Autor: Kaspar Schläppi Geschäftsführer Rework

Die passenden Kleider findet Rework in Indien. Genauer in der westindischen Freihandelszone Kandla. Es sind riesige Berge Altkleider, die sich dort in einer Fabrikhalle türmen. In diesem Altkleidersortierwerk, wie es sie in Indien einige gibt, kommen jeden Tag zwei Container mit Altkleidern aus dem Westen an. Laut dem Fabrikchef sind es rund 40 Tonnen Kleidungsstücke pro Tag.

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In diesem Kleider-Sortierwerk landen rund 40 Tonnen Altkleider täglich
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An diesen Anblick werde er sich nie ganz gewöhnen, meint Kaspar Schläppi, Geschäftsführer von Rework, angesichts der Kleidermassen. «Ich war schon so oft hier und bin doch jedes Mal überwältigt.» Es sei die letzte Station des Konsumrauschs, so Schläppi. «Hier landen alle Kleider, die bei uns niemand mehr will.» Diesen Teil des Kreislaufs blende man als Konsument oftmals aus.

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Kaspar Schläppi, Rework: «Wollen ein breites Publikum ansprechen»
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Schläppi war bei den Anfängen des Berner Kleiderladens «Fizzen» dabei, der seit Jahrzehnten auch Secondhand-Kleider verkauft. Als er vor 15 Jahren zum ersten Mal im indischen Sortierwerk gewesen sei, sei ihm klargeworden, dass man aus diesen Kleiderbergen «etwas machen» müsse. So entstand die Idee für Rework. Nach dem Motto: «Abfall ist eine Ressource am falschen Ort.»

Eine Welt im Kleiderrausch

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Fast-Fashion-Ketten bringen in immer kürzeren Abständen neue Kollektionen heraus. Wir kaufen im Schnitt 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr. Fast die Hälfte tragen wir selten bis nie. In der Schweiz landen jährlich pro Kopf sechs Kilogramm Kleider in der Altkleidersammlung.

Die Folge: Riesige Altkleider-Berge rund um die Welt. Die Kleiderbranche verursacht zudem über eine Billion Tonnen CO₂ pro Jahr.

Rework versucht, die Kreisläufe wieder zu schliessen. Es sammelt Altkleider, näht sie neu zusammen und haucht ihnen so neues Leben ein. Upcycling nennt sich das Ganze. Also: umgestalten und verschönern. Bei Rework entstehen keine neuen Kleider, was Rohstoffe spart. Es werde kein zusätzliches Wasser oder keine Anbauflächen für die Kleiderproduktion verbraucht und weniger CO₂ produziert.

Die Leute sollen Kleider bei uns in erster Linie kaufen, weil sie ihnen gefallen.
Autor: Laura Weber Rework-Designerin

Das Modelabel Rework gibt es seit bald drei Jahren. Es betreibt sechs Läden in der Schweiz, mit rund 30 Angestellten. Mitte November des letzten Jahres eröffnete Rework eine weitere Boutique direkt am Bahnhof Bern. Den Pop-up-Store, also eine Zwischennutzung, kann die Firma hier auf 500 Quadratmetern bis Ende Mai betreiben.

Rework-Designerin Laura Weber sagt: «Für uns ist das eine einmalige Chance. Einen Laden an solcher Lage könnten wir uns sonst nicht leisten.» So hofft Rework auch auf Kundschaft, die sich sonst weniger mit Nachhaltigkeit von Kleidern beschäftigt. Die Nachhaltigkeit stehe beim Verkauf aber jeweils nicht im Vordergrund, betont Laura Weber. «Die Leute sollen bei uns Kleider in erster Linie kaufen, weil sie ihnen gefallen.»

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So funktioniert Rework in Indien
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Rework stellt kleine Kollektionen her und will die Upcycling-Kleider auch für kleinere Budgets anbieten. Einen Pulli gibts hier für rund 40, eine Hose für rund 60 Franken. «Wir wollen die Leute möglichst breit ansprechen und nicht nur eine kleine privilegierte Gruppe, die sich Kleider von Upcycling-Designern leisten kann. Sondern die breite Masse», sagt Kaspar Schläppi. So wolle man zeigen, dass nachhaltige Mode nicht zwingend teuer sein müsse.

Warum ist der Umweg über Indien nötig?

In Indien arbeitet Rework mit eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort zusammen. Sogenannte Vintage Picker suchen in den Altkleiderbergen nach passenden Kleidern. Näherinnen und Näher stellen direkt im Sortierwerk nach Schnittmustern aus Bern neue Kleider her. Das erlaube der Firma, die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter in Indien selber bestimmen zu können. Konkret heisse das: Löhne über dem indischen Mindestlohn, sichere Arbeitsbedingungen und keine Überzeiten.

Neben dem Nähatelier in Indien betreibt Rework auch ein Atelier im thailändischen Bangkok, wo vorwiegend Secondhand-Lederwaren hergestellt werden.

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Herr Schläppi, warum der Umweg über Indien?
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Doch auch wenn gegenüber der herkömmlichen Kleiderproduktion bei Rework Ressourcen eingespart werden, stellt sich die Frage: Wäre es nicht besser, der Umweg über Indien wäre gar nicht erst nötig? «Der Umweg stört uns auch», sagt Kaspar Schläppi. Es sei eigentlich wenig sinnvoll, dass Kleider im Westen in der Altkleidersammlung landeten und nach Indien transportiert würden. «Und wir bringen sie wieder in die Schweiz zurück», so Schläppi.

Aus Kostengründen wird es nie möglich sein, alles in der Schweiz herstellen zu können.
Autor: Kaspar Schläppi Geschäftsführer Rework

Doch an den grossen Altkleidersortierwerken führe fast kein Weg vorbei, weil hier die grossen Massen an Altkleidern ankommen, die Rework für seine Kollektionen verwendet. Zudem seien die Produktionskosten in der Schweiz zu hoch, um alles hierzulande produzieren zu können.

Aus diesem Grund betreibt Rework in jedem Laden ein Nähatelier. Hier sollen Kundinnen und Kunden den Entstehungsprozess der Kleider direkt mitverfolgen können. In Zukunft sollen so immer mehr Kleider in der Schweiz hergestellt werden, auch um die Transportwege zu verkürzen.

In den Pop-up-Store am Bahnhof Bern sollen Kundinnen und Kunden zudem ihre alten Kleider bringen können. Alles werde angenommen und wenn möglich wieder verkauft oder umgenäht. Doch Schläppi macht sich wenig Illusionen: «Aus Kostengründen wird es nie möglich sein, alles in der Schweiz herstellen zu können.»

Immer mehr interessieren sich für das Thema. Ich hoffe, es ist der Anfang einer Lawine.
Autor: Kaspar Schläppi Geschäftsführer Rework

Alten Kleidern wieder einen Wert geben – noch bewegt sich Rework mit diesem Konzept in einer Nische. Doch die Modemacher sind überzeugt: Upcycling von Secondhand kommt gerade stark in Mode. Geschäftsführer Schläppi formuliert es so: «Immer mehr interessieren sich für das Thema. Ich hoffe, es ist der Anfang einer Lawine.»

10 vor 10, 04.01.2022, 21:50 Uhr

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