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Schweiz Aus Migranten werden Arbeitskräfte

Schweizer Firmen entdecken Migranten offenbar zunehmend als Arbeitskräfte. Über einen Praktikumseinstieg sollen Betroffene an den Jobmarkt herangeführt werden. Angeboten werden etwa Stellen in Logistik und Verkauf. Weitere Projekte dienen als Starthilfe für bessere Integration.

Planzer-Hauptgebäude
Legende: Dutzende Praktikumsstellen will das Logistik-Unternehmen in Dietikon (ZH) für Flüchtlinge anbieten. Keystone

Die Schweizer Wirtschaft entdeckt Asylsuchende offenbar mehr und mehr als Arbeitskräfte.

Zahl der Plätze nach und nach erhöhen

Einem Bericht der «NZZ am Sonntag» zufolge will etwa das Einrichtungshaus Ikea in den nächsten sechs Monaten Praktika-Programme für Flüchtlinge starten. «Am Anfang der Programme sollen in jedem der neun Ikea-Zentren in der Schweiz zwei Praktikums-Plätze geschaffen werden», sagt Aurel Hosennen, Kommunikations-Chef von Ikea gegenüber der Zeitung.

Geplant sei etwa, «die Zahl der Praktikums-Plätze nach und nach zu erhöhen.» Die Menschen könnten in dem Unternehmen in ganz verschiedenen Bereichen zum Einsatz kommen. Je nach Qualifikation und Sprachkenntnissen der Betroffenen seien Beschäftigungen in der Logistik oder im Verkauf denkbar, sagt Hosennen.

Firma plant für 100 Flüchtlinge

Auch das Transport- und Logistik-Unternehmen Planzer, das seinen Hauptsitz in Dietikon (ZH) hat, ist an Flüchtlingen als Arbeitskräfte interessiert.

«Wir planen, Ausbildungsprogramme für rund hundert Flüchtlinge anzubieten», sagt Severin Baer, Teilhaber und Geschäftsleitungsmitglied von Planzer, gegenüber dem Blatt. «In den Programmen sollen die Flüchtlinge zu Lastwagenfahrern oder Logistikern ausgebildet werden», fügt er hinzu.

Legende: Video Kunstprojekt: Migranten fotografieren die Schweiz abspielen. Laufzeit 01:35 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 07.11.2015.

In Kontakt mit dem Bund

Dabei handle es sich um eine Art praktische Lehre, in der die Betroffenen auch eine Landessprache lernen und Kenntnisse des Lebens in der Schweiz erhalten könnten. Planzer hat in dieser Sache auch mit dem Staatssekretariat für Migration Kontakt aufgenommen, betont Baer.

Zurzeit würden Gespräche laufen, wie die Ausbildungsprogramme konkret umgesetzt werden sollen. Anlass für das Projekt sei der akute Mangel an qualifizierten Lastwagenfahrern und Logistikern.

Berufsperspektive für Gewaltopfer

Hilfen für einen Einstieg in den Arbeitsmarkt bietet auch das Programm Ponte des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks (SAH Zürich) für ganz besondere Flüchtlinge an. Migrantinnen und Migranten, die am Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer (AFK) des Universitätsspitals Zürich in Behandlung sind, wird eine Starthilfe gegeben, berichtete die «Zürichsee-Zeitung», Link öffnet in einem neuen Fenster kürzlich. Alle ihre Schützlinge sind meist durch Gewalt- und Kriegserfahrungen schwerst traumatisiert.

Wer sich für den Berufseinstieg eignet, wird von den Therapeuten am AFK an die Job-Coaches von Ponte verwiesen. Diese begleiten die Teilnehmer durch Höhen und Tiefen auf der Jobsuche parallel zur Behandlung. Sie erstellen einen Zeitplan, definieren Ziele und Strategien. Zu den 14 aktuellen Teilnehmern des Programms zählen nach Angaben des Blattes Akademiker und Analphabeten im Alter zwischen 25 und 50.

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59 Kommentare

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  • Kommentar von Niklaus Bächler (parteilos!!)
    Ich staune immer wieder! Da haben gewisse Kommentatoren wirklich Angst, die Asylbewerber könnten UNS Schweizern die Arbeitsplätze streitig machen! Dann ist es aber mit der eigenen Schulbildung nicht weit her, wenn man sogar diese «Konkurrenz» zu fürchten hat! Da hilft nur eins: In den Hintern kneifen und mal wieder etwas für die Aus- &Weiterbildung tun! Ein CH-Pass berechtigt keinen einzigen Bürger, einen Arbeitsplatz auf sicher zu haben. Ist das Selbstvertrauen so tief gesunken? Sehr spannend!
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  • Kommentar von Peter Frei (parker)
    Und die ü50 werden still und heimlich ausgemustert (bald schon ü40). Und kommt mir jetzt nicht damit das die älteren nicht wollen oder es fehle an der Ausbildung und wer will bekommt auch einen Job.
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  • Kommentar von Jürg Baltensperger (Baltensperger)
    Wem ein Flüchtling aus Eritrea, der kein Deutsch kann, tatsächlich den Job wegnimmt, der hat in der Schule geschlafen und sich um eine anständige Lehre gedrückt. Sorry, selber schuld. Die Schweizer Wirtschaft ist kein Ponyhof - wir können keine Fantasielöhne bezahlen für unqualifizierte Arbeit. Ein Schweizer Unternehmen muss genauso konkurrenzfähig bleiben wie alle anderen auch. Ansonsten wird ins Ausland ausgelagert oder geschlossen. Das hilft dann auch niemandem.
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