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Ausbau der Autobahn Wie viele Strassen für die Zukunft?

Bedeutet mehr Digitalisierung auch weniger Autos? VCS und TCS sind sich uneinig.

Legende: Audio Wie soll das Autobahnnetz ausgebaut werden? abspielen. Laufzeit 02:04 Minuten.
02:04 min, aus HeuteMorgen vom 09.10.2017.

Die Schweiz hat das dichteste Autobahnnetz der Welt – und es soll noch dichter werden. Beim Bund liegen Dutzende neuer Ausbauprojekte vor. Es brauche diese neuen Strassen, heisst es denn der Verkehr werde auch in den nächsten Jahren massiv zunehmen.

In der Vergangenheit hat man das Verkehrswachstum ganz offensichtlich unterschätzt. Ich habe den Eindruck, dass man es für die Zukunft überschätzt.
Autor: Matthias MüllerSprecher VCS

An dieses Wachstum glaubt Matthias Müller vom Verkehrsclub der Schweiz (VCS) allerdings nicht. «In der Vergangenheit hat man das Verkehrswachstum ganz offensichtlich unterschätzt. Ich habe den Eindruck, dass man es für die Zukunft überschätzt», sagt er.

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung?

Die Prognosen würden nur eintreffen, wenn man die zusätzliche Kapazität auf Vorrat schaffe. Mehr Strassen bedeuteten mehr Verkehr. «Es lohnt sich, eine Denkpause einzuschalten. Die Alternative wäre, dass man in die Beton-Muster der 1960er-Jahre zurückfallen. Das wollen die Schweizerinnen und Schweizer nicht.» Deshalb werde der VCS jedes Bauprojekt eingehend prüfen, Eile für einen Ausbau gäbe es nicht.

Verbandskollege Jan Remund vom VCS Bern geht sogar noch weiter. Er will nicht nur eine Denkpause da und dort, sondern einen generellen Marschhalt beim Autobahnausbau. Heute zu planen, was erst in 20 Jahren gebaut würde, sei sinnlos. «Man weiss gar nicht, wie sich der Verkehr mit der Digitalisierung bis dahin abwickelt.» Man müsse zuerst schauen, wie sich die Situation weiterentwickle.

Ein selbststeuerndes Postauto.
Legende: Alte Strasse, neues Fahrzeug: Die Digitalisierung wird den Verkehr verändern, das steht für alle fest. (Symbolbild) Keystone

TCS widerspricht

Ein Moratorium also für neue Strassen, bis man weiss wohin die technologische Entwicklung führt? Thierry Burkart, Vizepräsident beim Touring Club Schweiz (TCS) winkt ab. «Das ist eine Verhinderungstaktik.» Diese Taktik brauche der VCS schon seit vielen Jahren.

Das Automobil wird attraktiver und deshalb mehr genutzt werden.
Autor: Thierry BurkartVizepräsident TCS

Nun versuche es der VCS einfach unter dem Deckmantel der Digitalisierung. Neue intelligente Autos würden vielleicht etwas weniger Strasse beanspruchten, aber das Verkehrswachstum werde dadurch nur noch zunehmen. «Das Automobil wird attraktiver und deshalb mehr genutzt werden. Deshalb wird es nicht weniger, sondern mehr Verkehr geben.» Deshalb brauche es auch einen vernünftigen Autobahnausbau.

Dass die neue Technologie dem Auto einen Vorteil gegenüber dem ÖV bringt, befürchtet man auch beim VCS. Deshalb kämpft man dort nicht für einen effizienteren, sondern grundsätzlich für weniger Privatverkehr.

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56 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    den aspekt des monopols der geschwindigkeit (illich) ist selten im fokus solcher diskussionen. eine gesellschaft, die die motorisierte geschwindkeit über alle anderen stellt, schafft ungleichheit und liefert sich der kontrolle der ‚transportindustrie‘ aus. die motorisierte geschwindigkeit bestimmt alle unsere lebensbereiche, hat sich tief verankert. es wird schwierig sein, ein gesundes mass zu finden. davon hängt der konsum von energie ab. ob selbstfahrende, ob grüne autos, das ist makulatur.
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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Ich frage mich gerade, wie viele derer, die hier über “Zuwanderung“ lästern, selber aus einer Stadt in eine Schlafgemeinde zogen, um jetzt im Auto zur Arbeit zu gehen. Oder aus einem Dorf in eine Stadt zogen. Alles Zuwanderer! Nur eine Frage der Distanz. Ein Chinese in Peking kann gut und gerne 2000km weiter westlich geboren sein, das ist wie ein Syrer in der Schweiz, nur dass er kein Ausländer ist - alles nur Phantasie der Menschen.
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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    McKinsey prognostiziert einen Rückgang von 80% bei den Verkäufen von PKW, wenn selbstfahrende Autos gemeinsam genutzt werden (car sharing a la Uber ohne Fahrer). Das wird in 20 Jahren Realität, und wenn es nur 50% Rückgang ist, man sollte dennoch vorsichtig Planen. Die Natur lässt sich nicht so einfach wieder nachbauen.
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