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Schweiz Ausblick: Wie sicher sind die Grossbanken heute?

Am 16. Oktober 2008 schnürten Bund und Nationalbank ein gigantisches Hilfspaket für die UBS. Fünf Jahre später stellt sich die Frage, ob die Schweiz genügend Lehren daraus gezogen hat.

Rückblick, 2008: Die US-Immobilienkrise entwickelte sich zu einem Flächenbrand rund um den Globus. Die UBS stand am Rand des Abgrunds. Sie verspekulierte sich im amerikanischen Immobilienmarkt, setzte Milliarden in den Sand. Immer mehr Kunden zogen ihr Geld von ihren UBS-Konten ab. Auch das Vertrauen der Banken untereinander sank – sie liehen sich gegenseitig kein Geld mehr. Die Folge: Die UBS drohte zu kollabieren. Dies zu verhindern. Bund und Nationalbank halfen der Grossbank mit 60 Milliarden Franken.

Legende: Video «UBS und CS: Too Big to Fail» abspielen. Laufzeit 1:43 Minuten.
Aus ECO vom 21.09.2009.

Der Staat muss eingreifen können

Danach war klar: Die Schweiz soll nie mehr eine Grossbank retten müssen. Nie mehr soll eine Bank «too big to fail» sein, damit sie – im Falle eines Konkurses – nicht die ganze Schweizer Volkswirtschaft mit in den Abgrund reissen würde.

Die Bankenregulierung wurde verschärft. Die Grossbanken haben ihr Geschäftsmodell angepasst, Sicherheiten eingebaut. Sie müssen Notfallpläne aufweisen. Reicht das? Wirtschaftsrechtsprofessor Peter V. Kunz sagt im Magazin «Trend» auf Radio SRF 4: «Es ist falsch zu sagen, die Banken werden es schon richten. Das ist mir zu wenig. Bei ‹too big to fail› geht es um nationale Interessen, um die schweizerische Volkswirtschaft.» Für ihn sei klar, dass «der Staat auf dem Fahrer- und nicht auf dem Beifahrer-Sitz unterwegs sein muss».

Es braucht laut Kunz ein gemeinsames Organ aus Nationalbank und eidgenössischer Finanzmarktaufsicht (Finma). Dieses hätte im Bereich «too big to fail» das Sagen, sie müsste im Falle einer schweren Krise die Regie übernehmen.

Internationales Konkursrecht? Unmöglich

Kunz, Wirtschaftsprofessor Manuel Ammann und Ökonom Rudolf Strahm sind sich einig, dass die Schweiz noch längst nicht am Ziel ist. Ammann sagt gar, dass die Gefahr, nochmals eine Bank retten zu müssen, kleiner, aber nicht gebannt ist. «Im Ernstfall ist man heute eigentlich nicht viel weiter als 2008.»

Es brauche sowohl im Inland wie auch im Ausland weitere Massnahmen, um das Problem «too big to fail» zu lösen, sagen die Experten. Auf globaler Ebene ist von einem internationalen Konkursrecht die Rede. Doch Wirtschaftsrechtsprofessor Kunz nennt dies eine Illusion. «Das wird es nicht geben.» Nationale Interessen oder Egoismen stünden dem im Wege.

21 Kommentare

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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Wie will man ein Schneeballsystem sicher machen??? Die Wirtschaft und insbesondere die Finanzmärkte sind nur stabil, wenn die Vermögen exponentiell wachsen. Das System braucht immer mehr neues Geld, d.h. Schulden, denn nur durch Kredite gelangt neues Geld ins System! Vermögenswachstum =Schuldenwachstum. Das ganze wächst, bis es immer instabiler wird und ein Kreditausfall das ganze einstürzen lässt.
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  • Kommentar von Josua Engeler, Winterthur
    .... und wann werden die rund 60 Milliarden CHF, die zur Rettung in die UBS eingeschossen wurden, wieder an das Schweizervolk zurückbezahlt?
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    1. Antwort von M. Keller, Thurgau
      Das war um 2010 rum... Die SNB hat die Toxic-Paper alle gewinnbringend verkaufen können, und die UBS war die erste von einem Staat gerettete Bank, welche die für die Rettung notwendigen Mittel zurückbezahlt hat. Bis heute übrigens auch die einzige Bank weltweit, die dies gemacht hat... Tip: die Tagesschau hatte einen kurzen Bericht (oder war's SF Börse?) - in der Mediathek suchen... Müsste noch vorhanden sein
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    2. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      @ M. Keller: der Erfolg der Rettungsaktion durch die SNB hat man den Staaten (Steuerzahler) zu verdanken, welche durch ihren Einsatz eine globale Krise verhindert haben. Und auch der Druckerpresse der übrigen Notenbanken, welche immer wieder beherzt Mittel ins marode Finanzsystem hineingepumpt haben - auf Kosten aller, in dem die Kaufkraft verdünnt wurde.
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    3. Antwort von M. Keller, Thurgau
      Moment - ich bin also mitschuld, das in den USA ein Missbrauch des Kreditwesens betrieben wurde? Oder in der EU eine Währung eingeführt, ohne das für jene ein solides Grundgerüst da war resp. Staaten beim Euro-Eintritt gg. die Maastrichter Kriterien verstossen haben? Herr Bernoulli - kann es sein, das sie mein Post falsch verstanden haben?
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    4. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      @ M. Keller: es ist möglich, dass wir uns missverstehen... Ich will nur sagen, dass die Rettung der UBS letztlich nur erfolgreich war wegen dem (eher unfreiwilligen) Einsatz der Steuerzahler weltweit zur Rettung des Finanzsystems.
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    5. Antwort von Josua Engeler, Winterthur
      @ M. Keller. Vielen Dank für Ihre Information! Habe ich das richtig verstanden? ... die Toxic-Paper haben der SNA einen Gewinn von 60 Milliaden CHF gebracht?
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    6. Antwort von M. Keller, Thurgau
      Ja Herr Bernoulli - sie haben etwas falsch verstanden; J. Engeler fragte wann die UBS das Geld zurückzahlte... Ich antwortete mit dem Jahr in dem das passierte, und das die UBS bis heute die einzige Bank war die das geschafft hat... Sie haben mir daraufhin eine Mitschuld an der Wirtschaftskrise geben wollen, resp. eine Antwort auf eine nichtgestellte Frage gegeben (allenfalls beim Antworten im Thread verrutscht?)... ;)
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    7. Antwort von M. Keller, Thurgau
      J. Engeler: die SNB hat die Toxic Paper MIT GEWINN verkauft, die UBS hat die direkten Kredite zurückbezahlt = die gesamthaft 60Mrd sind alle wieder drin - inkl. einem Gewinn (dessen Betrag ist mir gerade nicht gegenwärtig, müsste sich aber via Mediathek (denn SRF berichtete) herausfinden lassen...)
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  • Kommentar von Nighat Schaufelberger, Küsnacht ZH
    Bei der Organisation ‚Finance Watch’ versuchen ehemaliger Investment Banker Korrektur in der Finanz Industrie herbei zu führen. Auf Englisch formuliert: It takes a thief to catch a thief.
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