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Schweiz Ausgesperrte Genfer Flughafenmitarbeiter wehren sich

35 Fluggepäckmitarbeiter am Flughafen Genf dürfen seit Ende Jahr nicht mehr an ihren Arbeitsplatz. Aus Sicherheitsgründen, sagen die Behörden. Was ihnen genau vorgeworfen wird, wissen sie aber bis heute nicht. Nun haben zwölf Betroffene einen Anwalt eingeschaltet.

Legende: Video Flughafenangestellte bleiben ausgesperrt abspielen. Laufzeit 4:12 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 03.02.2016.

Kurz vor Weihnachten wurde über 30 Angestellten am Flughafen Genf der Zutrittsbadge für das Rollfeld gesperrt. Die Massnahme erfolgte aus Sicherheitsüberlegungen, begründete die Kantonspolizei die Massnahme nach einer Überprüfung der Mitarbeiter. In der Vergangenheit waren möglicherweise radikalisierte Muslime am Flughafen tätig.

Zwei Gepäckarbeiter mit gelber Warnweste beladen von Hand ein Flugzeug mit Gepäck, das auf einem Wagen liegt
Legende: 35 Fluggepäckmitarbeiter am Flughafen Genf haben ihre Stelle verloren und dürfen nicht mehr an ihren Arbeitsplatz. SRF

Am Morgen vor verschlossener Tür

Auch über einen Monat später können die betroffenen Gepäckarbeiter noch immer nicht an ihren Arbeitsplatz auf dem Rollfeld. Einer von ihnen ist Mohamed, der seit sieben Jahren am Flughafen Genf arbeitet: «Ich kam am 23. Dezember um 5 Uhr auf den Flughafen, aber mein Badge funktionierte nicht mehr. Ich musste ihn dann dem Sicherheitspersonal übergeben», erzählt er in «Schweiz Aktuell».

Schwierige Aufgabe für den Anwalt

Seither kann er wie die anderen 34 Betroffenen seiner Arbeit nicht mehr nachgehen, was faktisch einer Entlassung gleichkommt. Denn sie waren temporär beschäftigt und erhalten nun auch keinen Lohn mehr.

Zwölf der ehemaligen Flughafenmitarbeiter wollen sich nun wehren und haben sich einen Anwalt genommen. Doch das ist gar nicht so einfach. Der Genfer Anwalt Pierre Bayenet sagt, es fehle ihm und seinen Mandanten an Informationen, was ihnen genau vorgeworfen werde.

Französische Polizei informierte Genf

Stellung zum Fall nimmt im Kanton Genf nur der Sicherheitsdirektor Pierre Maudet. Er begründet ihn mit Informationen durch die französische Polizei nach den Terroranschlägen in Paris vom 13. November letzten Jahres. Worum es dabei genau geht, will er aber nicht sagen. «Wir wissen gewisse Sachen. Genug, um uns eine Meinung zu bilden und die Sicherheit ernst zu nehmen.»

Anwalt Bayenet dagegen spricht von einem willkürlichen Entscheid: «Wenn ein solcher Entscheid getroffen wird, dann muss die Person wissen, was ihr genau vorgeworfen wird. Und sie muss dazu Stellung nehmen können.»

Kaum Chancen auf Wiederanstellung

Doch bis heute hätten er und seine Mandaten noch keinen Zugang zu Informationen. Laut der französischen Polizei könne es bis zu anderthalb Jahre dauern, bis sie Einsicht erhielten in die über sie gesammelten Daten.

Der betroffene Mohamed hofft zwar, dass er irgendwann wieder am Flughafen Genf arbeiten kann. Doch die Chancen sind gering, dass die Behörden zurückkrebsen: Denn ihrer Ansicht nach macht das Arbeitsverbot den Flughafen sicherer. Sie stützen ihren Entscheid auf den nationalen Sicherheitsplan für die Flughäfen.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
    Seit sieben Jahren "Temporär" angestellt? Derartiges gehört verboten. Abgesehen davon wenn man einen echten Grund hätte diesen Leuten zu mistrauen und nicht nur vage Vermutungen könnte man es ja auch sagen oder die Leute gleich verhaften lassen. Dass man auf Nummer sicher gehen will kann ich ja verstehen … aber doch nicht ohne Rücksicht auf Verluste. Gebt den Leuten einfach eine andere Arbeit oder zahlt wenigstens den Lohn.
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  • Kommentar von Adrian Flükiger (Ädu)
    Bravo, richtig so, unbedingt wehren und ein Maximum an Schadenersatz verlangen! Dieses - alle in den selben Topf werfen - ist primitiv. Dieser Regierungsrat ist seines Amtes nicht würdig - zurücktreten, sofort!
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Sicherlich darf man nicht alle in einen Topf werfen. Aber offenbar muss da mehr dran sein, sonst würde man wohl kaum der Art reagieren müssen. NB: die französische Polizei informierte....!!!
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    2. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Wir wissen die Hintergründe nicht genau, folglich finde ich, etwas übertriebene? Vorsicht ist bei einem Flughafen erst einmal besser. Sicherheit hat hier höchste Priorität.
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    3. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      @Hans Heller: Wenn da genug dran ist um so reagieren zu MÜSSEN kann man es ja auch sagen und die Leute gleich in den Knast werfen. Und wenn nicht, kündet man den Leuten offiziell, mit Begründung, oder man findet eine andere Lösung für sie. Es gibt keine bessere Art jemenaden zu radikalisieren als derartige Ungerechtigkeiten wie ein faktisches arbeitsverbot ohne Begründung.
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    4. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Fuchs: Der Flughafenbetreiber ist in einer Zwickmühle. Er wird sich logischerweise eher auf die sichere Seite stellen wollen. Die Informationen kamen aus Frankreich, nicht aus der Schweiz. Was wenn etwas passiert? Dann würde man den Flughafenbetreiber Vorwürfte machen. Diese Sache da ist heikel und sehr problematisch. NB: Bin selber schon in einer anderen Sache unter Verdacht und Untersuchung geraten, ich weiss wie schnell man da vorverurteilt werden kann ohne dass man sich was zu schuldenden..!
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    5. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Nein das gehört zum Sicherheitspotential bis alles aufgeklärt ist. Soll man das vorher hier im Internet veröffentlichen. Es wird sicher eine Antwort geben, wenn alles aufgeklärt ist. Dann ist immer noch Zeit für Kritik am eventuellen falschen Verhalten des Genfer Flughafens.
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    6. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      @Hans Haller: In der Tat, aber was wenn trotzdem etwas passiert? Oder noch viel schlimmer, grade deswegen wie man die Sache angepackt hat. Woher diese ominösen Informationen kommen ist irrelevant und was sie enthalten wissen wir beide nicht. Eigentlich wissen wir gar nichts. Ich sage nur dass man die Sache fairer für die Betroffenen hätte handhaben müssen, denn unter den 35 sind fast sicher Unschuldige. Und da werden Sie mir mit Ihren Erfahrungen ja wohl zustimmen.
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