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Schweiz Ausländerkriminalität: Eine Statistik – viele Schlagzeilen

Welche Ausländer sind die kriminellsten? Diese Frage lässt sich mit neuen Zahlen des Bundesamt für Statistik theoretisch beantworten. Aber: Je nach Auswahlkriterien fällt die Rangliste völlig unterschiedlich aus. Stellen Sie sich Ihre Statistik zusammen – und generieren Sie Ihre eigene Schlagzeile.

Statistik ist eine exakte Wissenschaft. Eigentlich. Doch welche unterschiedlichen Schlagzeilen aus Statistiken resultieren können, zeigte letzte Woche die Veröffentlichung der «Strafurteilsstatistik» des Bundesamtes für Statistik (BFS), die erstmals die Nationalität der in der Schweiz Verurteilten aufschlüsselte. Je nach Medium und Rangliste waren die kriminellsten Einwanderer der Schweiz Südwestafrikaner (Tages-Anzeiger, Link öffnet in einem neuen Fenster), Westafrikaner und Dominikaner (Blick, Link öffnet in einem neuen Fenster) oder Rumänen (SRF). Dahinter steckt keine böse Absicht – denn die «eine» Wahrheit gibt es nicht.

Aber sehen Sie selbst: Schlüpfen Sie in die Rolle eines Medienschaffenden, der die BFS-Zahlen auswerten muss. Bestimmen Sie selber über Altersgruppen und Geschlecht. Generieren Sie Ihre eigene Schlagzeile!

Vergangene Woche bezogen sich viele Medien direkt auf die sogenannte «Belastungsrate». Diese gibt den Anteil der in der Schweiz verurteilten Personen einer bestimmten Nationalität an. Nun kann man diese Belastungsrate zusammengefasst für alle Bevölkerungsschichten einer Nationalität berechnen. Die neuen Daten des BFS sind aber weitaus detaillierter und ermöglichen es, eine Belastungsrate für beliebige Gruppen zu berechnen. Dies führt wiederum zu völlig unterschiedlichen Ranglisten der kriminellsten Nationen, wie unser Schlagzeilen-Generator zeigt.

Je nach Altersgruppe und Geschlecht völlig andere Resultate

Zeitungs-Schlagzeilen zur Strafurteilstatistik
Legende: Wer kriegt den Schwarzen Peter? Schlagzeilen zur «Strafurteilsstatistik» des Bundesamts für Statistik (BFS). SRF

Die Diskrepanz zwischen Tabellenführer Südwestafrika (Tages-Anzeiger) und Westafrika (Blick) lässt sich auf diese Weise erklären: Erstere führen die Rangliste an, wenn man die gesamte Bevölkerung miteinbezieht – letztere, wenn man nur Männer betrachtet.

Weiteres Beispiel: Als richtiggehend «kriminell» könnte man 60-69-jährige Indonesierinnen bezeichnen. Ganze zehn Prozent von ihnen wurden im Jahr 2014 verurteilt. Nur: Diese Zahl basiert auf lediglich einer Verurteilten aus den zehn 60-69-jährigen Indonesierinnen, die in der Schweiz leben. Statistisch gesehen ist das wenig aussagekräftig.

Denn es liegt im eigenen Ermessen, ab wie vielen Verurteilungen eine Nation in der Statistik erscheinen soll. Je weniger Verurteilte berücksichtigt werden, desto zufälliger das Resultat – und desto grösser die Auswirkung Einzelner.

«Monegassen sind die kriminellsten!!!»

So werden die Monegassen zu den kriminellsten Einwanderern, weil von nur 20 in der Schweiz lebenden Monegassen einer strafrechtlich verurteilt wurde, was einer Belastungsrate von fünf Prozent entspricht. «Monegassen sind die kriminellste Bevölkerungsgruppe der Schweiz», hätte die Schlagzeile geheissen.

Was stimmt denn nun? Welche Wahrheit ist die richtigste? Das BFS liefert dazu keine Antworten – das ist auch nicht seine Aufgabe. Es weist aber darauf hin, dass die Nationalität nur eine von vielen Faktoren ist und «keine ursächlichen Schlussfolgerungen zulässt».

Vielmehr ist es Aufgabe der Medien, die Zahlen differenziert und in einem sinnvollen Kontext zu interpretieren. Eine Möglichkeit wäre, auf plakative Schlagzeilen zu verzichten.

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49 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Kriminalität - egal von wem begangen - muss mit rigiden Konsequenzen von Gesetzes wegen geahndet werden! Keine weitere "Kuscheljustiz"! Mehr Verhältnismässigkeit - Strassenverkehrsgesetz, welches zwar Millionen in die Staatskasse fliessen lassen, - fragwürdige, large Gesetze für Gewalt- Sexualstraftaten, welche die Steuern zahlenden BürgerInnen viel Geld kosten!!??
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  • Kommentar von Tobi Hartmann (Tobias Hartmann)
    Vergleichen lassen sich diese Zahlen allerhöchstens mit der Statistik "So kriminell sind Schweizer im Ausland". Da würde mancher Konservative noch auf die Welt kommen. Sind es doch vor allem Konservative die in Thailand, den Philippinen usw. das machen was sie sich in der Schweiz nicht getrauen.
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  • Kommentar von Ueli von Känel (uvk)
    Eigentlich geschmacklos zu meinen, es lasse sich hier in einer solch komplexen Problenlage eine solide, hilfreiche Schlagzeile verfassen. Damit zu "spielen", finde ich deplaziert! Hilfreicher wäre es, den Ursachen für Kriminalität zu begegnen. Eine der Ursachen besteht im Gefälle Reich-Arm. Und hier sind wir alle Teil des Systems (der ungerechten materiellen Verteilung). Hier gilt es mit guten politischen Vorlagen und eigenen Initiativen entgegenzuwirken. Dies hilft, Kriminalität zu reduzieren.
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    1. Antwort von Peter Zurbuchen (drpesche)
      Wo denken Sie auch hin, Herr von Känel? Es will doch niemand die Kriminalität reduzieren! Da würde man ja der ganzen Argumente für seinen Fremdenhass beraubt! Und plötzlich müsste man noch sein eigenes Verhalten hinterfragen!
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