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Schweiz Auslandschweizer: Probleme mit Schweizer Konten

Für Schweizer im Ausland wird es immer schwieriger, in der Heimat ein Konto zu unterhalten. So akzeptieren die Banken etwa aus Angst vor Problemen mit der US-Justiz kaum noch Kunden mit Schweizer Pass und Wohnsitz in den USA. Die Auslandschweizer-Organisation fordert Gegenmassnahmen.

Symbolbild: Schalterhalle einer Bank.
Legende: Viele Schweizer Banken wollen keine Kunden aus dem Ausland mehr. Keystone Archiv

«Im Ausland lebende Schweizerinnen und Schweizer haben ein echtes Problem», sagt SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel. Für sie sei es derzeit fast unmöglich, eine Bankverbindung in die Schweiz aufrecht zu erhalten. «Es betrifft sehr viele Leute und es ist ein Grossteil der Banken, welcher die Leute mit teilweise sehr unanständigen Briefen richtiggehend hinausschmeisst», beklagt das Mitglied des Vorstands der Auslandschweizer-Organisation.

Angst vor ausländischer Justiz

Grundsätzlich herrscht auch in diesem Bereich Vertragsfreiheit. Das heisst, dass keine Bank Kunden im Ausland akzeptieren muss, wenn sie nicht will. Trotzdem findet es Büchel unverschämt, dass die Banken auch gute Geschäftsbeziehungen abbrechen, nur weil sie Scherereien mit der ausländischen Justiz fürchten.

Es gebe Fälle, in denen ein Auslandschweizer eine Rente von einer Schweizer Pensionskasse erhalte, die Kasse die Rente aber nur auf ein Schweizer Bankkonto auszahlt. Doch kein Schweizer Finanzinstitut wolle den Auslandschweizer als Kunden – beispielsweise weil er in Prag lebe, so Büchel. «Es ist ziemlich irrsinnig, was da im Moment abläuft.»

Er fordert darum Abhilfe mit einem Vorstoss im Parlament: Der Bund solle die Postfinance als Bank in eidgenössischem Besitz dazu verpflichten, Auslandbürgern ein Konto anzubieten. Heute macht sie das auf freiwilliger Basis.

Postfinance springt in die Lücke

Tatsächlich sei die Postfinance für alle Auslandschweizer da, sagt deren Mediensprecher Marc Andrey. Er könne aber kein Versprechen abgeben, dass dies auch in zehn Jahren noch so sei. Wenn sich der Aufwand für die Bedienung der Auslandschweizer vervielfachen sollte, müsste Postfinance die Sache sicher überdenken. Aber: «Im Moment ist es unser Wunsch und unser Wille, dass wir den Schweizern im Ausland ein Konto anbieten.»

Nationalrat Büchel genügt diese Freiwilligkeit nicht. Er verlangt deshalb eine gesetzliche Regelung. Aber vor allem hofft er auf mehr Augenmass bei den übrigen Banken: «Das ist doch kein Geschäftsgebaren – den Problemen auf diese Art auszuweichen.»

Für die Auslandschweizer ist das Thema virulent; auf ihrem Kongress ist das Thema bereits traktandiert. Er findet Mitte August in Baden statt.

Banken-Vergleich

Viele Auslandschweizer fühlen sich von Schweizer Banken diskriminiert. Die SRF-Sendung «Espresso» hat 13 grössere Finanzinstitute verglichen und sagt, was Betroffene tun können. Lesen Sie hier mehr.

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49 Kommentare

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  • Kommentar von Bevis Stevens, Neuseeland
    Man kann bei der post eine Konto als Auslandschweizer haben, aber es kostet viel mehr. Und die Kosten laufen auch wenn kein Geld darauf sitzt! Teuer! Kontoführungskosten sind mir sowieso unverständlich. Alles läuft heutzutage elektronisch ab. Keine Personalaufwand entsteht dabei! Und der Bank macht eine Haufe Geld mit dein kleine Ersparnisse!
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  • Kommentar von Paul Reinmann, Solothurn
    Es waren wohl auch viele Doppelbürger welche in ihrer neuen Heimat keine Steuern bezahlen wollten und sich ein Konto in der Schweiz, extra dafür, gehalten haben. Wer nicht in der Schweiz wohnt, braucht auch kein Schweizer Bankkonto.
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    1. Antwort von M. Steiner, Winterthur
      Doch. Da die AHV oder Pension oft nur auf ein Schweizer Konto ausbezahlt werden. Die Lösung wäre aber so einfach: Bankinstitute dazu anhalten, Auslandschweizerkonti anzubieten, welche keine Kontokorrentfunktion haben und bei welchen ein Zahlungseingang immer automatisch auf ein ausl. Konto abfliesst. Aber da kommen wohl Politiker nicht drauf...
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    2. Antwort von M. Keller, Thurgau
      M. Steiner: nein, die Lösung wär NOCH einfacher: in der CH bekommen ausl. Rentner die Rente via AHV verwaltet und ausbezahlt. Das ist eine "kostenlose Dienstleistung" für unsere "befreundeten Staaten". ICH frag mich spontan, warum die AHV für Auslandschweizer die ganze Verwaltung und Zahlung machen muss, weil so eine freundschaftliche Dienstleistung nicht für die CH in Erwägung gezogen werden kann... Einfacher zu realisieren: die Überweisungsgebühren teilen, und die AHV überweist auf ausl. Konti
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Heisse ich den Putin oder stamme aus seinem Umfeld, oder was? Bin auch kein Doppelbürger. So ungefähr komme ich mir aber als Schweizer im Ausland langsam vor. Letzten Samstag war hier 1. Augustfeier. Wie jedes Jahr, wird in der Ansprache hervorgehoben, wie wichtig Auslandschweizer für die CH sind. Pustekuchen! Interessant jedoch, in den US kann ich ein Konto eröffnen, sogar von Guatemala aus. Zuhause werde ich rausgeekelt oder abgewimmelt. Welch Doppelmoral.
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    1. Antwort von M. Keller, Thurgau
      Der ganze Steuerstreit (Auslöser dieser "Auslese") ist pure Doppelmoral: Deutschland ist gem. OECD seit 15 Jahren die Geldwäschereioase #1. GB hat Steueroasen auf den Kanalinseln, die USA hat Nevada, Florida, und Delaware. Im GANZEN Steuerstreit inkl. G20-Grau/Schwarz/Weis-Listen findet man nicht den geringsten Hinweis darauf, dafür hacken selbst CH-Medien auf DIE SCHWEIZ ein, und nicht auf DIE Bankkunden, welche CH-Banken und -Gesetze zum Steuerhinterziehen missbrauchten... Da hämmer jez devo!
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