Bahnfahrt durch den neuen Gotthard-Tunnel wird teurer

Für eine Zugfahrt ins Tessin müssen Reisende bald tiefer in die Tasche greifen. Die SBB will die Fahrt mit Sonderzuschlägen verteuern. Der Preisüberwacher regiert auf die Ankündigung skeptisch. Auch im Tessin stösst die Idee auf Ablehnung.

Arbeiter im neuen Tunnel

Bildlegende: Für Passagiere wird die Fahrt ins Tessin bald teurer. Reuters

Am 1. Juni wird der neue Bahntunnel durch den Gotthard feierlich eröffnet. Die Reise ins Tessin soll durch den Tunnel sicherer und schneller werden als auf der derzeitigen Strecke. Das hat jedoch seinen Preis: Die SBB will die Fahrt mit Sonderzuschlägen verteuern.

Sie beantragen einen «moderaten Distanzzuschlag im direkten Verkehr über die Gotthardstrecke», wie ein Sprecher der «NZZ am Sonntag» sagt. «Das Ticket für Transitreisende wird voraussichtlich für den Abschnitt zwischen Altdorf und Castione-Arbedo etwas teurer als bisher.»

Begründet wird der Zuschlag mit der besseren Qualität des Angebots und der kürzeren Reisezeit. Wie hoch er ausfallen wird, will die SBB nicht verraten. Dies sei noch mit der Branche und dem Preisüberwacher abzustimmen.

Dieser reagiert skeptisch auf die Ankündigung. Ein neuer Tunnel rechtfertige noch nicht per se eine Preiserhöhung, sagt Stefan Meierhans der Zeitung. Er wird darum genau prüfen, wie viel die SBB letztlich verlangt und wie sie es begründet.

Gobbi fordert Senkung der Billettpreise

Auch im Tessin kommen die Pläne schlecht an. «Wir sind etwas erstaunt über diesen Preisaufschlag», sagt Regierungspräsident Norman Gobbi. Bei anderen Infrastrukturbauten wie etwa dem Zürcher Tiefbahnhof habe man seines Wissens auch keine Zuschläge verrechnet. Und eigentlich sollten die Billettpreise im ganzen Land nach einheitlichen Kriterien gestaltet werden.

Gobbi verknüpft die Preisfrage zudem mit der laufenden Debatte um eine zweite Strassenröhre durch den Gotthard. Er fordert eine Senkung der Billettpreise, falls das Stimmvolk am 28. Februar den Bau dieser Röhre ablehnt. «Wenn wir während Jahren keine Strassenverbindung mit dem Rest der Schweiz hätten, wären für diese Zeit die Preise auf der Bahnstrecke in der Tat deutlich anzupassen – aber nach unten», sagt er.