Bahnschotterwagen stand Nostalgiezug im Weg

Nach der Kollision eines Nostalgiezugs mit einem Baustellenwagen bei Sihlbrugg (ZH) ist die Spurensicherung durch die Spezialisten der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (SUST) abgeschlossen. Die Erkenntnis: Der Wagen mit Bahnschotter hätte dort nicht stehen dürfen.

Ein Waggon ist auf den Schotterwagen aufgefahren.

Bildlegende: Beim Ausfahren aus dem Bahnhof Sihlbrugg prallte der historische Zug in einen abgestellten Schotterwagen (gelb). SRF / Beat Kaelin

Der dampfbetriebene Nostalgiezug befand sich am späten Samstagabend auf dem Rückweg von Arth-Goldau nach Zürich. In Sihlbrugg musste für die Dampflokomotive Wasser getankt werden.

Bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Sihlbrugg prallte der Dampfzug gegen 23 Uhr in einen abgestellten Bahnwagen mit Schotter. Wegen einer Baustelle waren Bauwagen auf einem Stumpengleis abgestellt worden, erklärt Philippe Thürler von der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (SUST), die den Vorfall untersucht.

Schotterwagen ragte in das Fahrprofil des Dampfzugs

Dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen» sagte Thürler weiter, dass die abgestellten Bauwagen auf dem Stumpengleis noch auf einer Weiche standen. «Das bedeutet, dass die Fahrt für den Dampfzug nicht ‹profilfrei› war. Als der Dampfzug freie Fahrt erhalten hat, also das Signal auf Grün stand, ist er abgefahren und kurz danach mit dem abgestellten Bauwagen kollidiert», führte Thürler weiter aus. Der Schotterwagen hätte nicht dort stehen dürfen.

Die Spurensicherung sei abgeschlossen, sagte der Untersuchungsleiter der SUST. «Dazu wurden auch die Stellwerkprotokolle der Sicherungsanlagen ausgelesen. Die bis jetzt durchgeführten Kontrollen haben aber keine Auffälligkeiten bei den Sicherungsanlagen gezeigt», so Thürler.

Das Stellwerkprotokoll müsse nun mit Funkaufzeichnung verglichen und alle gesicherten Unterlagen studiert werden, um herauszufinden, warum der Schotterwagen dort gestanden habe. Erste Erkenntnisse würden im Laufe der nächsten Woche vorliegen. Bis zur Publikation des Schlussberichts dauere es aber noch ein paar Monate.

Private Fahrten in Randzeiten

Beim Aufprall des Nostalgiezuges mit geringer Geschwindigkeit wurden 16 Menschen verletzt, zwei davon mittelschwer. Der Schaden beträgt rund 500'000 Franken.

Laut der SBB sind private Vereine mit ihren Zügen vor allem in Randzeiten und am Wochenende auf dem Bahnnetz unterwegs. Besitzen die Vereine eine Betriebsbewilligung vom Bundesamt für Verkehr (BAV), können sie bei der SBB Fahrten buchen und dafür würde dann ein Fahrplan ausgearbeitet, sagte SBB-Sprecher Christian Ginsig der sda. Im Fall der Unfallfahrt sei diesbezüglich alles in Ordnung gewesen.