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Schweiz Ballon-Unglück: Millionen-Klage gegen Hotel in Gstaad

Die US-Familie, die 2013 mit einem Heissluftballon im freiburgischen Montbovon verunglückte, klagt gegen das Grand Hotel Park in Gstaad und Reiseorganisatoren. Beim Unfall war der Familienvater gestorben. Die Mutter und zwei Töchter wurden schwer verletzt. Es geht um Forderungen in Millionenhöhe.

Polizisten an Trümmern eines abgestürzten Ballons.
Legende: Der Unfallort kurz nach dem Absturz. Jetzt hat das Unglück ein gerichtliches Nachspiel in Kalifornien. Keystone

Fast 54 Millionen Dollar (rund 48 Millionen Franken) fordert die Familie von Hotel und Reiseveranstaltern an Schadenersatz. Die Klage sei vergangene Woche beim Bundesgerichtshof von Kalifornien eingegangen, berichtet die Zeitung «Malibu Times» weiter.

Vorwurf: Grobe Fahrlässigkeit

Beim Absturz des Ballons aus rund 50 Metern Höhe nach der Kollision mit einer Stromleitung war der amerikanische Unternehmer Grant Adamson zu Tode gekommen. Seine Frau Terry und die beiden Töchter Lauren und Megan wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Die Klage wirft dem Grand Hotel Park in Gstaad sowie den Reiseunternehmen Protravel International und Bucher Reisen grobe Fahrlässigkeit in verschiedenen Punkten und sogar widerrechtliche Tötung vor. Eine erste Anhörung ist auf den 20. Oktober angesagt.

Pilot unter Alkoholverdacht

Das Hotel sowie die Reiseanbieter hätten die Familie wiederholt der Sicherheit eines Ballonfluges versichert und ihn als ein «Muss» und «Bilderbuch-Erlebnis» angepriesen, wird die Klageschrift zitiert. Niemand aber habe die Sicherheit des Ballons und die Kompetenz des Piloten überprüft, heisst es in der Anklageschrift.

Die Klage wirft dem Hotel vor, einen unfähigen Piloten beschäftigt zu haben. Dieser habe in der Nacht vor dem frühmorgendlichen Flug Alkohol getrunken. Das zeige der Restalkohol, der nach dem Absturz noch im Blut des Ballonfahrers gefunden worden sei.

Das Grand Hotel Park bezeichnet das Ballon-Unglück in einer Mitteilung als «Tragödie». Weiter kommentiert das Hotel den Unfall wie auch die nun eingereichte Klage nicht; dies mit dem Verweis auf juristische Verfahren sowie die laufenden Untersuchungen der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle.

Stromleitung nicht gesehen

Laut den Anwälten erschien der Pilot zu spät am Startort und flog dann zu tief. Als Megan Adamson mit einem Schrei vor der Hochspannungsleitung warnte, habe der Ballonfahrer in die entgegengesetzte Richtung geblickt. Einem herbei eilenden Zeugen habe der Pilot am Unfallort gesagt: «Ich habe die Leitungskabel nicht gesehen.»

Gegen den Ballonfahrer, der sich beim Absturz auch verletzte, laufe in der Schweiz ein Verfahren wegen Totschlags, hält die Klage fest.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Michel, 1723 Marly
    Wird wohl nicht so heiss gegessen, wie's gekocht wird. Banken haben sich ja auch aussergerichtlich geeinigt (kommt davon, wenn man sich mit Amis einlässt - Achtung, die Chinesen lernen schnell ..).
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Also als Gast mit Kohle in Gstaad.. da ist eine Ballonfahrt ein MUSS und sie ist ungefaehrlich! JA Ungefaehrlich.. man vergleiche die Unfallstatistik der Ballonfahrt mit jener des Privatverkehrs oder der Fluggesellschaften. Eine Ballonfahrt hat etwa aehnliche Risiken wie ein Airbus aufweist... Aber es hat ein Restrisiko.. und das hat hier zugeschlagen. Dass allerdings der Fahrer betrunken wie es schien seine Fahrt angetreten hat ist ein anderes Kapitel!
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    1. Antwort von K.D.Waldeck, Bellinzona
      Ungefährlich wenn der Balonfahrer Verantwortungsbewusst handelt, d.h. die Wettersituation ist bekannt und abschätzbar. Im Zweifelsfall wird nicht gestartet. Uebrigens der Vergleich mit anderen Flugkategorien ist schon sehr weit hergeholt, haben Balonfahrten doch nur einen Bruchteil eines Promilleanteils der Fluggäste anderer Flugkategorien.
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Dieser tragische Unfall ist in der Schweiz passiert, also wird auch vor einem Schweizer-Gericht Recht gesprochen & es gelten Schweizer Gesetze. Und bei uns gibt es generell keine Schadenersatz-Zahlungen in Millionenhöhe. Aber in Amerika gibt es eben viele Anwälte, die sind exakt darauf spezialisiert, weil damit viel Geld zu verdienen ist. Und die besten Chancen für solche Klagen haben sie, wenn Angehörige noch traumatisiert, also noch sehr beeinflussbar sind. Eigentlich sehr perfide!
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