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Schweiz Ban Ki Moon: «Es ist frustrierend»

Die Krisen in der Ukraine und Syrien beschäftigen die Vereinten Nationen im besonderen Masse. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon äussert sich im Exklusiv-Interview mit SRF besorgt über die jüngsten Entwicklungen in den Krisengebieten.

Legende: Video Exklusiv-Interview mit Ban Ki Moon abspielen. Laufzeit 10:49 Minuten.
Aus News-Clip vom 04.03.2014.

«Ich verfolge die Entwicklungen mit grosser Besorgnis», sagte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon im Exklusiv- Interview mit SRF-Korrespondentin Alexandra Gubser in Genf. Die Lage in der Ukraine ändere sich stündlich. Er habe mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert und Aussenminister Sergej Lawrow auf ein langes Mittagessen getroffen. «Ich habe dabei die russische Regierung unmissverständlich aufgefordert, auf konstruktive Weise mit den ukrainischen Behörden in Kontakt zu treten», erklärt Ban. Dieselbe Botschaft habe er auch an die ukrainischen Behörden gesandt.

Auf den Vorschlag des deutschen Aussenministers Frank-Walter Steinmeier, eine sogenannten Kontaktgruppe durch die OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) zu bilden, deren Präsidium gerade die Schweiz innehat, reagiert der UNO-Generalsekretär positiv. Diese Option könnte eine Diskussionsgrundlage für die betroffenen Parteien sein: «Die UNO ist hier bereit, jede Rolle zu übernehmen, die weiterhilft. Mein grösstes Anliegen ist es, diese explosive Situation zu entschärfen.»

Friedensprozess in Syrien

Ein weiterer Krisenherd bereitet Ban Ki Moon Kopfzerbrechen. Die Friedensgespräche im Syrien-Konflikt endeten in einer Sackgasse. Trotzdem hofft er, dass der Genfer Friedensprozess weitergeführt wird und in eine dritte Runde der Gespräche mündet. Er nimmt hier die Delegation der syrischen Regierung in die Pflicht. Sie müsse mit konstruktiveren Ideen und Positionen kommen.

Manchmal befindet sich die UNO in einer aussichtslosen Lage. Dies sei natürlich sehr schwierig, ja frustrierend. «Doch wenn der UNO-Generalsekretär frustriert ist, dann bedeutet das, dass die Weltgemeinschaft sich noch frustrierter fühlt», führt Ban aus. «Also motiviere ich mich durch meinen grossen Willen, meine optimistische Sicht- und positive Denkweise.» Ein schönes Beispiel ist für Ban das afrikanische Land Sierra Leone, das sich viele Jahre im Strudel eines Bürgerkriegs befand. Nach 15 langen Jahren des Engagements könne sich die UNO nun zurückziehen. Die Arbeit der Vereinten Nationen sei eine Erfolgsgeschichte, findet der Generalsekretär.

Sorge wegen Masseneinwanderungsinitiative

Zu den Auswirkungen der Schweizer Masseneinwanderungsinitiative auf den UNO-Standort Genf äussert sich Ban Ki Moon zurückhaltend. Er habe diese Abstimmung genau mitverfolgt. «Es bleibt noch abzuwarten, welche konkreten Auswirkungen die Annahme hat, insbesondere auf die Vereinten Nationen», sagt er. Er hoffe, dass es trotz dieser Initiative der Schweiz weiterhin möglich sei, die vielen internationalen, talentierten Mitarbeiter anzuziehen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von j. von hettlingen, schwyz
    Frau Gubser, Herr Ban Ki Moon war Ihnen dankbar, dass ihm kritische Fragen erspart blieben. Ihm fehlt das Charisma eines Kofi Annans und das Format eines Dag Hammarskjölds. Er ist beliebter als viele seiner Vorgänger. Grossmächte wie die USA, China und Russland schätzen es, dass er nicht besonders handlungskräftig ist. In Themen wie Klimawandel und Frauenanliegen hat er einiges erreicht. Er redet viel, hat aber Mühe, es in die Tat umzusetzen, vor allem hochbrisante Geschäfte richtig anzupacken.
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    1. Antwort von j. von hettlingen, schwyz
      Berichtigung: Ihm fehlen das Charisma eines Kofi Annans und das Format eines Dag Hammarsköjlds. Ban unternimmt nichts, den UN-Sicherheitsrat zu reformieren. Anders als sein Vorgänger Annan, der vor dem Verlust des Ansehens des Rates warnte, wenn die UNO das System des Vetorechtes nicht ändern würde. Annan hatte auch den Mut, Grossmächte zu kritisieren, was bei Ban nicht der Fall ist.
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  • Kommentar von Susanne Lüscher, Gossau
    Es ist zu hoffen, dass in Sachen Russland und der Ukraine eine friedliche Lösung gefunden werden kann. Leider ist zu befürchten, dass die selben Brandstifter, welche die Situation zum Eskalieren brachten, jegliche Bemühungen der UNO und der OSZE Zunichte machen werden
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  • Kommentar von M.Schmid, Bern
    Der Mann hat einen extrem schwierigen Job. Ich muss aber sagen, er macht ihn schon sehr gut. Hoffentlich kriegen "wir" aus der Schweiz (genauer: unsere Vertreter) und er und alle anderen gewillten Kräfte es hin, diplomatisch die Lage wieder zu beruhigen und vernünftig zu regeln.
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