Bankenplatz Genf durch Falciani erschüttert

Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück wollte noch die «Kavallerie» in die Schweiz schicken, um die Steuerbetrugs-Bastion zu schleifen. Doch am Ende war es Hervé Falciani, der den Ruf der Schweizer Banker soweit ramponierte, dass ihnen nur noch die Flucht nach vorn blieb.

Blick auf Genf mit See, Jet d'Eau und Stadt

Bildlegende: Konsolidierter Bankenplatz: 2005 waren in Genf noch 145 Banken aktiv, heute sind es noch 119. Reuters

In Genf wurde sie erfunden, die «fine art of Swiss banking». Sparsamkeit, Fleiss und Aufrichtigkeit hatte Reformator Jean Calvin im 16. Jahrhundert von den ersten Privatbankiers eingefordert. Und Diskretion. Jahrzehntlang waren Genfer Bankiers so diskret, dass sie keine Fragen stellten. Weder Potentaten aus Unrechtsstaaten noch reichen Kunden, die ihr Tafelsilber ausser Reichweite des Fiskus wissen wollten. Das Geschäft florierte.

Schneller Paradigmenwechsel

Genf ist in Sachen Private Banking weltweit die Nummer eins. Bis gestohlene und verkaufte Kundendaten dieses Businessmodell aus den Fugen hoben. Einen Hervé Falciani sieht Yves Mirabaud, Präsident der gleichnamigen Genfer Privatbank, dennoch nicht als Totengräber des fiskalischen Bankgeheimnisses: «Der wahre Grund ist die Bereitschaft von Staaten, im Zug der Finanzkrise 2008 mit allen Mitteln nach neuen Geldquellen zu suchen, um ihre eigenen Defizite zu decken.»

Überraschend war nur die Schnelligkeit des Paradigmenwechsels. Auch Xavier Oberson war davon überrascht. Der Professor für Steuerrecht an der Universität Genf war überzeugt, dass die Bankiers mit der Zustimmung zu einem Informationsaustausch auf Anfrage für zehn, fünfzehn Jahre ihre Ruhe hätten: «Doch es wurde ein regelrechter Tsunami entfesselt. Und nach nur wenigen Jahren haben wir nun den automatischen Informationsaustausch.»

Konsolidierung auf dem Genfer Bankenplatz

Der Weg zur von der OECD geforderten Transparenz, der neuen Weissgeldstrategie, hinterliess Spuren. 2005 waren in Genf noch 145 Banken aktiv, heute sind es noch 119. «Es waren insbesondere Auslandsbanken, die sich vom Schweizer Markt zurückgezogen haben oder die von anderen Banken, auch Schweizer Instituten, geschluckt wurden», erklärt Yves Mirabaud.

Heute würden die Bankiers ihre Kunden in Regularisierung ihrer Konten begleiten. Wer dies verweigere, sei nicht mehr Kunde ihrer Bank. Er betont, dass den Genfer Banken mehr Gelder zu- als abfliessen: Die verwalteten Kundenvermögen steigen.

«Trotz schwieriger Märkte, trotz des Nationalbank-Entscheids, die Euro-Untergrenze aufzuheben, was unsere Kunden schwer getroffen hat. Trotz alledem zeigt die Tendenz bei den Vermögen stetig nach oben.» Für Steuerrechtsprofessor Xavier Oberson ist klar: «Die Zeit der undeklarierten Vermögen ist vorbei, überall auf der Welt. Doch es gibt für die Vermögensverwalter durchaus ein Leben nach dem Bankgeheimnis.»

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Totes Bankgeheimnis: Die Folgen für den Bankenplatz Genf

    Aus 10vor10 vom 12.10.2015

    Wer ist nun der Totengräber des Bankgeheimnisses? Sind es Whistleblower wie Hervé Falciani oder doch die Politik, die wegen internationalem Druck einknickte? Was das Ende des Bankgeheimnisses für den Bankenplatz Genf bedeutet, zeigt der Bericht von «10vor10».