Basler Islamisten-Netzwerk aufgedeckt

Die Behörden haben einen jungen Islamisten als «ernst zu nehmende Gefahr für die öffentliche Sicherheit» eingestuft: Zur Zeit sitzt er in Ausschaffungshaft. Recherchen der «Rundschau» zeigen: Der Mann gehört zu einem Basler Islamisten-Netzwerk.

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Islamisten-Szene Basel: Die Hintermänner

11 min, aus Rundschau vom 21.9.2016

Weil er ein Pharmaziestudium begonnen hat, nennen ihn die Ermittler «den Apotheker»: Ende 2015 reiste er Hals über Kopf in den Irak. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) erliess darauf eine Einreisesperre mit der Begründung, es bestünden konkrete Hinweise, dass sich A. im Krisengebiet Syrien/Irak aufhalte und «mit grosser Wahrscheinlichkeit einer terroristischen Organisation angehören könnte».

Im Sommer kehrte der junge Mann schliesslich nach Basel zurück. Weil er sich mehr als sechs Monate nicht mehr in der Schweiz aufgehalten hatte, ist seine Aufenthaltsgenehmigung erloschen. Er muss die Schweiz verlassen. Damit er nicht untertaucht, sitzt er im Basler Bässlergut in Ausschaffungshaft.

Er selber bestreitet, als Dschihadist gekämpft zu haben. Recherchen der «Rundschau» zeigen, dass der «Apotheker» regelmässig Besuch von Spetim Dauti, einem führenden Kopf der Basler Islamisten-Szene, erhalten hat.

Die beiden sind über die umstrittene Koranverteilungsaktion «LIES!» verbunden. Dauti hat «LIES!» vor drei Jahren in die Schweiz gebracht. Laut Extremismus-Experte Samuel Althof sucht er Einfluss innerhalb der Szene: «Spetim Dauti ist der Mentor des ‹Apothekers›. Einer, der den ‹Apothekers› führen will.»

Gefährliche Heldenfigur

Recherchen der «Rundschau» zeigen ausserdem: Der «Apotheker» verkehrte auch in der Basler Faysal-Moschee. Spetim Dauti trägt dort die deutsche Übersetzung der Predigt des syrischen Imams S. vor, S. ist schweizweit bekannt als der Vater zweier Schüler aus Therwil, die in der Schule den Handschlag verweigern.

Samuel Althof sagt in der «Rundschau»: «Ich glaube, es ist eine Szene aus verschiedenen Personen, die religiöse Erfahrungen miteinander machen und vielleicht auch wirtschaftlich miteinander verwoben sind.» In dieser Szene könne der «Apotheker» eine Heldenfigur sein – oder ein Versager, ein Dschihad-Deserteur.

Der junge Mann wehrt sich gegen seine Ausschaffung. Nimmt ihn der Irak nicht zurück, könnte der «Apotheker» sogar frei kommen. Dies wäre gefährlich, meint Althof: «Niemand weiss, mit welcher Botschaft er hierher gekommen ist. Was er vorhat, weiss nur er selbst.»

Unklar bleibt, weshalb die Behörden den inhaftierten Islamisten möglichst schnell ausschaffen wollen, ohne vorher ein Strafverfahren gegen ihn geführt zu haben – oder ob sie ein verdecktes Verfahren gegen ihn führen. Die Bundesanwaltschaft schweigt.