«Basler Zeitung»: Ein aggressiver Stil, der polarisiert

Die «BaZ» spaltet die Gemüter in Basel auch heute noch – fünf Jahre nach der Übernahme durch Christoph Blocher und Chefredaktor Markus Somm. Während in den ersten Jahren insbesondere die Intransparenz bei den Besitzverhältnissen für Kritik sorgte, polarisiert heute vor allem der Stil der Zeitung.

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Rechte Zeitung im linken Basel

5:42 min, aus 10vor10 vom 13.8.2015

Ende August feiert Markus Somm sein fünfjähriges Jubliläum als Chefredaktor der «Basler Zeitung». In dieser Zeit ist die Auflage zwar um 40 Prozent zurückgegangen, gleichzeitig wurde die Zeitung aber – nach Angaben von Markus Somm – erfolgreich saniert. «Wir sind eine der rentabelsten Zeitungen der Schweiz», sagt Somm zu «10vor10». Ende 2015 winke ein Gewinn in zweistelliger Millionenhöhe.

«  Wir sind eine der rentabelsten Zeitungen der Schweiz »

Markus Somm
Chefredaktor und Verleger «Basler Zeitung»

Umstritten ist heute vor allem der Stil der Zeitung. Politiker werden nicht nur auf der sachlichen, sondern auch auf der persönlichen Ebene angegriffen. Der Chefredaktor des Medienmagazins «Edito», Philipp Cueni, kritisiert eine «Mischung aus falschen Fakten und Beleidigungen». Das schade dem Journalismus.

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«Pressefreiheit, die Politiker nicht angreift, dient niemandem»

4:22 min, aus Newsclips-Embedonly vom 29.7.2015

Vorwurf der Berlusconisierung

Der Basler SP-Regierungsrat Hans-Peter Wessels hält der «BaZ» zwar zugute, dass sie nicht nur nach links, sondern in alle politischen Richtungen ziele. Die «BaZ» zeige sich aber nicht nur kritisch, sondern geradezu feindselig gegenüber den demokratisch gewählten Institutionen, der Staat werde als «das böse Feindbild» dargestellt. Unter diesem Stil der Basler Zeitung leide mit der Zeit die konsensorientierte politische Kultur in Basel. Wessels spricht von einer «Berlusconisierung».

Markus Somm kontert: wenn das, was die «BaZ» schreibe, irrelevant wäre, würde sich auch keiner aufregen. Und dass Politiker die Kritik an ihnen als Kritik an der gesamten Institution darstellen würden, sei kein neues Phänomen: «Schauen Sie: das hat Louis XIV auch gefunden, als die ersten frechen Artikel erschienen. Da hiess es: Ihr wollt das Königtum abschaffen.»

«  Markus Somm ist ein Gewinn für die ‹BaZ› »

Christoph Buser
Direktor Wirtschaftskammer BL

Christoph Buser, Direktor der Wirtschaftskammer Baselland, findet, Markus Somm sei ein Gewinn für die «Basler Zeitung». Seit er am Ruder sei, lese er die Zeitung lieber, da sie interessanter geworden sei. Im Gegensatz zu Kritiker Wessels, der vermutet, die Zeitung verfolge eine «rechtspopulistische Agenda», empfindet Buser die «BaZ» nicht als rechtsbürgerliches Blatt. In der Zeitung hätten alle Meinungen Platz.

Die «Basler Zeitung» polarisiert, sie ist aber im Gespräch. Damit hat Markus Somm eines seiner deklarierten Ziele erreicht: nämlich, dass die Zeitung wieder mehr wahrgenommen wird.

Markus Somm

Der Historiker und Politwissenschaftler Markus Somm begann seine journalistische Laufbahn in den 90er Jahren beim «Aargauer Volksblatt». Später war er Bundeshauskorrespondent des «Tages Anzeiger» und stellvertretender Chefredaktor der «Weltwoche». Er publizierte Biographien über Weltkriegsgeneral Henri Guisan und Alt-Bundesrat Christoph Blocher. Im Sommer 2010 wurde Somm Chefredaktor der «Basler Zeitung», 2014 folgte er zudem als Verleger auf Filippo Leutenegger.

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