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Schweiz Bauern und Fischer streiten sich am Fluss

Mit dem Gewässerschutz-Gesetz können die Bauern auf mehr natürliche Gewässer zählen. Doch den Bauern geht die Renaturierung zu weit. Nun soll's ein Kompromiss richten.

Ein kleiner Fluss fliesst durch einen Betonkanal.
Legende: Die Töss fliesst in einem Betonkanal durch einen Stadtteil von Winterthur. Keystone/archiv

Das Gewässerschutz-Gesetz von 2011 sieht vor, dass 4000 Kilometer von 15'000 Kilometern fliessendes Gewässer in der Schweiz renaturiert wird. Dafür braucht es 2000 Hektaren Land.

Zu grosse Fläche, sagen die Bauern

Nochmals 20'000 Hektaren werden für Schutzzonen entlang der Bäche und Flüsse benötigt. Diese sogenannten Gewässerräume dürfen die Bauern nur noch schonend bewirtschaften – also mit weniger Dünger und Pestiziden. Für die Ertragsausfälle erhalten die Bauern 20 Millionen Franken.

Trotz des Millionenbetrags – den Bauern gehen die Renaturierungspläne zu weit. Die Gewässerräume seien zu gross dimensioniert, sagt Bauernverbandspräsident Markus Ritter. Die Bauern fühlen sich ob des Gesetzes betrogen. Deshalb haben sie mobil gemacht. Das passt den Fischern ganz und gar nicht.

Vertrauen in Politik angekratzt, sagen die Fischer

Denn bereits für das Gewässerschutzgesetz 2011 war die Berufsgruppe einen Kompromiss eingegangen. Sie hatten nach zähem Ringen ihre Volksinitiative «Lebendiges Wasser» über Bord geworfen.

«Natürlich ich habe mich innerhalb unseres Verbandes dafür eingesetzt, dass die Volksinitiative zurückgezogen wurde», sagt Roland Seiler, Präsident des Fischerei-Verbandes. «Ich komme mir nun wirklich dumm vor, wenn der Kompromiss nicht eingehalten wird.» Für die Fischer sei dies ein ernst zu nehmendes staatsrechtliches Problem. «Wir gingen davon aus, dass wir den Politikern trauen dürfen, dass der ausgehandelte Kompromiss eingehalten wird.»

Neuer Kompromiss erarbeitet

Zur Lösung des Streits rund um das neue Gewässerschutz-Gesetz haben die Behörden nun ein Merkblatt erstellt. Es ist noch nicht öffentlich. Doch Radio SRF liegt einem Entwurf vom April vor.

Demnach sollen rund 20'000 Hektaren rund um Schweizer Gewässer zum Schon-Land erklärt werden – so viel wie im Gesetz vorgeschrieben. Allerdings soll der Pestizid-Einsatz in diesem Gebiet gelockert werden.

Ob die Fischer solche Zugeständnisse machen werden, ist ungewiss. Ob der Kompromiss den Bauern weit genug geht, ebenso.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von FRANZ hÄFLIGER, SURSEE
    Im Jahr 2013 sind ende Juni laut Statistik der Umweltschutzpolizei des Kanton Luzern 28 Gewässerverschmutzuingen durch Gülle passiert. Der Fischereiverband des Kanton Luzern verlangte daraufhin höhere Bussen. Dies kam beim Bauernverband nicht gut an. Statt höhere Bussen werden zusätzlich 20 Mio den Bauern zugeschanzt. Mit der neuen Regelung wäre die Gülle noch näher am Gewässer, was wieder ein erhöhtes Risiko zur Verschhmutzung führt. Unsere Bedenken werden hier ausgelöscht.
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  • Kommentar von Gerhard Schweizer, Bern
    Zu einem sehr grossen Teil geht der Verlust an Lebensräumen und die Artenverarmung auf das Konto der (konventionellen) Landwirtschaft. Und die Bauern wehren sich, wenn man etwas dagegen unternehmen will. Nur bis zum Brett vor dem Kopf sehend u. entfremdet von der Natur, so sind unsere Bauern. Man sollte sie einfach zwingen! Und man sollte aufhören, sie für alles zu entschädigen. Ökoflächen usw. sollten Pflicht sein u. nicht noch extra bezahlt, an die Vorgaben hält man sich sowieso nicht korrekt.
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Bin ganz Ihrer Meinung. Die Begrenztheit leider noch immer allzu vieler Bauern ist erstaunlich und nicht nachvollziehbar. Sie kennen ihre Gratishelfer nicht, haben keine Ahnung um deren Notwendigkeit, wollen auch nichts dazu lernen,geschweige denn, ihnen genügend Lebensräume zur Verfügung stellen.Sie merken nicht, dass sie sich dabei in den eigenen Hintern beissen. Ohne beispielsweise Wildbienen, Sommervögel uva, können sie dereinst zusammenpacken, aber das scheint ihnen völlig schnuppe zu sein.
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