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Schweiz Bauern wollen weniger Vorschriften

Der Schweizerische Bauernverband bezeichnet die Situation seiner Branche als «besorgniserregend»: Sinkende Preise für Landwirtschaftsprodukte und wenig unternehmerische Freiheiten würden den Beruf zunehmend unattraktiv machen. Ein Rezept dagegen sei der Abbau von Vorschriften.

Legende: Video Initiative soll Bauern stärken abspielen. Laufzeit 01:52 Minuten.
Aus Tagesschau vom 05.01.2016.

Die Bauern in der Schweiz haben es schwer, Nachfolger zu finden. Jeder dritte Betriebsleiter über 50 Jahre wisse nicht, wie es mit seinem Hof nach seiner Pensionierung weitergehe, wie Jacques Bourgeois, Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) an dessen Jahrespressekonferenz erklärte. Denn: Ausserhalb der Landwirtschaft lasse sich heute deutlich mehr verdienen.

Hauptgrund für die unbefriedigende wirtschaftliche Situation seien die tiefen Produzentenpreise. Während die Konsumenten im Laden seit Jahren ähnlich viel für landwirtschaftliche Produkte bezahlten, bekämen die Bauern immer weniger dafür – insbesondere bei Milch, Schweinefleisch oder Zucker. «Der starke Franken und der Einkaufstourismus machen diese Situation nicht besser», sagte SBV-Präsident Markus Ritter.

Zu viele Vorschriften, falsche Anreize

Hinzu kämen hohe Anforderungen an die Bauern: Direktzahlungen bekomme nur, wer genau geregelte Vorgaben erfülle. Zwar sei die Schweizer Landwirtschaft dadurch ein Vorbild in Sachen Ökologie und Tierschutz. Die Kehrseite der Medaille sei aber, dass die Bauern dadurch noch teurer produzierten, als es aufgrund der Topografie und des hohen Kostenumfelds ohnehin schon der Fall wäre, so SBV-Direktor Bourgeois. Deshalb plädiert der Verband für mehr unternehmerische Freiheiten.

Aus Sicht des Bauernverbands stellt die Politik aber nicht nur zu hohe Anforderungen, sondern setzt auch falsche Anreize. «Es ist unterdessen lukrativer, eine Buntbrache zu besäen, statt Brotgetreide anzubauen und zu verkaufen», sagte Bourgeois. Die Bauern sähen ihre Aufgabe jedoch in der Produktion von Lebensmitteln. Den Landwirten und Landwirtinnen fehle eine langfristige Perspektive, konstatiert der Bauernverband. Die Kundgebung Ende November in Bern gegen die Sparpläne des Bundes sei «auch ein Zeichen der grossen Verunsicherung» gewesen, was die Zukunft der Landwirtschaft und ihre Aufgaben anbelange.

Legende:
Position Nationalrat Die Antworten der Nationalräte auf die Frage, ob das Bundesbudget der Landwirtschaft erhöht werden soll. Smartvote

Werbung für Initiative

Der Bauernverband nutzte an der Jahresmedienkonferenz die Gelegenheit, für seine Initiative für Ernährungssicherheit zu werben, die er vergangenes Jahr eingereicht hatte. Die Unterschriften dafür hatte er innert nur dreier Monate gesammelt.
Ziele der Initiative sind die Stärkung der einheimischen Lebensmittelproduktion und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Bauern.

Die Initiative sei nötig, weil die aktuelle Situation besorgniserregend sei, sagte SBV-Präsident Ritter. Mit der Initiative wolle der Bauernverband die Schwächen der aktuellen Gesetzgebung ausbügeln.

Zudem solle die weltweite und nationale Entwicklung antizipiert werden: immer mehr Menschen, die ausreichend Essen brauchen, bei gleichzeitig zunehmend knapp werdenden Ressourcen. Die ressourcenschonende Produktion von Lebensmitteln ist laut Ritter «die grosse Herausforderung der Zukunft».

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Lucas Kunz (L'art pur l'art)
    ... weniger Vorschriften? Das heisst, die Landwirtschaft soll die Umwelt mit Pestiziden und Nitrat verseuchen dürfen, in der Tierhaltung soll's so zugehen, wie im Ausland ... Weshalb soll ich dann noch CH-Fleisch für teures Geld kaufen, wenn es Fleisch aus dem Ausland hat, das unter selben Bedingungen erzeugt wurde?
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  • Kommentar von Severin Heck (Selber denken und prüfen)
    Ein Produkt hat so viel Wert wie es Wert hat. Man sollte das einfach endlich mal bezahlen. So lange dumme Politiker argumentieren die Preise für Konsumenten dürften nicht erhöht werden, dann läuft gar nichts. Wer aber, behauptet, dass der Konsument darauf besteht?? Von Lebensmitteln lebe ich! Ich finde das darf man auch verrechnen. Man darf auch die Haltungsbedingungen verbessern, dafür bezahle ich auch gerne. Ich finde es OK, wenn dafür auch Einschränkungen im Freihandel gemacht werden.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Es gibt in dieser Frage nur ein Ziel: Es dürfen nie wieder "Bauernbetriebe" geschlossen werden. Unsere Bauern sind ebenso wichtig, wie unsere Familien mit Kindern. Wenn man sich vorstellt, dass man Familien mit Kindern so behandeln würde wie man die Bauern behandelt, gäbe es auch jedes Jahr 100'000 weniger Familien. Warum sollte man sich die Mühe nehmen Kinder aufzuziehen, wenn man immer schlechtere Karten hat. Die Bauern brauchen Freiheit in der Schweiz +müssen vor dem Ausland geschütz werden.
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    1. Antwort von M. Roe (M. Roe)
      Und zwar ist es egal ob ein Bauer in der SVP, CVP oder in der SP ist. Wir fragen auch nicht nach der politischen Meinung von Familien. Ist doch ganz einfach und die einzige Realität.
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    2. Antwort von Mark Stalden (Mark)
      Die Zeit der Bauern ist abgelaufen in der Heutigen Zeit Roe. Sie sind in keiner Art Konkurenzfähig gegenüber dem Ausland,dies Schlicht schon nur wegen der Preise und der Grösse. Traurig aber Wahr.Man muss sich schon Fragen ob man um Jeden Preis Milliarden denn Bauern zur Verfügung stellt. Soviele Bauernbetriebe wie Früher wird es wohl nie mehr Geben, eine Sterbende Gattung um jeden Preis zuerhalten kann nicht das Ziel sein. Das ist nun mal die Realität Heute.
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