Bauernverband zahlt keine Entschädigung für Verdingkinder

Der Schweizer Bauernverband hat beschlossen, keine Gelder für ehemalige Verdingkinder bereitzustellen. Der Verband sieht Bund und Kantone in der Pflicht die Entschädigung zu übernehmen, da diese für die Anordnung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen verantwortlich waren.

Das ehemalgie Kinderheim Muemliswil.

Bildlegende: Im Sommer 2013 wurde das ehemalige Kinderheim Mümliswil zur ersten Schweizer Gedenkstätte für Heim- und Verdingkinder. Keystone

Viele ehemalige Verdingkinder befinden sich heute in einer finanziellen Notlage. Um ihnen zu helfen wurde im vergangenen Oktober ein Soforthilfefonds für die Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen eingerichtet. Der Schweizer Bauernverband (SBV) hat nun mitgeteilt, dass er keine Gelder für den Fonds bereitstellen wird.

SBV-Direktor Jacques Bourgeois bestätigte eine entsprechende Meldung der «Zentralschweiz am Sonntag». Der Bauernverband halte es zwar für richtig, das Leiden der betroffenen Personen anzuerkennen, sagte Bourgeois. «Aber unsere Organisation hat diese Politik von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen nicht beschlossen und hat auch selbst keine Kinder verdingt.»

Kantone und Bund in der Pflicht

Bourgeois betonte, man müsse den Missbrauch in diesem Bereich zwar anerkennen, aber man könne dabei nicht «die ganze Welt beschuldigen». Der Bauernverband sieht daher den Bund, die Kantone und die Organisationen, die Kinder verdingt hatten, in der Pflicht.

Der geplante Fonds soll über sieben bis acht Millionen Franken verfügen. Die ersten Zahlungen sollen diesen Herbst erfolgen.

Bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts wurden in der Schweiz zahlreiche Kinder aus armen Familien an Bauernbetriebe verdingt, wo sie unter teil schlimmsten Bedingungen leben und arbeiten mussten. Administrativ versorgt wurden Menschen noch bis zu Beginn der 1980-er Jahre.