Behandlungskosten auf dem Sprechstundentisch

Die Krankheit ist erfasst, die Diagnose gemacht, nun wird behandelt. Aber welche Therapie darf es sein? Die teuerste? Oder vielleicht doch eine günstigere, die auch zum Ziel führt? Eine heikle Frage, mit der sich nun die Akademie für Medizinische Wissenschaften befasst. Sie empfiehlt den Tabubruch.

Ein Arzt von hinten am Computer an einem Pult, eine Frau sitzt ihm gegenüber.

Bildlegende: Der Patient soll informiert werden, welche Therapien zu welchem Preis in Frage kommen. Keystone

Die teuerste Behandlung mit den kostspieligsten Medikamenten müsse nicht zwingend die erste Wahl sein. Manchmal tue es auch eine günstigere Variante, sagt Christian Kind, pensionierter Chefarzt und Präsident der Ethikkommission bei der Schweizerischen Akademie für Medizinische Wissenschaften. Seiner Ansicht nach «soll im Gespräch zwischen Arzt und Patient bei der Wahl der geeignetsten Behandlung der ökonomische Aspekt kein Tabu mehr sein».

Den schwierigen Entscheid zwischen der teureren und der günstigeren Variante müssten Arzt und Patient gemeinsam fällen, findet er. Es gehe also nicht darum, Patienten zu billigen Behandlungen zu drängen. «Das ist nicht ein einseitiges Überzeugen, sondern miteinander die verschiedenen Aspekte anschauen und dabei den Preis mit einbeziehen», sagt der Kommissionspräsident.

Patientenschützerin fordert Aufklärung

Genau eine solche offene Art der Information fordere sie schon lange, sagt die Präsidentin der Stiftung SPO Patientenschutz, Margrit Kessler: Zum Beispiel todkranke Krebspatienten würden am Lebensende oft von sich aus eher eine einfachere Behandlung wählen. Nur: «Dort haben wir das Problem, dass ihnen immer wieder etwas anderes angeboten wird, was sie gar nicht wollen.»

Um überhaupt so entscheiden zu können, müssten Patienten allerdings aufgeklärt werden. Und das bedeutet gemäss Kessler wiederum, dass sich Ärzte Zeit für Gespräche nehmen müssten – schwierige Gespräche über das Ende des Lebens, und darüber, «dass wir alle endlich sind, das ist sehr unangenehm». Entsprechend viel Engagement verlangten solche Gespräche von den Ärzten. Denn die teuerste Behandlung zu wählen, sei immer einfacher.

Das Positionspapier der Akademie für Medizinische Wissenschaften ist ein Wunschzettel. Konkret verändern kann es nichts, und Papier ist geduldig. Aber mit ihm empfiehlt sie Ärzten nun zum ersten Mal schwarz auf weiss, mit ihren Patienten über Preise zu sprechen – und stösst damit immerhin eine Debatte an.