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Seilziehen um Tarmed Berset gibt den neuen Ärztetarif durch

Der Bundesrat will 700 Mio. Franken pro Jahr einsparen. Preise für Spezialärzte und gewisse Behandlungen sollen sinken.

Legende: Video Alain Berset zieht die Tarifschraube an abspielen. Laufzeit 1:33 Minuten.
Aus Tagesschau vom 22.03.2017.

Darum geht es: Gesundheitsminister Alain Berset hat den neuen Ärztetarif Tarmed vorgestellt. Er reagiert damit erwartungsgemäss auf den Umstand, dass sich Ärzte, Spitäler und Krankenkassen nicht auf eine Revision einigen konnten. Die Akteure können bis zum 21. Juni Stellung nehmen.

Mit dem Eingriff in den Tarmed werden Fehlanreize und zu teure Leistungen korrigiert, um das Kostenwachstum zu senken.
Autor: Alain BersetGesundheitsminister

Die wichtigsten Änderungsvorschläge:

  • Leistungen werden nicht mehr nach Dauer der ärztlichen Weiterbildung bewertet, was den Spezialisten höhere Vergütungen ermöglichte als etwa Kinder- und Hausärzten. Neue Basis ist eine einheitliche Weiterbildungsdauer gemäss Medizinalberufsgesetz.
  • Diverse Leistungen werden neu bewertet, da sie aufgrund des medizinisch-technischen Fortschritts weniger Zeit in Anspruch nehmen. So wird etwa der Zeitaufwand für Kataraktoperationen wie beim Grauen Star deutlich gesenkt.
  • Bei CT- und MRI-Untersuchungen darf der als Facharzt tätige Radiologe künftig keine Zeit mehr berechnen, da er nicht anwesend ist.
  • Präzisiert und limitiert werden Tarifpositionen, welche Ärztinnen und Ärzte in Abwesenheit des Patienten abrechnen. Das soll die Transparenz für Patienten und Kassen erhöhen.
  • Die so genannte «Notfall-Inkonvenienzpauschale» wird für alle jene Einrichtungen der ambulanten Krankenpflege gestrichen, die ihr Angebot explizit auf Notfälle ausgerichtet haben. Denn für sie ist – wie bei einem Spital – ein Notfall keine Inkonvenienz.
  • Die bis Ende 2017 festgesetzte Tarifstruktur für die Physiotherapie wird mangels Einigung weitergeführt. Neu werden die Sitzungspauschalen mit konkreten Zeitangaben ergänzt, damit Patienten ihre Rechnung überprüfen können. Tarifkürzungen gibt es aber nicht.
  • Der Bundesrat rechnet durch die Massnahmen mit Einsparungen von rund 700 Millionen Franken pro Jahr zugunsten der Prämienzahlenden ab 2018. Der Anteil an übertarifierten Vergütungen wird vom Bund auf 460 Millionen Franken beziffert. Der Rest soll durch vermiedene Fehlanreize zusammenkommen.
Legende: Video Reaktionen auf den neuen TARMED abspielen. Laufzeit 1:36 Minuten.
Aus Tagesschau vom 22.03.2017.

«Übergangslösung»

Gesundheitsminister Berset betonte, dass eigentlich die Tarifpartner für Lösungen sorgen müssten. Die jetzige «Übergangslösung» des Bundesrats sei Folge der mangelnden Verständigung während Jahren. Die Akteure seien weiter in der Verantwortung, die Tarifstruktur gemeinsam zu revidieren.

Die jetzigen Massnahmen sollen laut Berset die Transparenz erhöhen, Fehlanreize reduzieren und den Tarmed sachgerechter machen. Für die Patienten ändere sich dadurch nichts.

Für die Patientinnen und Patienten ändert sich an den Leistungen nichts.
Autor: Alain BersetGesundheitsminister

Massnahmen bei Medikamenten greifen

Legende: Video Hanspeter Trütsch zum Eingreifen des Bundesrats abspielen. Laufzeit 0:47 Minuten.
Aus Tagesschau vom 22.03.2017.

Die regelmässige Überprüfung der kassenpflichten Medikamente und die gezielte Preissenkung bei Generika sollen bis 2019 Einsparungen von weiteren 240 Millionen Franken zeitigen. Berset erinnerte, dass mit diesen Massnahmen seit 2013 bereits 600 Millionen gespart wurden.

Der von den Ärzten zur Abrechnung angewandte Tarmed umfasst über 4600 Positionen. Enthalten sind fast alle ärztlichen und arztnahen Leistungen in den Arztpraxen und im ambulanten Spitalbereich. Bereits 2014 hatte Berset erstmals in den Tarif eingegriffen. Damals stellte er Hausärzte und Grundversorger in der Tarifstruktur finanziell besser.

26 Kommentare

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  • Kommentar von Patric Huber (Patric Huber)
    Wie wäre es, wenn Arztleistungen nach Erfolg berechnet würden? Oder zahlt beim Garagisten jemand eine Reparatur wenn das Auto nicht anspringt? Ärzte wûrden wieder "zuhören" und statt "versuchen" ... überlegen. Und als Gegenzug Bonus-Malussystem für Patienten? Wer weniger zum Arzt geht zahlt weniger monatliche Prämien. Dann noch ausgleich der CH Prämienungerechtigkeit! Auch ein Zuger geht zu den Spezialärzten in Basel, Zürich oder Bern.
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Ärzte die kassieren, obwohl sie gar nicht aktiv behandelt haben, zu teure Medikamente, zu viele Kassen die mitverdienen und ein administrativer Dschungel der ein vernünftiges Arbeiten unmöglich macht. Das sind Probleme die die Preise in die Höhe treiben. Aber kaum eingedämmt werden. Lieber streicht man uns Patienten die Leistungen und erhöht weiter die Prämien. Schon die Aussage, man solle weniger zum Arzt gehen, ist absurd. Folgekosten von verschleppten Krankheiten sind dann doppelt so hoch!
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  • Kommentar von T Hollen (thollen)
    Zu behaupten, dass der Eingriff für die Patienten nichts ändern wird ist recht mutig. Allen die immer wieder über die "geldgierige" Aerzteschaft herziehen muss klar sein, dass es bald schwierig sein dürfte zu einer vertrauenswürdigen und kompetenten Aerztin/Arzt den Weg finden zu können, wenn der Bundesrat hier (wie andernorts) weiter als "Roi-Soleil" im Land amtet. Nicht wegen dem Geld sondern wegen dem Rufmord der inszeniert wird. Foederalismus und KVG Abschaffung waere die Loesung.
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