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Schweiz Berset will Milliardenloch in der AHV verhindern

Tieferer Umwandlungssatz für Renten, höheres Rentenalter für Frauen und höhere Mehrwertsteuer. Diese und weitere Massnahmen will Bundesrat Alain Berset in der Reform der Altersvorsorge 2020 umsetzen. Er will einen AHV-Fonds statt ein «AHV-Loch».

Sozialminister Alain Berset will den Umwandlungssatz für Renten von 6,8 auf sechs Prozent senken, das Rentenalter für Frauen von 64 auf 65 anheben und die Mehrwertsteuer um maximal zwei Prozentpunkte erhöhen. Diese Details zu den bereits bekannten Eckwerten der Rentenreform hat der Bundesrat am Freitag verabschiedet.

Diese Reformen sind nach Ansicht Bersets unumgänglich. «Das Rentenniveau muss erhalten bleiben, in der 1. sowie in der 2. Säule», sagt er gegenüber der «Tagesschau».

Die Leitlinien zur Reform Altersvorsorge 2020 hatte der Bundesrat bereits im November letzten Jahres verabschiedet. Nun legte er die Details dazu vor.

Senkung des Umwandlungssatzes

Brisantester Punkt ist die Senkung des Umwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge von 6,8 auf sechs Prozent innerhalb von vier Jahren. Damit die Mindestrenten nicht sinken, sollen sich Arbeitnehmer künftig frühestens mit 62 und nicht mehr mit 58 Jahren pensionieren lassen können.

Eine weitere Massnahme ist die sogenannte Flexibilisierung: Personen mit tiefen und mittleren Einkommen (Jahreseinkommen bis zu 50'000 oder 60'000 Franken), werden ihre Rente ohne oder mit einer reduzierten Kürzung vorbeziehen können. Vorausgesetzt, sie haben bereits mit 18, 19 und 20 Jahren AHV-Beiträge bezahlt. Diese Regelung kommt vor allem Frauen zu Gute.

Zur Diskussion steht auch, dass Junge früher als mit 25 Jahren mit dem Sparen beginnen. Frauen sollen künftig erst mit 65 und nicht wie bisher mit 64 Jahren in den Ruhestand treten. Dieser Plan Bersets war bereits bekannt.

Höhere Mehrwertsteuer

Damit die Höhe der AHV-Renten nicht angetastet werden muss, schlägt der Bundesrat eine zusätzliche Finanzierung über die Mehrwertsteuer vor: Sie soll schrittweise um maximal zwei Prozentpunkte erhöht werden.

Ansetzen will der Bundesrat überdies bei den Hinterlassenenrenten. Er will die Waisenrenten erhöhen und im Gegenzug die Renten von Witwen mit Kindern kürzen. Die Zahlungen an kinderlose Witwen sollen ganz gestrichen werden.

Ohne Reform: «AHV-Loch» statt AHV-Fonds

Würde man keine AHV-Reform durchbringen, dann gäbe es statt dem AHV-Fonds ein riesiges «AHV-Loch». «Wenn nichts passiert, haben wir im Jahr 2030 eine Finanzierungslücke von neun Milliarden Franken – pro Jahr!», betont Sozialminister Berset.

Debatte kann beginnen

Auf die Frage, wie er die Linke – die bereits Widerstand angekündigt hat – von diesen Plänen überzeugen wolle, empfahl Berset, diese Frage an die SP und die Gewerkschaften zu richten.

Er gab ferner zu bedenken, dass die Einzelheiten erst jetzt vorlägen. Es sei schwierig, etwas zu beurteilen, bevor man es kenne. Er habe in den vergangenen Tagen sehr viele Dinge gelesen, die «ein wenig falsch bis ganz falsch bis krass falsch» gewesen seien. «Jetzt ist das Paket auf dem Tisch, jetzt können wir mit der
Debatte beginnen.»

Der Bundesrat müsse alles tun, um eine Mehrheit für die Reform zu gewinnen. Dass die Lösung ausgewogen sei, zeige ein Blick auf die Maximalforderungen von links und rechts.

Bis Ende Jahr wird der Bundesrat einen Entwurf der Reform in die Vernehmlassung schicken.

Beispiel für Umwandlungssatz

Wenn ein Arbeitnehmer 400'000 Franken in seine Pensionskasse einbezahlt hat, so erhält er nach der Pensionierung mit dem aktuellen Umwandlungssatz von 6,8 Prozent eine jährliche Rente von 27'200 Franken. Wird der Umwandlungssatz auf 6,0 Prozent gesenkt, so schrumpfen die Renten in dem Fall pro Jahr um 3200 Franken.

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44 Kommentare

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  • Kommentar von Bernhard Hauser, Lenzburg
    Ganz einfach, Herr Berset: Die Fr.12Mia für Afrika auf Fr.6Mia kürzen. (Ist immer noch sehr, sehr viel Steuergeld ) Sie könnten ja das Geld mal für die Schweizer Bürger einsetzen. Oder ist für die SP Afrika wichtiger als die Schweiz?
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  • Kommentar von E.Waeden, H
    Es gibt z.Z. viele offene Lehrstellen in der Schweiz, weil viele Schulabgänger ins Gymn. wechseln od.studieren wollen. Das Defizit in der AHV-Kasse entsteht also nicht nur dadurch, dass die Menschen älter werden, sondern viele dieser Jungen 10 & mehr Jahre später in die AHV einzahlen. Lehrlinge aber zahlen ab 20 Beiträge. Heutiger Trend: Studium, Karriere = "späte" Eltern, weniger Kinder, Eltern, die im Rentenalter sind, wenn ihre Kinder 20 werden, die dann auch wieder studieren wollen!
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    1. Antwort von E.Waeden, H
      Teil 2:" Das Problem der AHV liege nicht bei den Renditen. sondern bei der demografischen Entwicklung. Das Gleichgewicht zwischen Bezügern & Beitragzahlenden stimme nicht mehr", sagte Daum anlässlich der hohen Renditen der AHV am 8.2. Richtig Herr Daum, aber betr. genannter Gründe! Der Mittelstand & Geringverdienende, all jene, die einen Lehrabschluss gemacht haben, zahlen in der Regel 40 & mehr Jahre AHV-Beiträge. Berset's Revision würde aber vor allem eben diejenigen schmerzlich treffen.
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    2. Antwort von h. anni, zürich
      http://www.bsv.admin.ch: Welche Beiträge bezahlen nichterwerbstätige Studierende? Studierende, die aus öffentlichen Mitteln oder von Drittpersonen unterstützt werden, bezahlen den Mindestbeitrag von gegenwärtig 480 Franken bis sie 25 sind. Danach gelten für sie die ordentlichen Regeln für Nichterwerbstätige.
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  • Kommentar von O. Toneatti, Bern
    Warum regen sich denn so viele Leute in diesem Forum über BR Berset auf. Er macht ja nur Vorschläge, wie die AHV ab dem Jahr 2020 funktionieren soll. Sollten tatsächlich ab diesem Jahr jährlich 9 Miiliarden Fr für die AVH fehlen. muss doch heute darüber diskutiert werden, wie dieses jährliche Defizit vermieden werden kann. Nur reklamieren und jammern nützt da gar nichts. Irgendwer muss diese fehlende Summe bezahlen. Machen Sie doch bitte Vorschläge, WIE dieses Problem gelöst werden könnte.
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    1. Antwort von Bruno Aschwanden, Basel
      Ich hätte da schon ein paar Vorschläge...wie wäre es, wenn wir die Entwicklungshilfe auf die Hälfte streichen und dieses Geld in die AHV fliessen lassen? Oder die Mehrwertsteuer die wir heute bereits haben und uns verpsrochen wurde,dass die Erhöhung nur für eine beschränkte Zeit von 5 Jahren sei,in die AHV fliessen lassen, im Asylwesen sparen usw. Diese Vorschläge von Berset gehen überhaupt nicht. Es wird mal wieder auf den "Normalbürger" losgegangen, für den das alles nicht mehr bezahlbar ist!
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    2. Antwort von K.D.Waldeck, Bellinzona
      Herr Tonenatti, Sie haben absolut Recht. Es ist eine sehr schlechte und unverantwortliche Angewohnheit sofort jeden Lösungsvorschlag für eine kritische Situation zu verdammen ohne den Willen selbst Lösungsvorschläge einzubringen. BR Berset nimmt zumindestens seinen Auftrag als gewählter Politiker wahr und verdient damit sachdienliche und nich zerstörerische Kritik.
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