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Schweiz Berset will Wachstum bei Gesundheitskosten bremsen

Das Gesundheitswesen wird jedes Jahr teurer, damit steigen auch die Prämien. Gründe sind die alternde Bevölkerung, der medizinische Fortschritt und immer mehr ärztliche Leistungen. Diesen neuen Leistungen will Gesundheitsminister Alain Berset einen Riegel schieben.

Legende: Video «Müssen ein gewisses Kostenwachstum akzeptieren» abspielen. Laufzeit 1:36 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 02.09.2016.

Einen Hebel liegt dem Bundesrat mit der Revision des Ärztetarifs Tarmed vor. Falls sich die Tarifpartner nicht bis im Herbst einigen, kann er Änderungen anordnen. Berset will vor allem bei jenen Behandlungen ansetzen, die Spezialärzte ohne ersichtlichen Grund immer öfter durchführen.

Dabei soll es nicht bleiben. Der Gesundheitsminister sagt, er wolle ausländische Modelle zur Steuerung der Vielzahl neuer Leistungen prüfen. Als Vorbilder dienen in erster Linie Deutschland und die Niederlande.

Arztwahl auf dem Prüfstand

Die Niederlande beispielsweise haben ein stark zentralisiertes Gesundheitssystem, das aber den Wettbewerb begünstigt. Es gilt Vertragsfreiheit. Das heisst, dass die Krankenkassen nicht die Leistungen aller Ärzte vergüten müssen.

Für Berset ist das kein Tabu. «Die freie Arztwahl ist ein Punkt, der diskutiert werden muss», sagte er. Auch das Parlament macht Druck in diese Richtung. In der Bevölkerung aber dürften Einschränkungen bei der Arztwahl noch nicht mehrheitsfähig sein.

Die Abstimmung über Managed Care habe gezeigt, dass die meisten Prämienzahler ihren Arzt frei wählen wollten, sagte Pascal Strupler, Direktor des Bundesamts für Gesundheit.

Berset hat eine Expertengruppe eingesetzt, die vor allem aus Fachleuten aus den beiden europäischen Ländern besteht. Innerhalb eines Jahres will er konkrete Vorschläge präsentieren. Der Gesundheitsminister hat aber auch Erwartungen an die anderen Akteure im Gesundheitswesen.

Ein Diagramm mit zwei Linien, das die Kostenentwicklung in den Kantonen mit und ohne Globalbudget zwischen 2001 und 2014 aufzeigt.
Legende: In Kantonen ohne Globalbudget sind die Gesundheitskosten stärker gestiegen. BAG

Einfluss der Kantone

Die Kantone haben über die Ärzte-Zulassung und die Spitalplanung Einfluss auf die Kosten. Zudem können sie Globalbudgets festlegen. Die Krankenkassen sind Partei in den Tarifverhandlungen und verantwortlich für die Kostenkontrolle. Es sei erstaunlich, welche Kosten damit eingespart werden könnten, sagte Berset.

Ärzte und Spitäler schliesslich ruft er dazu auf, ihren Teil zur Verabschiedung eines neuen Ärztetarifs beizutragen und nur angemessene Behandlungen durchzuführen. «Das ist ein Appell an alle Beteiligte, ihren Beitrag zu leisten», sagte Berset.

Druck auf Medikamentenpreise

Der Gesundheitsminister erinnerte auch an die bisherigen Bemühungen des Bundes, die Gesundheitskosten zu dämpfen. Nach seinen Angaben konnten bei den Medikamenten in den letzten Jahren 600 Millionen Franken gespart werden. Damit gibt sich Berset aber nicht zufrieden.

Die Gesundheitskosten und Prämien werden steigen. Etwas anderes zu sagen, wäre unehrlich.
Autor: Alain BersetBundesrat

Die Medikamentenpreise sollen weiter gesenkt, die Vergütungen für medizinische Mittel angepasst und die Behandlungen auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Bei den Generika will der Gesundheitsminister ein Referenzpreissystem einführen und die Vertriebsmarge nicht kassenpflichtiger Medikamente senken.

Im Interview mit Radio SRF warnte Bundesrat Berset aber vor zu hohen Erwartungen. Die Kosten würden weiter steigen, man könne nur das Wachstum verlangsamen.

Wo die Kosten stiegen

Im spital-ambulanten Bereich sind die Kosten um 34 Prozent gewachsen, doch auch die Zahl der Behandlungen ist stark angestiegen. Die Kosten pro Konsultation haben sich unter dem Strich kaum verändert. In den Spitälern sind die Kosten ebenfalls gestiegen, jedoch auch die Zahl der betagten Patientinnen und Patienten.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Ray McMashi (Ray Mc)
    Also wäre doch die Einheitskasse der beste Weg gewesen - oder? Gleiche Leistung bei Allen, da braucht es wirkliche keinen Wettbewerb und unzählige unnötige Kosten für Verwaltung und Werbung. Wir Stimmbürger wurden wieder mal von der Lobby desinformiert
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Trotzdem ist der Weg über den Hausarzt , nicht immer der Kostengünstigere. Wähle ich den Weg über den Hausarzt, so muss ich diese Konsultation zahlen. Nach der Überw. zum Facharzt, muss dieser einen umfangreichen Bericht an den Hausarzt senden, und ihm den weiteren Behandlungsweg vorschlagen. Geht auch wieder auf Kosten der Kasse. Mit einer Erhöhung der Prämie für freie Arztwahl, wäre das in vielen Fällen kostengünstiger. Ich bin nicht sicher ob dieser Zusatz nicht schon jetzt in der GV ist.
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  • Kommentar von Urs Egloff (Urs Egloff)
    @Maassen: Stimmt! In ländlichen Schweizer Regionen beträgt die Wartezeit für den Ersttermin bei Psychiatern jetzt schon oft 2-6 Monate! Das ist zermürbend für Patienten, welche z.T. aufgeben: Die zahlreichen psychosomatischen + psychischen Erkrankungen werden so verschleppt!! Chronische Erkrankungen bedeuten aber sehr hohe Kosten (siehe IV)! Der direkte Zugang zum Psychologen (nicht nur zum Psychiater) in der Grundversicherung + eine effektive Kostenkontrolle sind nötig, um Kosten einzusparen.
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