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Beruf Fachkraft Gesundheit Nach der Lehre die grosse Ernüchterung

Legende: Audio Was ist los bei den «FaGe»? abspielen.
3:50 min, aus Rendez-vous vom 22.09.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Fachfrauen und Fachmänner Gesundheit (FaGe) helfen Patienten bei der Körperpflege, messen Blutdruck und wechseln Verbände.
  • Sie sind den diplomierten Pflegefachkräften – früher Krankenschwestern – unterstellt und machen eine dreijährige Lehre.
  • Den Beruf gibt es erst seit zehn Jahren, doch die FaGe-Lehre steht auf der Beliebtheitsskala an dritter Stelle.
  • Eine Studie zeigt nun, dass nur knapp ein Viertel der FaGe im Beruf bleiben.
  • Gründe sind der tiefe Lohn, die hohe Arbeitsbelastung, der Schichtbetrieb, aber auch das noch unscharfe Profil des jungen Berufs.

Der Beruf Fachfrau oder Fachmann Gesundheit (FaGe) wurde vor zehn Jahren eingeführt, weil der Personalbedarf im Gesundheitsbereich sehr hoch war und weiter steigt. 4000 junge Frauen und Männer haben die Ausbildung seither abgeschlossen.

Drei von vier FaGe steigen aus

Allerdings bleibt nur jede/r vierte FaGe auch im Beruf. Urs Sieber von OdASanté, dem Dachverband Arbeitswelt Gesundheit, zeigt sich deswegen aber nicht alarmiert. «Insgesamt sind wir zufrieden, sehen zugleich auch, dass wir weiter ausbilden müssen.» So könnten sich die Fachkräfte Gesundheit besser von den Pflegefachkräften abgrenzen, denen sie unterstellt sind.

Wer dem erlernten Beruf den Rücken kehrt, nennt als Grund zwar die unregelmässigen Arbeitszeiten und der eher tiefe Lohn von durchschnittlich 4800 Franken. Zugleich wird auch das noch etwas unscharfe Profil des Berufs angeführt.

Die FaGe-Laufbahn-Studie

Die Laufbahn-Studie FaGe ist vom Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) im Auftrag der Nationalen Dachorganisation der Arbeitswelt Gesundheit (OdASanté) durchgeführt worden. An der Studie beteiligten sich in einer ersten Befragung nahezu sämtliche 2289 Lernende des Abschussjahrgangs 2011. An den folgenden beiden Erhebungen nahm jeweils etwa noch die Hälfte teil.
Sie ermöglicht erstmals, schweizweit die Berufs- und Bildungsverläufe von FaGe bis fünf Jahre nach ihrem Lehrabschluss im Jahr 2011 darzustellen.

Bessere Abgrenzung gegenüber den Fachkräften

Im Langzeitpflegebereich, etwa in Pflegeheimen, übernähmen die Fachkräfte Gesundheit schnell viel Verantwortung - anders als in Spitälern, wo die Fälle oft komplexer seien, sagt Ines Trede vom Observatorium Berufsbildung OBS. Gemäss Befragungen von ehemaligen FaGe-Lernenden wäre es ihnen wichtig, dass sie nicht je nach Arbeitsort völlig andere Bedingungen antreffen.

Hier müsse man eine bessere Balance finden, sagt auch Cornelia Oertle vom Hochschulinstitut für Berufsbildung. «Man müsste schauen, was im Akutbereich möglich ist, damit er attraktiv bleibt, und was im Langzeitbereich drin liegt, ohne die Leute zu überfordern.»

Arbeitsbedingungen verbessern

Die hohe Arbeitslast ist ein weiterer Grund, weshalb FaGe den Beruf verlassen.
Hier seien die Spitäler oder Heime gefordert, die Kompetenzen zwischen den diplomierten Pflegenden und den FaGe besser aufzuteilen, sagt Oertli.

Wäre das Problem mit einer Schärfung des Berufsprofils gelöst? Oertli verneint. «Das andere sind die Arbeitsbedingungen. Aber die kann man nicht von einem Tag auf den andern ändern. Man müsste an der Flexibilität bei den Schichtbetrieben und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie arbeiten.»

Zwei von fünf sollten bleiben

Die FaGe-Ausbildung ist laut Oertli auch als Sprungbrett für andere Tätigkeiten gedacht – etwa für eine Weiterbildung zur diplomierten Pflegeperson oder zum Sanitäter. Daher sei es in Ordnung, dass nicht alle beim erlernten Beruf blieben.

Aber die Experten in der Berufsbildung und der Gesundheitsbranche sind sich einig: Das Ziel müsste sein, bei den FaGe eine Verbleibsquote von 40 Prozent zu erreichen.

15 Kommentare

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  • Kommentar von Fabienne Rieben (F. Rieben)
    Ich habe vor gut einem Jahr meine Ausbildung als FaGe abgeschlossen und durfte im letzten Jahr viel lernen. Als FaGe in einem Altersheim habe ich mehr Kompetenzen jdm. im Spital (wie z.B. Arztvisiten begleiten, die Tagesverantwortung zu übernehmen nicht zu vergleichen mit einer Position als PDL möchte ich auch nicht)!!! Kann dadurch die Dipl. entlasten die sich mit unserem administrativen Paprrkrieg herumschlagen können. Bin stolz auch eine Angehörige des Rotkreuzdienstes RKD des SRK's zu sein.
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  • Kommentar von Beat. Mosimann (AG)
    Es ist nötig, diese Arbeit zu dokumentieren u. die Tätigkeiten auch zu reflektieren, fast unheimlich diesen Zeitaufwand, im Moment. Ich erlebe den Pflegeberuf im Umbruch, in Richtung der Verbesserungswürdigkeit, Effizienz u Professionalität, wir wachsen kontrolliert täglich im Ausdruck / Schreibweise u. können uns dadurch neu einbringen, damit der Patient das bekommt was er wirklich braucht. Der Pflegeberuf ist verbesserungswürdig, der Wille ist da sehr gute Arbeit zu leisten.
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Nru mal so am Rande bemerkt: ist es heute mit all den Diplomen und "Fachleuten" wirklich besser als früher, wo man noch motivierte Leute, aber ohne so einen Fackel einstellen durfte? Natürlich nicht, der Einzige Effekt des aktuellen Systems ist: es wir immer teuer und bald mal unbezahlbar. Liebe Regierung in Bern: wir brauchen keine Besserwisser und Leithammel, dass können wir selber besser! Auch ohne Diplom!
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Würden Sie auch ein Haus von einem Handwerker ohne Ausbildung bauen lassen und sich in einen Zug setzen mit einem ungelernten im Führerstand? Pflege ist ein Handwerk wie andere auch, das man lernen kann und muss und mit zunehmender Erfahrung immer besser beherrscht. Ihre Haltung jeder Ungelernte könne das ist abwertend, despektierlich und geht an der Realität vorbei.
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