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Beruf im Wandel Wenn der Pöstler das Gemüse bringt

Legende: Audio Pöstler Marco Soltermann: Gemüse im Anhänger abspielen.
2:12 min, aus HeuteMorgen vom 09.03.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Briefpostvolumen ist in den letzten zehn Jahren um einen Drittel zurückgegangen.
  • Die Post sucht daher nach alternativen Aufgabenbereichen für die Pöstlerinnen und Pöstler.
  • Die neuen Aufgaben sind vielseitig. Sie reichen von Gemüsetransport bis hin zum Einsammeln von Altpapier.

Die Post sucht nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten für die 12’000 Pöstlerinnern und Pöstler. In den letzten zehn Jahren wurde der Personalbestand zwar bereits um 4500 Personen reduziert.

Grundsätzlich bleiben die Fixkosten gleich. Egal ob man zehn Briefe oder nur einen Brief transportiert.
Autor: Lea WertheimerSprecherin Post

Einen gewissen Minimalpersonalbestand braucht das Unternehmen aber, da es einen Grundversorgungsauftrag hat. «Grundsätzlich bleiben die Fixkosten gleich. Egal ob man zehn Briefe oder nur einen Brief transportiert; wir müssen an den Briefkasten», sagt Postsprecherin Lea Wertheimer. Die Post versucht deshalb, ihre Briefträger besser auszulasten.

Gemüse statt Briefe im Anhänger

Die Post setzt dabei auf andere Dienstleistungen. Pöstler Marco Soltermann lädt beispielsweise jeden Freitagmorgen Gemüse, Früchte, Brot und Eier in seinen Anhänger. «Der Landwirt bereitet die Ware auf und bringt sie zu uns – und wir liefern sie dann aus», erklärt Soltermann. Seit 18 Jahren verteilt er in Solothurn die Post – und nun eben auch Eier, Gemüse und Früchte.

Ein Pöstler sitzt auf seinem Mofa
Legende: Pöstler erbringen neben der Verteilung von Post vermehrt auch andere Leistungen. SRF/ALEX MOSER

Von Altpapier bis Stromzähler

Die Post macht in der ganzen Schweiz verschiedene Versuche, um die Briefträger zu beschäftigen, sagt Postsprecherin Wertheimer: «Im Bündnerland sammeln wir Altpapier ein, oder wir lesen die Stromzähler ab – wie in der Region Basel und im Tessin.» In Grenchen holen die Postboten übriggebliebene Lebensmittel ab.

Eine Pöstlerin trägt Briefe und Gemüse aus.
Legende: Pöstlerinnen und Pöstler haben vielfach mehr als Briefpost in ihrem Anhänger. Keystone

Während ältere Pöstler mit diesen neuen Aufgaben teilweise Mühe bekunden, sieht es Soltermann positiv: «Ich finde es gut, und grösstenteils kommt das bei den Leuten auch gut an. Das hilft uns, den Rückgang des Sendungsvolumens auszugleichen. So können wir auch die 100-Prozent-Stellen erhalten.»

So können wir die 100-Prozent-Stellen erhalten.
Autor: Marco SoltermannPöstler in Solothurn

Immerhin ist man bei der Schweizerischen Post noch nicht so weit wie in Finnland. Denn dort müssen die Pöstlerinnen und Pöstler neben dem Austragen der Post nämlich hin und wieder zusätzlich den Rasen der Postkunden mähen.

23 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    "So können wir die 100-Prozent-Stellen erhalten." Trennen wir uns doch mal von diesem Lügengebilde und Illusion, der 100% Stellen in Zeiten des gandenlosen Wettbewerbs, der eigentlich vor allem auf Kosten der Arbeitenden geht, die angestellt sind. Beginnen wir doch die Regeln zu machen, was eine angemessene Arbeit ist, was gute menschengerechte Arbeit ist. Was den Lohnabhägnigkeit in Zeiten konzernaler Monopolisierunge bedeudet? Ich glaube niemand hier will wieder Zustände wie im 19.Jh.?
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  • Kommentar von maya blanchard (bee bee)
    teil 1: ich hab im kanton waadt letztes jahr die erfahrung gemacht, dass die paketzusteller von leshop (migros) für die zustellung derer bestellungen beauftragt wurden. haben wir nicht vor ein paar wochen gelesen, was diese menschen leisten, um all diese paketflut - vermehrt auch durch die online-käufe - zu bewerkstelligen? und immer schön im limit der vorgegebenen zeit durch die post.
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    1. Antwort von maya blanchard (bee bee)
      teil 2: ich habe "meinem" pöstler jedenfalls versprochen, nie wieder eine lieferung vor 12h zu planen, denn danach ist eine andere lieferfirma dafür zuständig. nota bene: mein letzter chauffeur hat mich über seinen abgang informiert und ich habe ihn gefragt, was er denn bei dieser firma so verdient habe: 4000 fränkli. klar, dass meine lieferspesen mit eingriff der post um einen franken gestiegen sind. sollte aber theoretisch nur für lieferungen durch die post gelten, oder?
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    2. Antwort von maya blanchard (bee bee)
      teil 3: und die briefzusteller haben hier bei uns noch ordentlich post dabei: hinten anhänger, vor dem lenker auch noch grosse kisten... und allen brief- und paketzustellern, die diese situation bei der post noch mitmachen, möchte ich hiermit einmal mehr ein riesiges dankeschön aussprechen, von herzen.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Ich plädiere ganz klar dafür, dass die Löhne an die Person gebunden werden. Dann müssten nicht diese ständigen Crossovers ‚erfunden‘, diese petites fugues kostspielig von smarten Managern entwickelt werden. Pöstler, die die Post verteilt haben, gehen nach Hause, wenn die Arbeit erledigt ist und tun Anderes. Arbeit gibt's genug. Lohnarbeit, wird von dem System dem kapitalistisch gewinnfixierten Unternehmer immer knapper gehalten. Klar ist, überall wird von Konzernseite gedrückt und erpresst.
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