Bessere Politik dank Vertretung aller Altersgruppen?

In der öffentlichen Wahrnehmung ist das Schweizer Parlament hoffnungslos überaltert. Aber Senioren wie auch junge Erwachsene sind massiv untervertreten. Ist dies diskriminierend oder hätten verschiedene Meinungen doch grössere Wirkung als die gleichmässige Vertretung aller Altersgruppen?

Säulendiagramm mit Anteil der Altersgruppe und Anteil an Parlamentssitzen.

Bildlegende: Junge Erwachsene und Senioren sind anteilsmässig im Parlament deutlich untervertreten. SRF

Betrachtet man die Altersstruktur des neu gewählten Nationalrats genauer, wird klar: Die Jungen machen 17 Prozent der Stimmberechtigten aus – kommen im Nationalrat aber tatsächlich nur auf 2 Prozent der Sitze. Gar ein Viertel der Wähler sind aber Senioren, also über 65 Jahre alt. Doch auch sie kommen nur gerade auf 5 Prozent der Sitze.

Nur die zweite Altersgruppe von 30 bis 49 Jahren ist mit 40 Prozent leicht übervertreten. Den Löwenanteil machen aber die 50- bis 64-Jährigen aus: Obwohl sie nur 26 Prozent der Stimmberechtigten repräsentieren, befindet sich über die Hälfte der Parlamentarier in dieser Altersgruppe.

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Senioren sind im Parlament untervertreten

1:59 min, aus Tagesschau vom 24.10.2015

Kaum Listenplätze für Senioren

Politiker in der dritten Lebensphase haben meist starken politischen Gegenwind: Parteien verbannen Rentner oft auf hintere Listenplätze. An der Messe «Zukunft Alter» in Luzern ist das aktive Altern und die Politik ein Thema.

Der 74-jährige René Künzli setzt sich mit seiner Terz-Stiftung für Senioren ein. Dass es nur Wenige ins Parlament schaffen, stört ihn: «Ich betrachte das fast als etwas diskriminierend. Das Alter kann nicht Massstab sein, ob jemand als Kandidat aufgestellt wird oder nicht.»

Meinungen vertreten, nicht Altersgruppen

Nicht die Altersstruktur der Gesellschaft müsse im Parlament abgebildet sein, sondern die verschiedenen Meinungen, meint indes der Politikwissenschaftler Georg Lutz von der Universität Lausanne. Politische Meinungen seien bei Alt und Jung ähnlich verteilt. «Wenn man nur das Parlament anschaut, ist es fraglich, ob das bedeutet, dass Senioren in der Politik nicht gehört werden. Denn Senioren drücken sich häufiger an der Urne aus als junge Menschen. Das bedeutet auch, dass sie politische Entscheide massgeblich mit beeinflussen können, auch wenn sie keine direkte Vertretung im Parlament mehr haben.»

Blick über die Köpfe von Zuschauern in den Nationalratssaal.

Bildlegende: Die Bevölkerungsgruppe der Jungen und Alten sind im Parlament unterdurchschnittlich vertreten. Parlament

René Künzli betont aber, dass es nicht allein darum geht, sich nur für die ältere Generation einzusetzen und darum reife Köpfe ins Parlament zu bringen. Vielmehr gehe es darum, dass Senioren allen dienen könnten: «Ihre Meinung ist geprägt von vielen Erfahrungen aus ihrem Leben, die sie weitergeben können. Es macht ja keinen Sinn, Dinge zu tun, die andere schon gemacht haben und dabei erlebt haben, dass es nicht funktioniert.»