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Besserer Schutz für Kinder Auch Kitas und Trainer sollen Verdachtsfälle melden

Legende: Video Besserer Schutz für Kinder abspielen. Laufzeit 01:47 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.11.2017.
Legende: Video Beat Flach (GLP/AG) kämpft für die erweiterte Meldepflicht. abspielen. Laufzeit 01:33 Minuten.
Aus News-Clip vom 28.11.2017.

Darum geht es: Wenn Menschen, die beruflich regelmässig mit Kinder zu tun haben, zum Beispiel Musiklehrer oder Sporttrainer, den Verdacht auf Missbrauch haben, sollen sie dies künftig bei der Kindesschutzbehörde melden müssen. Dies aber auch nur im Fall, in dem sie dem betroffenen Kind nicht selber helfen können. Fachpersonen mit Berufsgeheimnis sollen Verdachtsfälle melden können. Der Bundesrat beantragte dafür eine Änderung des Zivilgesetzbuches.

So entschied der Nationalrat: Er beschloss mit einer Mehrheit von 102 Ja-Stimmen zu 92 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen auf die Vorlage einzutreten. Nach der Detailbereinigung stimmte sie mit 118 Ja-Stimmen zu 72 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen für die Vorlage. Diese geht nun zurück zum Ständerat.

So war es bisher: Heute müssen nur Personen in amtlicher Tätigkeit – beispielsweise Lehrer und Sozialarbeiter – den Behörden mitteilen, wenn ein Verdacht auf Gefährdung des Kindeswohls besteht. Andere Personen können Meldung erstatten, müssen aber nicht. Kleinkinder kommen selten in Kontakt mit Amtspersonen und fallen deshalb so oft zwischen Stuhl und Bank. Die Gesetzesänderung soll diese Lücke schliessen.

Das sagen die Gegner: Laut der SVP wird das eigentliche Problem mit der Gesetzesänderung nicht gelöst.

Wir müssen überall hinschauen. In der Familie aber auch bei den Behörden.
Autor: Pirmin SchwanderNationalrat SVP/SZ

Deshalb plädiert die SVP für eine Gesamtschau. Es müsse ein System geschaffen werden, «das greift». Nur Melden helfe nichts. Zudem werden heute Kinderbetreuuerinnen in der Ausbildung auf die Anzeichen einer Kindsgefährdung bereits geschult.

Ich gehe davon aus, dass bereits heute Kitas Verdachtsfälle auch ohne Pflicht melden.
Autor: Nadja PierenNationalrätin SVP/BE

Das sagen die Befürworter: Die Gesetzesänderung sei nötig, weil sie Behörden ermögliche frühzeitig einzugreifen. Jean-Christophe Schwaab (SP/VD) wies darauf hin, dass verschiedene Kantone wie das Tessin gute Erfahrung mit der erweiterten Meldepflicht gemacht hätten. Die Angst vor Denunziantentum ist laut den Befürwortern unbegründet. Denn nicht jede Meldung führt zu Massnahmen.

Mit der Meldepflicht kommt niemand ins Gefängnis, der keine Meldung erstattet.
Autor: Bernhard GuhlNationalrat BDP/AG

Die Gesetzesänderung schade also auch niemanden. Im Gegenteil: Für Bundesrätin Simonetta Sommaruga ist klar, dass eine Gesetzeslücke bestehe. Immer, wenn es zu einem Übergriff komme, stehe die Frage im Raum, warum man nicht hingeschaut habe. Jetzt werde dafür gesorgt, dass in Zukunft besser hingeschaut werde.

Es darf nicht sein, dass zuerst ein Kind misshandelt werden muss, bis Behörden eingreifen können. Man muss handeln können – bevor etwas passiert.
Autor: Simonetta SommarugaBundesrätin SP

Hälfte der Opfer: Kleinkinder

Jährlich werden in Schweizer Kinderspitälern über 1400 Kinder wegen Misshandlung behandelt. Die Hälfte davon ist unter sechs Jahre. Ein Viertel sogar unter zwei Jahre. Tendenz steigend. Die Dunkelziffer wird als beträchtlich höher geschätzt.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Mirco Schmid (Mirco Schmid)
    Wichtig ist, dass alle Fälle statistisch erfasst werden und festgestellt wird, wann es zu Falschmeldungen kam - nicht zu verwechseln mit einem bösartigen Anschwärzen. So kann festgestellt werden, so besser hingeschaut werden muss. Wichtig ist auch, dass die Öffentlichkeit im die Zahlen informiert wird, wozu auch die Umstände gehen, damit sie sich einen Überblick verschaffen kann. Das ist für das Vertrauen wichtig und das Auge des Volks sorgt, dass auch Behörden und Politik wachsam bleiben.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Ganz wichtig ist: "Eignung", Charakter-und Persönlichkeitsstärke, von entsprechendem Personal während der Ausbildung/Praktikum zu testen und deren Leumund genau zu recherchieren = Vorbeugung!!
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Primär muss endlich ein entsprechendes Gesetz zur Wegschliessung von Sexualstraftätern und die "Verjährungsklausel" für sexuelle Übergriffe entsprechend geändert werden!Nur selber "Täter" und "Feiglinge"- damit unfähige, ungeeignete Leute (Bildungs-,Sozial-,Pflege-Betreuungsbereich), melden sexuelle Übergriffe nicht - egal wo!! Dafür muss aber auch endlich das gesamte System funkionieren und agieren, handlungsfähig werden (Leitungspersonen, Polizei, Untersuchungsrichter, Justiz, Ärztschaft..)!
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