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Besserer Schutz für Kinder Braucht es eine Meldepflicht für Kitas und Trainer?

Legende: Audio Meldepflicht: Besserer Schutz für Kinder oder nicht? abspielen. Laufzeit 01:55 Minuten.
01:55 min, aus HeuteMorgen vom 28.11.2017.
  • Wenn Fachleute, die Kinder professionell betreuen oder trainieren, den Verdacht auf körperliche Gewalt oder andere Formen von Missbrauch hegen, können sie das den Behörden melden.
  • Sie können, müssen aber nicht. Heute diskutiert der Nationalrat darüber, ob sie neu dazu verpflichtet werden sollen.
  • Was hiesse eine Meldepflicht für Kita-Betreuerinnen oder Sporttrainer?
Legende: Video Kitas sollen Verdachtsfälle melden abspielen. Laufzeit 00:33 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 28.11.2017.

Lehrer und Sozialarbeiter kennen bereits heute eine Meldepflicht, wenn sie das Kindeswohl gefährdet sehen. Soll diese Pflicht auch auf weitere Berufsleute aus Betreuung, Bildung, Sport oder Religion ausgedehnt werden?

Beim Dachverband der Kitas und Tagesfamilien (kibesuisse) sagt Geschäftsleiterin Nadine Hoch:

«Es gäbe eine Unsicherheit, wer bei uns eine Fachperson in der Betreuung ist. Das würde ganz sicher dem von uns den Trägerschaften vorgeschlagenen Weg widersprechen, dass eine Meldung über die Leitung gehen soll.»

Es gäbe eine Unsicherheit, wer bei uns eine Fachperson in der Betreuung ist.
Autor: Nadine HochGeschäftsleiterin Dachverband der Kitas und Tagesfamilien

Bereits vor geraumer Zeit hat der Dachverband der Kitas geschrieben, die Meldepflicht führe nicht zu besserem Schutz der Kinder. Je nach Fall gebe es andere Möglichkeiten, dem Kind zu helfen – beispielsweise ein klärendes Gespräch. Fachpersonen müssten dafür den nötigen Spielraum haben.

So oder so brauche es eine gute Schulung und Sensibilisierung der Betreuenden auf das heikle Thema.

In Ausbildung sensibilisieren

Bei verschiedenen Sportverbänden klingt es ähnlich: Der Schweizerische Turnverband sagt, die Profitrainerinnen und Profitrainer würden in ihrer Ausbildung sensibilisiert – insbesondere auf die sexuellen Übergriffe im Sport.

Auch bei Swiss Olympic sagt Informationsleiter Alexander Wäfler: «Deshalb engagieren wir uns als Dachverband des Schweizer Sports seit 2004 intensiv für dieses Thema. Wir haben zusammen mit dem Bundesamt für Sport dieses Programm ‹Keine sexuellen Übergriffe im Sport› lanciert. Das enthält unter anderem acht präventive Massnahmen, das wir Verbänden und Vereinen zur Verfügung stellen, damit sie sich wappnen können.»

Deshalb engagieren wir uns als Dachverband des Schweizer Sports seit 2004 intensiv für dieses Thema.
Autor: Alexander WäflerInformationsleiter Swiss Olympic

Darunter findet sich auch eine Anleitung, wie bei einem Verdacht vorzugehen ist: Die Situation zusammen mit dem mutmasslichen Opfer und den Angehörigen klären, heisst es da an erster Stelle – nicht etwa die Meldung an die Behörden.

Braucht es eine erweiterte Meldepflicht? Auch im Parlament gehen die Meinungen auseinander.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Das nächste ist dann, dass all diese Fachpersonen mit einer Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung an Minderjährigen rechnen müssen, wenn sich herausstellt, dass sie als Trainer, Betreuer oder Lehrkraft in irgend einer Weise Kontakt hatten mit einem Kind, welches irgendwo missbraucht worden ist. Um sich selber zu schützen, wäre es dann empfehlenswert, sich bereits beim leisesten Verdacht unverzüglich an die KESB zu wenden, welche dann einen guten Grund hat, das Kind fremd zu platzieren. NEIN!
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    1. Antwort von Astrid Meier (Swissmiss)
      Ich habe das in der Realität anders erlebt: trotz Meldung hat die Behörde in mehreren Fällen über Monate nicht reagiert. In einem Fall half nur noch die Anzeige bei der Polizei in einem Fall, wo die Mutter den Missbrauch durch den Vater bestätigte. Dann kam der Stein endlich ins Rollen, aber fremdplatziert wurde der Junge auch dann nicht. Dass die KESP wegen jeder Bagatelle Kinder ins Heim steckt, ist schlicht unwahr.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    "Rückgratlos"! Wie kann sexueller Missbrauch immer noch "umstritten" sein - 2017 -?? Wer und was für Leute sind das, welche diese - für die Opfer - lebenslangen Traumatas befürworten?? Wer nicht gegen die abartige Täterschaft ist, ist für den Schutz dieser "Kriminellen"!! Das allerdings, ist mehr als nur "auffällig"!!
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    1. Antwort von Philipp Etter (Philipp Etter)
      Sehr geehrte Frau Casagrande. Ich glaube nicht, dass irgendjemand Missbrauchstäter in Schutz nehmen will, aber es geht hier um die Verhältnismässigkeit. Es darf nicht so weit kommen, dass jeder Erwachsene bei einem blauen Flecken gleich die KESB anruft! Ich fände es sinnvoller, Erwachsene die mit Kindern arbeiten mehr zu sensibilisieren, wie Missbrauch an Kindern festgestellt werden kann und wann, respektive bei welchen Anzeichen übergeordnete Stellen oder gar die KESB zu informieren sind.
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    2. Antwort von Astrid Meier (Swissmiss)
      Eine Gefährdung des Kindeswohls bedeutet nicht nur sexuellen Misssbrauch.. Der ist ohne Aussage des betroffenen Kindes sowieso kaum feststellbar und beweisbar. Damit das Kind aber spricht, ist in erster Linie Vertrauen nötig. Auch ein missbrauchtes Kind möchte möglicherweise nicht den missbrauchenden Elternteil verlieren, dafür verantwortlich sein, dass er ins Gefängnis muss. Zudem: wer meldet? Die Praktikantin? Jede Hortmitarbeiterin? Haben diese Leute eine entsprechende Ausbildung?
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