Bevölkerungsschutz 2.0: Die «Katastrophen»-App kommt

Es ging lange, bis die Bevölkerung in Le Locle (NE) erfuhr, dass das Trinkwasser verschmutzt ist. Bereits 1000 Personen litten an einer Magen-Darm-Infektion – ein Zehntel aller Einwohner. Das soll künftig nicht mehr passieren: Über eine Handy-App will der Bund die Betroffenen vor Ungemach warnen.

Ein Brunnen in Le Locle, mit einem Aufkleber wird vor dem verunreinigten Wasser gewarnt.

Bildlegende: Bis die Bewohner von Le Locle informiert wurden, war das Unheil bereits geschehen. Das soll sich ändern. Keystone

Erst nach Tagen haben die Behörden in Le Locle (NE) die Bevölkerung informiert, dass das Trinkwasser verschmutzt sei. Ab 2017 könnte es schneller gehen: Die bundeseigene Handy-Anwendung Swissalert – eine App für Smartphones – soll dann automatisch Alarm schlagen bei Katastrophen aller Art.

«Die Bevölkerung erhält durch die App eine Alarmierungsmeldung mit entsprechenden Verhaltensanweisungen und weiteren Informationen zum jeweiligen Ereignis», sagt Christoph Flury vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS).

Solche Anweisungen könnten die Behörden auch regional streuen, gerade bei verschmutztem Trinkwasser sei das hilfreich. Im Falle von Le Locle ist Flury denn auch überzeugt, dass eine solche App einen grossen Wert für die Bevölkerung dargestellt hätte.

Bund plant Promo-Kampagne

Ursprünglich wollte der Bund noch weiter gehen und die ganze Bevölkerung per Handy-Nachricht vor Katastrophen warnen, nicht nur die Benutzer der Handy-App. Dieses Ziel bleibt zwar, seine Verwirklichung dauert aber länger als geplant, nicht zuletzt wegen Geldmangels: Der flächendeckende Handy-Alarm kostet nämlich bis zu 20 Millionen Franken, die abgespeckte Variante lediglich eine halbe Million.

Zusätzlich plant das Bundesamt für Bevölkerungsschutz eine grosse Kampagne, damit möglichst viele Leute die App herunterladen. Ziel ist es, in einem Fall wie in Le Locle möglichst viele Menschen warnen zu können.

Warnen ist gut, Vorsorge ist besser

Vor schmutzigem Wasser warnen ist das eine, daneben wollen Trinkwasserexperten aber auch verhindern, dass überhaupt Bakterien in die Leitungen gelangen. Laut dem Bündner Kantonschemiker Matthias Beckmann haben Wasserversorger und Gemeindebehörden in letzter Zeit deutlich mehr Kurse zum Thema Krisen abgehalten, etwa zur Frage: «Was tun bei Bakterien im Wasser?» Umso wichtiger ist das wegen des Klimawandels: Heute gebe es häufiger starken Regen und Überschwemmungen, was ein Problem für die Wasserleitungen darstelle:

«Wenn Leitungen mit der Zeit korrodieren und Leck schlagen, tritt nicht nur Wasser aus den Leitungen aus. Es können auch Verunreinigungen in Leitungen eindringen», führt der Chemiker aus. Beckmann ist deshalb überzeugt, dass die Schulungen für Wasserexperten sinnvoll sind. Er hofft, dass die Behörden in Zukunft Probleme wie in Le Locle verhindern können – oder wenigstens die Bevölkerung rechtzeitig warnen, ob mit oder ohne Handy.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Le Locle sitzt auf dem Trockenen

    Aus Tagesschau vom 29.7.2015

    Das Trinkwasser im Neuenburger Le Locle ist mit Fäkal-Bakterien verseucht. Nach Tagen auf dem Trockenen verteilen die Behörden nun Wasser an die Bewohner.

  • Trinkwasser in Le Locle verseucht

    Aus Tagesschau vom 28.7.2015

    In Le Locle im Kanton Neuenburg ist seit dem Wochenende jeder zehnte Einwohner an einer Magen-Darm-Infektion erkrankt. Verantwortlich sind Kolibakterien im Trinkwasser. Die Behörden stehen vor einem Rätsel.