Zum Inhalt springen

Bezahlter Urlaub für Eltern Pflege von Angehörigen soll kein Jobkiller mehr sein

Legende: Audio Urlaub für kranke Kinder und Angehörige abspielen. Laufzeit 02:50 Minuten.
02:50 min, aus Rendez-vous vom 28.06.2018.
  • Wenn ein Kind schwer erkrankt, sollen es die Mutter oder der Vater auch betreuen können, wenn sie berufstätig sind. So möchte es der Bundesrat.
  • Auch höhere AHV-Betreuungsgutschriften und bezahlter Urlaub, wenn schwerkranke Angehörige Pflege brauchen, sollen eingeführt werden.
  • Die geplanten Massnahmen würden insgesamt 230 Millionen Franken kosten. Der Bundesrat hat die Vernehmlassung dazu eröffnet.

Pro Jahr verunfallen oder erkranken über 8000 Kinder und Jugendliche so schwer, dass sie mehr als eine Woche im Spital liegen müssen. Die Zahl der Menschen in der Schweiz, die an einer chronischen Erkrankung leiden, nimmt Jahr für Jahr zu. Bei den über 80-Jährigen sind gut 70 Prozent von einem Leiden betroffen, das zwar behandelt, aber nicht geheilt werden kann.

Pflegende Angehörige spielen eine unglaublich grosse Rolle in der Schweiz. Dieses Engagement verdient Anerkennung. Nicht nur Worte.
Autor: Alain BersetBundespräsident

Der Bundesrat will deshalb pflegenden Angehörigen ermöglichen, sich um diese Kranken zu kümmern, ohne dass sie in dieser Zeit Lohneinbussen am Arbeitsplatz in Kauf nehmen müssen. Für Bundespräsident Alain Berset ist dies nötig: «Pflegende Angehörige spielen eine unglaublich grosse Rolle in der Schweiz.» Sie seien eine unschätzbare Unterstützung für die Gesellschaft als Ganzes. «Und dieses Engagement verdient Anerkennung. Nicht nur Worte.»

Einheitliche Regelung für alle Angestellten

Die Anerkennung soll in Form von drei Massnahmen erfolgen: Die gewichtigste ist eine neue Pflicht für Arbeitgeber, allen Erwerbstätigen bis zu drei Tage frei zu geben, wenn verwandte oder nahestehende Personen schwer erkranken.

Der Lohn würde in dieser Zeit weiter ausbezahlt. Zahlreiche Unternehmen kennen eine solche Regelung bereits, doch längst nicht alle. Der Bundesrat will deshalb eine einheitliche Lösung für die ganze Wirtschaft.

Erhöhung des Lohnabzugs wird nötig

Der Bund rechnet mit Mehrkosten von 90 bis 150 Millionen Franken pro Jahr, welche die Unternehmen zu tragen hätten.

Die zweite Massnahme ist für die bis zu 4000 Familien vorgesehen, die ein verunfalltes oder krankes Kind über längere Zeit betreuen müssen. Neu sollen sie einen bezahlten Betreuungsurlaub von maximal 14 Wochen innerhalb von 18 Monaten beziehen können. Die Kosten von 77 Millionen Franken würden durch eine minimale Erhöhung der Lohnabzüge zugunsten der Erwerbsersatzordnung (EO) von allen Berufstätigen mitfinanziert.

Zusatzbelastung ist laut Berset klein

Und die dritte Massnahme schliesslich betrifft die bestehenden Betreuungsgutschriften für die AHV: Sie sollen leicht ausgebaut werden. Der Kostenpunkt hier liegt bei einer Million Franken. Das alles sei finanziell «absolut verkraftbar», meint Berset. Und: «Es ist ein kleiner, aber guter und notwendiger Schritt für die betroffenen Personen.»

All diese Massnahmen, argumentiert der Bundesrat, würden zudem dazu beitragen, das inländische Potenzial an Fachkräften besser ausschöpfen zu können, weil pflegende Angehörige im Arbeitsprozess damit entlastet werden.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

13 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Andrea Laube (Hebamme)
    @Margrit Holzhammer wie so oft trägt es zur besseren Entwicklung der Kinder bei, werden sie nicht mit drei Monaten schon 5 Tage die Woche in die Krippe abgeschoben, damit Mutter&Vater wieder 'vollwertig' zur Wirtschaft beitragen. Am besten stellt man den Kindern ab 5 Jahren ein Dauerrezept Ritalin aus, damit sie unser Wirtschafts-selektives-schulsystem ohne Mucken zu machen hinter sich bringen. Wer lernt noch ein Handwerk? Einen Pflegeberuf? Wer kümmert sich um die Alten? Alles hängt zusammen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Roger Stahn (jazz)
    Ein Vorschlag wie immer, wenn wegen ein paar Spitzbuben eine solche Regelung bindend für alle aufgezwängt werden solle, was auch für alle wieder (durch Hintertüre) mehr Abgaben, statt Entlastung letztendlich bedeutet und wieder ein Stück Freiheit flexibel an Ort zu reagieren verloren geht, dann ist das politisch zumindest fragwürdig. Kein anständiger Unternehmer konnte es sich bis anhin leisten, wegen der Pflege von Angehörigen eines Mitarbeiters, diesen zu entlassen oder anderwärtig zu hindern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    "Pflegende Angehörige spielen eine unglaublich grosse Rolle in der Schweiz. Dieses Engagement verdient Anerkennung. Nicht nur Worte." Ja, sie verdienen ein Gehalt, dass sie zu vollwertigen, wirtschaftlich Relevanten Mehrwert Produzierende macht. Denn es ist im geltenden System, der neoliberalen Markt-und Finanzwirtschaft, der höchste Grad an Anerkennung und das Mindeste, das allen Pflegenden zukommen sollte.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Benjamin Perez (Adelante)
      Der Staat macht das nur, weil es unter dem Strich günstiger ist.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Da habe ich eine Frage, Frau Kunz: Nehmen wir an, die ANin (bei realistischer Betrachtung ist es "sie") will ihren im Ausland lebenden Elternteil pflegen. Diese Konstellation wird in Zukunft immer öfters zutreffen. Was denken Sie darüber? Würde dieses Engagement auch "Anerkennung" verdienen? Ist es wirtschaftlich relevant? Dabei müssen wir schon noch aufpassen, dass keine Herkunftsdiskrimination entsteht. Die Frage wurde durch einen reellen Fall inspiriert. Bin gespannt auf Ihre Meinung.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Dazu folgendes Überlegung, Frau Fitzi: Betrachten wir dieses Gehalt, als ein an die Person gebundenes, als ein sozusagen politisch-ökonomisches, unveräusserliches Recht, wie sagen wir mal, das Wahlrecht, das nicht davon abhängt, ob ich wählen gehe, mich enthalte und ob ich im Ausland bin? Mal dies als eine möglich Antwort hier von mir.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen