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Beznau I darf wieder ans Netz Ein Rest Glaubensfrage bleibt

Legende: Video Beznau 1 darf wieder ans Netz abspielen. Laufzeit 5:06 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 06.03.2018.

Über 1100 Tage ist es stillgestanden – nun kann es wieder angefahren werden. Im Kernkraftwerk Beznau 1 sind 2015 sogenannte Einschlüsse im Reaktordruckbehälter festgestellt worden. Diese Einschlüsse wurden als Rückstände von Aluminiumoxid identifiziert aus dem Giessprozess zur Herstellung des Reaktordruckbehälters in den 1960er-Jahren.

Die Frage stellte sich: Sind diese Einschlüsse gefährlich? Lassen sie den Reaktordruckbehälter schneller altern? «Nein» lautet nun – über 100 technische Berichte von über 40 internationalen Experten später – die Antwort des Ensi. Das Atomkraftwerk erfülle die Sicherheitsanforderungen und dürfe wieder ans Netz.

Zweifel an Test

Die aufwändigen Abklärungen scheinen wasserdicht. Als wohl einziges Einfallstor für die Kritiker erweist sich die Tatsache, dass die Tests nicht am Original-Druckwasserreaktor gemacht werden konnten, sondern an einer identisch nachgebauten Kopie. Diese weise dieselben Eigenschaften auf wie das Original, betonen Ensi und Axpo.

Dazu gebe es keine abschliessende Sicherheit, entgegnet Greenpeace. Schliesslich sei die Kopie nicht wie das Original bereits 40 Jahre radioaktiver Strahlung ausgesetzt gewesen. Im Zweifelsfalle für die Sicherheit, sprich: abschalten lautet deshalb die Forderung. Obschon die wissenschaftlichen Beweise erdrückend scheinen – ein Rest Glaubensfrage bleibt. Und bleiben wird auch die Auseinandersetzung um die Schweizer Atomkraftwerke.

Zurzeit ist vor Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde von Anwohnern des Kernkraftwerks Beznau hängig. Aus deren Sicht müsste Beznau 1 abgeschaltet werden, weil es zu viel Radioaktivität abgeben würde im Falle eines Erdbebens von der Stärke, wie sie statistisch gesehen einmal alle 10'000 Jahre vorkommen. Der nächste AKW-Expertenstreit ist also programmiert. Ruhig wird es um die Schweizer Kernkraft wohl erst, wenn die letzten Kraftwerke vom Netz sind, und das dauert aus heutiger Sicht noch rund 15 Jahre.

Klaus Ammann

Klaus Ammann

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.

54 Kommentare

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  • Kommentar von Beatrice Fiechter (thea)
    Eine Frage an SRF: Es würde mich interessieren, wie die Axpo, die doch so verschuldet war, nun Milliarden haben, die sie in die Nachrüstung gesteckt haben? Macht das wirtschaftlich überhaupt Sinn? Ich kenne mich in Wirtschaft zu wenig gut aus, kann mir gar nicht vorstellen,mit was für Zahlen gehandelt wird u.wie das aufgehen soll? Ich denke,wir alle werden etwas im Dunkeln gelassen, was auch sicher einen Grossteil des Misstrauens auslöst. Erklärende Infos/Hintergründe wären hilfreich.
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    1. Antwort von SRF News
      Lieber Frau Fiechter Die Frage nach dem wirtschaftlichen Sinn der Nachrüstung des AKWs Beznau ist sehr berechtigt. Die Axpo argumentiert zusammen gefasst ungefähr so: Kurz vor der unvorhergesehenen Ausserbetriebnahme 2015 hatte Axpo mehrere hundert Millionen Franken in die Nachrüstung gesteckt. Nun sind durch Abklärungen zu den Aluminiumoxideinschlüssen im Reaktordruckbehälter Kosten von 350 Millionen Franken entstanden. Nun will Axpo mit dem Weiterbetrieb von Beznau 1 – auch wenn es nicht rentiert wegen den tiefen Strompreisen – zumindest einen Teil des Geldes wieder erwirtschaften. Jetzt, wo die Strompreise wieder steigen, stehen die Aussichten diesbezüglich gar nicht schlecht. Grundsätzlich hat Axpo zwar in den letzten Jahren einen grossen Teil des Eigenkapitals verloren – wegen grossen Abschreibern – aber das Unternehmen ist nach wie vor liquide. Es kann sich die Aufwendungen «leisten». Axpo hat zudem langfristige Lieferverträge. Läuft das AKW nicht, muss der Konzern teils teuer Ersatzstrom einkaufen, um die versprochenen Mengen liefern zu können. Aber klar, die Entscheidung Weiterbetreiben oder nicht, ist schliesslich eine Ermessensfrage. Die BKW hat sich im Fall von Mühleberg anders, nämlich für Abschalten entschieden – hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen. Wir hoffen, Ihnen mit diesen Erläuterungen weiterzuhelfen. Beste Grüsse, Klaus Ammann
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  • Kommentar von Beatrice Fiechter (thea)
    Mit der erneuten Bewilligung werden falsche Zeichen gesetzt! Für immens hohe Kosten werden die AKWs nachgerüstet, obwohl die Kosten für Rückbau u.Lagerung od.evtl. weitere Reparaturen nur im ungefähren Rahmen berechnet sind. Zudem ging es bis jetzt 3Jahre lang auch gut ohne Beznau1. Die AKWs werden für uns noch ein wirtschaftliches Mega-Desaster! Zudem konkurenziert es in unguter Weise alle neuen Bemühungen,rentable u.ökolog. sichere alternative Strukturen aufzubauen. Was sagt der BR dazu?
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Liebes SRF, es wäre wohl in dieser Frage gerechtfertigt, wenn ihr Beznau I nicht nur "die ältesten Reaktoren der Schweiz", sondern "die ältesten Reaktoren der WELT" nennt. Denn das sind sie mittlerweile. Es sind Schrottmeiler, welche dieser Planet in keiner Kosmetikweise mehr braucht!
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