Bischof Huonder erhält Schelte vom Medienchef

Bischof Vitus Huonder hat offenbar in eigener Regie gehandelt, als er in Fulda die Bibel zur Homosexualität zitierte und umstrittene Schlüsse zog. Sein Medienberater und Bistumssprecher Giuseppe Gracia sieht das Problem vor allem darin, dass der Bischof die Wirkung seiner Worte nicht bedacht hat.

Gracia steht mit Sonnenbrille und verschränkten Armen in einem braunen Kittel vor einer Kirche.

Bildlegende: Giuseppe Gracia, Bistumssprecher und Mediencoach von Bischof Vitus Huonder. Keystone

Er rede zur Angelegenheit nicht als Sprecher des Bistums Chur, sondern ausschliesslich in seiner Funktion als kritischer Medienberater von Bischof Huonder, betonte Giuseppe Gracia im «Tagesgespräch» von Radio SRF. Im Fall Fulda sei seine Beraterfunktion allerdings ausser Kraft gewesen. Denn er sei davon ausgegangen, dass der Bischof an besagtem Kongress nicht einen Vortrag halte, sondern eine Messe lese.

«  Hauptproblem ist wirklich, dass er den Text in den Ferien schrieb. »

Giuseppe Gracia
Sprecher des Bistums Chur und Medienberater von Bischof Vitus Huonder

Hauptproblem sei, dass Huonder den Text in den Ferien geschrieben habe, erklärt Gracia weiter. Dieser Text enthielt alttestamentliche Zitate, wonach Sex zwischen Männern eine mit dem Tod zu bestrafende «Gräueltat» darstelle. Dies löste scharfe Reaktionen und Strafanzeigen aus, in deren Folge sich der Bischof entschuldigte.

Schockiert vor allem über den «Nachsatz»

Gracia liess durchblicken, dass er dem Bischof von den Bibelzitaten zum homosexuellen Akt abgeraten hätte, wäre er beigezogen worden: «Ich hätte ihm gesagt, das werde politisch verstanden. Er werde mit den Aussagen Menschen verletzen, auch wenn er es fachtheologisch meine.»

Als problematisch bezeichnet Gracia vor allem den Nachsatz Huonders, wonach die «beiden Bibelstellen allein genügen würden, um der Frage der Homosexualität aus der Sicht des Glaubens die rechte Wende zu geben».

«  Wer seine Meinung sagt, muss darauf achten, dass er nicht von Menschen missverstanden wird, die andere umbringen könnten. »

Giuseppe Gracia
Sprecher des Bistums Chur und Medienberater von Bischof Vitus Huonder

Gracia würde nach eigenen Worten dem Bischof nie unterstellen, dass dieser absichtlich Agressionen geschürt habe. Wer aber seine Meinung sage, müsse darauf achten, dass er nicht von Menschen missverstanden werde, die andere umbringen könnten.

Wie ein hoher Geistlicher auftreten sollte

Es gehe hier zum einen um die inhaltliche Diskussion mit der Auslegung der Bibel, zum anderen aber um die Frage, wie eine religiöse Figur aufzutreten habe: «Je grösser die öffentliche Wirkung aufgrund des Amtes einer Person, desto grösser ist die Verantwortung.»

Auf die Frage, ob er für einen solchen Chef noch arbeiten könne, sagt Gracia: «Ich werde das Bistum loyal weiter begleiten und das Beste tun, um den Schaden zu begrenzen. Alles andere ist Spekulation.»

Er habe das Bistum informiert, dass er im «Tagesgespräch» als Medienfachmann Stellung nehmen werde, so Gracia. Er stehe für eine klare und robuste Kommunikation auch in der Krisensituation. Sein Credo: «Im Zweifelsfalle immer für die Transparenz.»

Entschuldigung auch aus Zürich

Auch die Zürcher Katholiken reagieren auf Huonders Worte: Generalvikar Josef Annen und Synodalratspräsident Benno Schnüriger bitten um Entschuldigung für dessen Äusserungen. Ansehen und Glaubwürdigkeit der Kirche nähmen grossen Schaden, schreiben sie. Sie richten sich vorab an Homosexuelle, aber auch an alle anderen, «die skandalisiert sind».

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