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Schweiz Bischof Huonder streut Asche auf sein Haupt

Seine umstrittenen Aussagen zu Homosexuellen haben dem Kirchenfürsten harte Kritik eingebracht. Nun rudert der Bischof aus Graubünden offenbar zurück, wenn auch nur mit halber Kraft. Mit Blick auf seinen Vortrag sagt er: «Ich würde heute ausführlicher kommentieren».

Bischof Huonder
Legende: Ein Kirchenmann, der über die Bücher ging: Bischof Huonder Keystone

Bischof Vitus Huonder zeigt sich betroffen über die Reaktionen zu seinen umstrittenen Aussagen zu Homosexuellen. In einem Interview entschuldigt er sich bei «allen Menschen, die sich verletzt gefühlt haben». Zudem erklärt und rechtfertigt er seine Haltung.

Strafanzeigen ausgelöst

Huonder hatte Ende Juli bei einem Vortrag im deutschen Fulda Textstellen aus dem Alten Testament zitiert, wonach Homosexualität eine Gräueltat sei, die mit dem Tod bestraft werde. Das löste scharfe Reaktionen und Strafanzeigen aus.

Zu einem laufenden Verfahren wolle er sich nicht äussern, sagte Huonder gegenüber dem «Blick» weiter. «Unabhängig davon ist es mir wichtig, mich bei allen Menschen zu entschuldigen, die sich verletzt gefühlt haben.»

Vorwurf an Medien

Huonder fühlt sich missverstanden: «Die Leute haben nicht meinen Vortrag interpretiert, sondern das, was ihnen von den Medien vorgesetzt wurde.» Wer den ganzen Abschnitt lese, könne nicht sagen, er habe die Todesstrafe gefordert.

Wenn der Katechismus der katholischen Kirche sagt, homosexuelle Menschen seien zur Enthaltsamkeit aufgerufen, dann ist das für mich als Bischof bindend
Autor: Bischof Vitus HuonderRömisch-katholischer Oberhirte von Chur

Er räumte aber ein, dass seine Äusserungen ohne genügendes Fachwissen und Kenntnis des innerkirchlichen Kontextes falsch verstanden werde könnten.

Legende: Video Gesetze gegen Homophobie abspielen. Laufzeit 4:50 Minuten.
Aus 10vor10 vom 10.08.2015.

«Akademisch-theologisch»

Der römisch-katholische Oberhirte von Chur erklärte weiter, er habe den Vortrag rein «akademisch-theologisch» gesehen. «Ich würde heute ausführlicher kommentieren und den ganzen Vortrag erst jemandem vorlegen», sagte der 73-Jährige. Das habe er nicht getan. Die zitierten Bibelstellen müssten zwar ernst genommen werden. «Aber sie müssen interpretiert und in unsere Zeit geholt werden.»

Seine Haltung zur Homosexualität verteidigt der konservative Bischof: «Wenn der Katechismus der katholischen Kirche sagt, homosexuelle Menschen seien zur Enthaltsamkeit aufgerufen, dann ist das für mich als Bischof bindend.»

116 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Meier, Thun
    Bischof Huonder hat einen sehr sachlichen, fundierten, intelligenten und respektvollen Vortrag über Ehe und Familie gehalten, und zwar vor einem Fachpublikum. Dass ein Geistlicher aus der Bibel zitiert, ist doch sehr zu hoffen. Er hat dabei keineswegs zur Gewalt gegen Homosexuelle aufgerufen. Er hat mit dieser Bibelstelle lediglich unterstrichen, dass bereits im Alten Testament der homosexuelle Verkehr als Widerspruch zur natürlichen Ordnung beurteilt wurde. Der Aufschrei ist völlig inszeniert.
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    1. Antwort von Urs Kälin, Schwyz
      Befassen Sie dich doch mal mit diesem Artikel! HOMOSEXUALITÄT IM ALTEN TESTAMENT Von Erhard S. Gerstenberger, Professor emeritus für Altes Testament in Marburg Geschichte und Bewertungen. Gutachten für die EKHN, 1994
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  • Kommentar von P. Manser, St. Gallen
    Es wird wieder Zeit das wir Bäume und Quellen anbeten. So wie früher vor dem Monotheismus, der uns mit Schwert und Blut beigebracht wurde. Ab nächter Woche ein Katholik weniger. Wurde schon lange Zeit auszutreten.
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  • Kommentar von Hans Müller, Zürich
    Zwei Personen von öffentlicher Wahrnehmung geben unsägliche Kommentare von sich, einer von ihnen entschuldigt sich persönlich und wird mit $ 10'000 bestraft. Welcher? Huonder oder Kyrgios? Und der andere?
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