Blut-Engpass trifft Migranten doppelt

Immer weniger Menschen spenden Blut. Damit kämpfen Spitäler und Blutspendezentren schon länger. Doch immer öfter sind auch noch spezielle Blutgruppen-Eigenschaften gefragt. Betroffen sind Menschen mit Migrationshintergrund zum Beispiel aus Afrika oder Asien.

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Zahl der Blutspender nimmt stark ab

2:00 min, aus Tagesschau am Mittag vom 4.1.2016

Spende Blut, rette Leben! Diesen Slogan kennt in der Schweiz wohl fast jeder. Trotzdem hat sich in den vergangenen 15 Jahren die Zahl der Blutspender halbiert.

Das ist das eine Problem. Das andere: Immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund vor allem aus Afrika und Asien haben ganz spezielle Blut-Untergruppen. Diese Eigenheiten hat man erst in den letzten Jahren entdeckt. Inzwischen kennt man 320 Blut-Untergruppen.

Suche nach Spendern im Ausland

Im Blutspende-Zentrum Schlieren (ZH) hat man 37‘000 Spender auf solche Blut-Untergruppen untersucht und registriert. Doch findet man das passende Blut mit einer speziellen Untergruppe in der eigenen Datenbank nicht, so muss europa- oder gar weltweit der richtige Spender gesucht werden.

Solch spezielles Spenderblut kann man theoretisch jahrelang aufbewahren, allerdings nur bei minus 80 Grad. Dies ist in der Schweiz nicht möglich. Solche Spenden müssen darum in Amsterdam gelagert werden.

Operationen verschoben

Auch im Kinderspital Zürich kennt man die Problematik mit speziellen Blut-Untergruppen. Es mussten schon einzelne Operationen verschoben werden, weil man auf das richtige Blut warten musste.

Hämatologe Markus Schmugge hatte schon Patienten, die auf mehrmalige Transfusionen mit einem gereizten Immunsystem reagierten. In einem solchen Fall muss die Behandlung abgebrochen, respektive unterbrochen werden, bis man das richtige Blut mit der entsprechenden Untergruppe gefunden hat.

Weil sich das Problem mit Blut-Untergruppen bei Migrationspatienten verschärfen dürfte, denkt Facharzt Markus Schmugge vom Kinderspital Zürich an neue Wege, um die richtigen Spender zu finden. Er schlägt vor, dass man in Zukunft direkt Angehörige von Migrations-Patienten anfragt, ob sie nicht Blut spenden würden. Es wäre eine einfache Lösung für ein immer grösser werdendes Problem.