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Schweiz Bodenmann bei Schawinski: «EWR-Nein-Jubiläum war ein Flop»

Vor 20 Jahren sagte das Schweizer Volk Nein zum EWR-Beitritt. Der damalige SP-Parteipräsident Peter Bodenmann und Gegenspieler von Christoph Blocher erklärt, wer damals Schuld am Nein war, weshalb sich der bilaterale Weg erschöpft hat und was er von der kürzlichen Jubiläumsfeier der SVP hält.

Legende: Video Gast: Peter Bodenmann abspielen. Laufzeit 28:00 Minuten.
Aus Schawinski vom 03.12.2012.

Die Emotionen während des Abstimmungskampfes 1992 waren einseitig: «Wir verlieren unsere Schweiz und sie geht kaputt», erinnert sich Peter Bodenmann. Heute sind 27 Länder in der EU in Europa vereint und «nirgends ging die Identität kaputt».

Bei der grossen Jubiläumsfeier zum damaligen Sieg über den Beitritt, am Sonntag in Biel, mit Christoph Blocher notabene, wurde wieder auf Schweizer-Folklore gesetzt. Bodenmann, der damalige Verlierer und Parteipräsident der SP zurzeit der Abstimmung und bis 1997, schaut in «Schawinski» amüsiert auf diese Bilder: «Die Veranstaltung war ein Flop.»

Dies denke er, weil – trotz einer enormen Propaganda – wenige Leute nach Biel gereist seien. «Es waren vermutlich etwa 1200 Teilnehmer», vermutet Bodenmann. Die SVP hatte in jeden Schweizer Haushalt Einladungen verschickt. «Es wurde sehr viel Geld investiert, um Leute zu mobilisieren. Die geringe Teilnahme zeigt, dass die Leute nicht nur der EU gegenüber skeptisch eingestellt sind, sondern auch gegenüber dieser Polit-Folklore.»

Bald fertig mit Rosinenpicken

Gefloppt war der EWR-Beitritt vor 20 Jahren laut Bodenmann nicht nur wegen Blocher und der SVP: «Innerhalb des Ja-Lagers gab es Fehler. Aber eine historische Verantwortung tragen die Grünen.»

Im Gespräch mit Roger Schawinski räumt er ein, dass die Schweiz heute besser da stehe, als er nach dem EWR-Nein vor 20 Jahren befürchtet hätte. Etwa was den Fluglärmstreit oder den Druck auf das Bankgeheimnis angehe, präzisiert Bodenmann. «Es gäbe keinen Fluglärmstreit, weil der Flughafen Zürich im europäischen Wirtschaftsraums läge. Aber jetzt können die Aargauer und Zürcher jeden Morgen oder am Abend, wenn die Flugzeuge über ihre Köpfe krachen sagen: ‹Merci Christoph›», sagt er schmunzelnd.

Auch beim Bankgeheimnis seien weder Luxemburg noch Österreich nie so zur Zielscheibe geworden wie die Schweiz. «Weil Mitglieder der EU sich sagen: ‹Wenn ich die angreife, greife ich die EU an.›»

Die Stellung, welche die Schweiz heute in Europa bezogen hat, kann sie laut Bodenmann so nicht mehr lange halten: «Die EU ist langsam genervt, dass sie immer wieder mit diesem kleinen Land verhandelt werden muss.» Irgendwann werde die EU institutionelle Lösungen fordern. «Und dann würden die Schweizer ‹Ja› sagen», ist Peter Bodenmann überzeugt.