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Boni für fitte Versicherte Die Krux mit den Gesundheits-Apps

Legende: Audio Datenschutzbeauftragter rügt Helsana-Bonusprogramm abspielen. Laufzeit 02:43 Minuten.
02:43 min, aus Rendez-vous vom 27.04.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Auszahlung von Boni an Zusatzversicherte, die mit ihrer App belegen, dass sie gesundheitsbewusst leben, ist laut dem Datenschutzbeauftragten legal,
  • Zur Praxis der Helsana sagt der Datenschutzbeauftragte aber: Es gebe keine rechtliche Basis, um Grundversicherten aufgrund ihres gesundheitsbewussten Verhaltens Boni zu gewähren.

Etliche Krankenkassen belohnen ihre Versicherten für einen gesunden Lebenswandel. Die CSS, Sanitas oder Swica etwa bieten solche Bonus-Programme an, allerdings nur in der Zusatzversicherung. Noch weiter geht Helsana mit ihrem Programm Helsana Plus. Dieses sieht ausdrücklich vor, dass auch Grundversicherte profitieren können.

Gesundheitsbewusstes Verhalten dokumentieren

Rund 50’000 Versicherte haben nach Auskunft von Helsana bereits die entsprechende App heruntergeladen, mit der sie ihr gesundheitsbewusstes Verhalten dokumentieren können. Dafür erhalten sie eine Belohnung, die für Grundversicherte bis zu 75 Franken und für Zusatzversicherte bis zu 300 Franken im Jahr betragen kann.

Bei der Registrierung für die App müssen die Teilnehmenden einwilligen, dass die Zusatzversicherung überprüfen darf, ob sie auch bei der Helsana grundversichert sind.

Datenschutz-Beauftragter ist skeptisch

Während das Bundesamt für Gesundheit diesem Programm bereits seinen Segen erteilt hat, kommt nun aber der eidgenössische Datenschutz-Beauftragte Adrian Lobsiger zu einem anderen Schluss.

Zwei Punkte seien rechtswidrig: Zum einen darf – seiner Ansicht nach – die Helsana-Zusatzversicherung nicht wissen, ob jemand auch in der Helsana grundversichert ist. Denn die Frage, wo jemand seine obligatorische Grundversicherung abgeschlossen hat, sei eine besonders schützenswerte Information, die nicht ohne Weiteres weitergegeben werden dürfe, auch nicht innerhalb eines einzelnen Versicherungsunternehmens.

Keine Rechtsgrundlage für Bonuszahlungen

Der zweite Punkt ist womöglich noch folgenreicher: Datenschützer Lobsiger kommt zum Schluss, dass es keine genügende Rechtsgrundlage gibt für Bonuszahlungen an Grundversicherte, so wie dies Helsana vorsieht. Denn in der Grundversicherung gelte das Solidaritätsprinzip der gleichen Prämien für gleiche Leistungen.

Dies sei gesetzlich festgelegt, davon könne man nicht abweichen, auch dann nicht, wenn die Versicherten zustimmten. Und deshalb, argumentiert der Datenschützer, dürfe Helsana auch keine Daten von Grundversicherten für sein Bonusprogramm bearbeiten.

Ein Fall fürs Bundesverwaltungsgericht?

Helsana ist im ersten Punkt bereit, nachzugeben und die Registrierung für die App anzupassen. Im zweiten, grundsätzlicheren Punkt jedoch beharrt der Krankenversicherer auf seiner Position, wonach auch Grundversicherte an dem Bonusprogramm mitmachen dürfen. Diese Frage wird deshalb wohl das Bundesverwaltungsgericht zu klären haben.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Henriette Rub (ehb)
    Eine solche APP kommt für mich nicht in Frage. Was ich den ganzen Tag tue, geht weder meine Krankenkasse noch Herrn Google etwas an. Ich wandere viel mit meinen beiden Hunden, aber das ist ganz alleine mein Hobby, das ich höchstens meiner eigenen Homepage anvertraue
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  • Kommentar von U.E. Romer (romeru)
    Die Krankenkassen sind für die Bezahlung einer Krankheit da und nicht für die Belohnung irgendwelcher Motivationsprogramme. Wer sich nur bewegt und Sport treibt wenn er eine Belohnung erhält, mangelt es an Selbstverantwortung.
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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Gesundheit ist sehr komlex und kann nicht mit einem Schrittzähler bewertet werden. Es ist Zeit, einmal die Kompetenz und Nützlichkeit der Krankenkassen kritisch zu hinterfragen, und nicht alle Probleme bei den Ärzten und Patienten suchen.
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    1. Antwort von robert mathis (veritas)
      Ich denke nicht dass eine K.Kasse zu Bonuszahlungen geeignet ist Gesundheit ist nicht käuflich ansetzen muss man bei den Leistungen der Grundversicherung weil sie zu viele unnötige Anforderungen abdeckt eingeschränkt werden müssten z.B. auch missbräuchliche und leichtfertige Notfallbesuche in Spitälern die lt.Aerzte extrem zu nehmen.
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    2. Antwort von Charles Halbeisen (ch)
      @Veritas. Es gibt Leute, die gehen auf die Notfallstation, weil sie keinen Hausarzt mehr finden. Es gibt für Ärzte in der Schweiz , ausser bei lebensbedrohlichen Notfällen, keine Behandlungspflicht.
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    3. Antwort von robert mathis (veritas)
      Ch.Hebeisen gegen Notfälle ist nichts ein zu wenden das kritisiert Niemand wenn Sie meinen Beitrag lesen werden Sie das erkennen können vielleicht reden Sie einmal mit einem Notfallarzt in einer Klinik.....
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